Diablo 4: Vessel of Hatred im Test: Blizzard auf Kurskorrektur - so gut ist das Add-on wirklich!
Test
Manche Add-ons reißen dich einfach vom Hocker. Und dann gibt es solche wie Vessel of Hatred. Für Fans ist es trotzdem ein Pflichtkauf, denn Blizzard bessert in vielen Punkten nach. Eingeschworene Kritiker wird es aber nicht mehr umstimmen.
Lasst euch quälen!
Schon im Hauptmenü werdet ihr's merken: Die vier alten Schwierigkeitsstufen sind Geschichte. Stattdessen gibt es nun acht wählbare Schwierigkeitsgrade, was deutlich an Diablo 3 erinnert. Die ersten vier Stufen dürft ihr frei wählen, wobei jede höhere Einstellung etwas mehr Erfahrungspunkte und Gold abwirft. Mein Tipp: Übertreibt es hier nicht, sondern spielt erst mal in Ruhe die Story durch, da tut's auch der normale Schwierigkeitsgrad. Zum Leveln bleibt danach noch mehr als genug Zeit.
Quelle: PC Games
Ab Qual 1 droppen dann auch vermachte, mystische Items und einzigartige Items mit großen Affixen. Sämtliche Qual-Stufen müsst ihr allerdings erst mal über die Grube des Werkmeisters freischalten, die Capstone-Dungeons haben nämlich ausgedient. Für Qual 3 sollt ihr die Grube zum Beispiel auf Level 50 meistern - das dürfte absolute Profis, die einfach möglichst schnell zu Qual 4 durchballern wollen, wohl nicht lange fordern. Für Menschen wie mich, die Diablo 4 einfach nur entspannt spielen wollen, hat das schon ein paar Tage gebraucht, bis meine Geistgeborene fit genug war.
Denn höhere Qualstufen verpassen Gegnern nicht nur mehr Lebenspunkte, Schutzauren und Kampfkraft, sie schwächen auch euren Build: Jede höhere Qualstufe zieht euch 250 Rüstungspunkte ab, außerdem gibt's einen dicken Malus auf eure Widerstände. Da das effektive Rüstungsmaximum bei 1.000 liegt (mehr bringt nix!) und ihr auf Qual 4 genauso viele Punkte wieder einbüßt, bedeutet das also, dass euer Endgame-Build insgesamt 2.000 Rüstung erreichen muss, um den vollen Schutz zu genießen. Leichter gesagt als getan!
Edelsteine und Beute: Das ändert sich
Auch bei den Edelsteinen müsst ihr umplanen. Die Ränge wurden angepasst, es gibt nun "große" Steine, die noch mehr Statusboni liefern als vorher und euch damit effektiv mehr Macht verleihen. Allerdings wurden auch ihre Funktionen geändert, es gibt zum Beispiel keine Steine mehr, die euch prozentual mehr Lebenspunkte verpassen - autsch! Rubine in Rüstungen liefern dafür nun Stärke, Amethysten erzeugen Barriere, Diamanten bringen Boni auf alle vier Basisattribute. Da bleibt buchstäblich kein Stein auf dem anderen.
Das sind nur einige von vielen Maßnahmen, die Blizzard ergriffen hat, um die ausufernden Zahlen etwas in den Griff zu bekommen und das Wertewirrwarr lesbarer zu machen. Und nachdem schon in den letzten Seasons kräftig an Drop-Raten und Unique Items geschraubt wurde, hat Blizzard auch hier noch einmal nachgelegt. Einen Vorgeschmack gab's bereits auf dem letzten PTR, doch wie gut das neue Balancing wirklich bei den Fans ankommt, muss sich erst im Live-Betrieb inklusive Day-one-Patch zeigen.
Quelle: PC Games
Ein paar Eckdaten sind aber in Stein gemeißelt: Die maximale Gegenstandsmacht liegt nun bei 750 für legendäre Items. Ab Qual 1 droppen auch vermachte legendäre Gegenstände, die immer auf Gegenstandsmacht 800 droppen und immer ein großes Affix mitbringen. Heilige Items fliegen raus, was aber auch kein großer Verlust ist, dafür gibt es ja die mythischen einzigartigen Gegenstände. Zumal es immer noch keine grünen Set-Gegenstände im Spiel gibt - vielleicht hat sich Blizzard hier einfach nur den nötigen Freiraum für künftige Updates geschaffen. Normale, magische und seltene Items spielen ab Qual 1 übrigens keine Rolle mehr, sie dienen nur noch als Rohstoffquelle.
Mehr Level, mehr Paragon - und auch mehr Spaß?
Eine der wichtigsten Neuerungen betrifft das Levelsystem, denn Blizzard hat Charakter- und Paragonstufen deutlich voneinander getrennt: Von nun an levelt ihr eure Helden nicht mehr bis Stufe 100, sondern nur noch bis Level 60. (Eure alten Charaktere auf dem ewigen Realm werden automatisch auf Level 50 gesetzt.) Das klingt nach Rückschritt, bedeutet aber das Gegenteil, denn nun könnt ihr zehn zusätzliche Fertigkeitspunkte verdienen, um eure Talentbäume weiter auszubauen. Das ist auch gut so, schließlich haben auch alle alten Klassen eine neue aktive Fähigkeit und fünf passive Skills erhalten.
Quelle: PC Games
Ab Level 60 steigt ihr nun Paragonstufen auf, die Realm-übergreifend für alle eure Charaktere gelten. So könnt ihr weitere Charaktere künftig schneller ins Endgame bringen. Ihr startet auf Paragonstufe 1 und levelt so bis zum Maximum von 300. Das heißt also, dass ihr nun 100 zusätzliche Paragonpunkte verteilen dürft. Außerdem gibt's für jede Klasse ein neues Paragonbrett, was mehr Vielfalt in die bekannten Builds bringen dürfte. Allerdings gibt es hier auch eine Einschränkung, denn pro Klasse dürft ihr nur noch fünf Paragonbretter nutzen, und das schließt das Startbrett mit ein. Ihr bekommt also vier zusätzliche Bretter, vier zusätzliche legendäre Talente, vier zusätzliche Plätze für Glyphen - da will die Entscheidung wohlüberlegt sein.
Glyphen, Gruben, Gruselkeller
Apropos Glyphen: Die sind noch mächtiger geworden, das Stufenmaximum wurde von 21 auf 100 angehoben. Ab Stufe 45 erhält jede Glyphe außerdem das Attribut "legendär", erhöht ihren Radius und bekommt noch einen weiteren Bonuseffekt. Und das ist nicht die einzige Änderung: Bislang musste man Albtraumdungeons spielen, um Glyphen aufzuwerten, doch diese Mechanik hat Blizzard einfach in die Grube des Werkmeisters verschoben. Aus meiner Sicht eine fragwürdige Entscheidung, denn die ständigen Gruben-Runs fühlen sich dadurch schnell wie langweiliger Grind an.
Zumindest haben Glyphen aber keine Erfahrungsbalken mehr, stattdessen gibt's pro Gruben-Run einfach mehrere Versuche, eine Glyphe aufzuwerten. Je kniffliger die Grube, desto höher die Chance