Diablo 4: Vessel of Hatred im Test: Blizzard auf Kurskorrektur - so gut ist das Add-on wirklich!

Test Felix Schütz
Diablo 4: Vessel of Hatred im Test: Blizzard auf Kurskorrektur - so gut ist das Add-on wirklich!
Quelle: Blizzard Entertainment

Manche Add-ons reißen dich einfach vom Hocker. Und dann gibt es solche wie Vessel of Hatred. Für Fans ist es trotzdem ein Pflichtkauf, denn Blizzard bessert in vielen Punkten nach. Eingeschworene Kritiker wird es aber nicht mehr umstimmen.

Saison des Aufsteigendes Hasses: Das bietet Season 6!

Auch ohne Vessel of Hatred könnt ihr euch in Season 6 auf frischen Content freuen, der sich diesmal aber verständlicherweise in Grenzen hält. Im Grunde dreht sich alles um Reichwandler-Dämonen, riesige Vierbeiner mit einem Portal auf dem Rücken. Viele von euch kennen sie schon aus Reaper of Souls. Reichwandler tauchen alle 15 Minuten in zufälligen Gebieten auf, ein Symbol auf der Karte markiert den nächsten Spawn-Punkt. Hier wartet dann ein kleiner Event, bei dem ihr Gegnergruppen totklickt, während der Dämon langsam eine festgelegte Route entlangstampft - das ist leider ziemlich langweilig, weil sich der Vorgang nicht beschleunigen lässt. Am Ende seiner Tour dürft ihr den Dämon dann aber selbst auf die Matte schicken, durch sein Portal huschen und einen kurzen Dungeon erledigen.

In Saison 6 dreht sich alles um die Reichwandler. Quelle: PC Games Als Belohnung erhaltet ihr am Ende einige brodelnde Opale, eine neue Tranksorte. Sie verpassen euch einen satten XP-Bonus von 15 Prozent, was schon allein die Mühe wert ist. Zusätzlich geben sie euch verbesserte Drop-Chancen für Ressourcen oder andere Items. Und als Sahnehäubchen erhaltet ihr mit aktivem Opal auch noch Ansehen für einen neuen saisonalen Händler, den ihr nun in Zarbinzet antrefft. Habt ihr hier genügend Ränge freigeschaltet, dürft ihr euch dort mit saisonalen Beutekisten, Rohstoffen und anderem Zeug eindecken. Dank der brodelnden Opale ist das schon in wenigen Tagen erledigt.

Fragezeichen und Balancing

Auch wenn ich im Test eine Menge Spaß mit Vessel of Hatred hatte, bleiben noch ein paar Fragezeichen. Vor allem das Balancing beim Aufleveln wirkte noch ausgereift. Mir ist es gleich mehrfach passiert, dass ich urplötzlich einen Paragon-Level nach dem nächsten erreichte. Einmal machte ich 20 Levelaufstiege in nur wenigen Minuten! Warum, weiß ich bis heute nicht - ich hatte keine Buffs aktiv, die so einen Sprung erklären würden.

Dafür hatte ich ab etwa Paragon 230 das Gefühl, dass kaum noch etwas weitergeht. Selbst auf Qual 3 mit aktiven Tränken und Opalen geriet das Aufleveln furchtbar zäh. Und warum ich plötzlich 1,8 Milliarden Gold im Säckel hatte, konnte ich mir auch nie so ganz zusammenreimen - zumal ich einen Tag davor noch Geldsorgen hatte. Wo kam der ganze Reichtum bitteschön her?!

Wer fleißig Opale nutzt und Relikte der Zakarum sammelt, kann alle Belohnungen in wenigen Tagen abstauben. Quelle: PC Games Dass Blizzard noch weiter versucht, die übertriebenen Zahlenwerte im Charakterbogen einzudämmen, finde ich absolut richtig. Einer der wichtigsten Werte "Angriffsstärke" ist aber nach wie vor erstaunlich nichtssagend. Als ich zum Beispiel meine Glyphen hochlevelte, sollten sich da eigentlich 80 % mehr Schaden bemerkbar machen. Ja, Schaden worauf eigentlich? Der Wert taucht im Spiel sonst nirgendwo auf - und der Angriffswert spiegelt den neuen Glyphenbonus auch nicht wider.

Handwerksmaterialien waren ein weiteres Problem auf dem Test-Server (Patch 2.0.1), vor allem Eisenbrocken oder Engelshauch waren bis zum Schluss Mangelware. Aber: Blizzard verspricht, dass die Drop-Raten für genau diese Materialien schon mit dem Day-one-Patch (Version 2.0.2) spürbar angehoben werden. Im Idealfall bekommt ihr davon also gar nichts mehr mit. Bei der Gelegenheit könnte Blizzard auch gleich noch das Verwandeln von Edelsteinfragmenten überarbeiten. Man darf nämlich drei Sorten Fragmente gegen eine andere eintauschen, das Eingabefeld ist aber auf 999 Fragmente beschränkt. Dadurch dauert es eine halbe Ewigkeit, um größere Mengen umzutauschen - und das bringt viel zu viel unnötige Klickarbeit!

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Meinung: Ist Vessel of Hatred den Kaufpreis wert?

Ihr merkt also: Die wichtigsten Änderungen in Vessel of Hatred betreffen eigentlich gar nicht die Erweiterung, sondern beruhen auf dem Patch 2.0 - und den erhalten alle Spieler gratis. Ob sich der Kauf des Add-ons für euch lohnt, bestimmen somit einzig die neuen Inhalte: Habt ihr Lust, den Geistgeborenen zu spielen und Nahantu zu erkunden? Interessiert euch, wie die Geschichte weitergeht? Wollt ihr das Endgame mit der Dunklen Zitadelle und Unterstadt aufpeppen? Und möchtet ihr mit Runenwörtern experimentieren und Söldner anheuern? Das alles gibt's nur im Add-on.

40 Euro wirken dafür vielleicht etwas hochgegriffen, zehn Taler weniger hätten es auch getan - schließlich finanziert sich Diablo 4 immer noch mit Mikrotransaktionen. (Übrigens sehr erfolgreich, wie es scheint.) Doch zumindest nervt das Spiel nicht ständig mit seinem Ingame-Shop und Pay-to-Win ist auch kein Thema. Vessel of Hatred ändert daran nichts, den kosmetischen Kram und Season Pass kann man leicht ignorieren. Das geht für mich in Ordnung.

Wertung zu Diablo 4: Vessel of Hatred (PC)

Wertung:

8.0 /10
Fazit

Gute neue Inhalte und eine solide Fortsetzung der Handlung: Vessel of Hatred ist nicht spektakulär, aber gelungen. Dank Patch 2.0 entwickelt sich das Spiel sinnvoll weiter.

Ich hoffe sogar stark, dass Blizzard schon Pläne für ein zweites Add-on hat. Denn sowohl Diablo 2 wie auch Diablo 3 liefern erst mit ihren Erweiterungen so richtig rund - doch danach kam leider nichts mehr, die Spiele waren ab da im Grunde "fertig". Für Diablo 4 wünsche ich mir etwas anderes: Nicht nur Live-Service-Pflege mit Seasons und großen Patches alle paar Monate, sondern auch noch mehrere richtig große Erweiterungen, die mehr Regionen und Charaktere, Story, Klassen und Endgame-Mechaniken einbauen. Das Spiel hätte es verdient.

Vessel of Hatred ist für sich betrachtet vielleicht etwas unspektakulär - aber ich hoffe, es ist nur der Auftakt für eine ganze Reihe von Add-ons, die Diablo 4 auch auf lange Sicht am Leben halten, die Neues wagen und gleichzeitig auch die alten Fans immer wieder zurück ins Boot holen, und sei es nur für ein paar Wochen.

Schließlich winkt mit Path of Exile 2 schon ein mächtiger Konkurrent um die Ecke, der viele Spieler weglocken könnte. Und der setzt komplett auf Free-to-Play. Wenn Blizzard auch in Zukunft 40 Euro für seine Add-ons haben will, dürfen die also ruhig noch etwas mehr auf die Waage bringen - oder einfach beim Preis runtergehen.

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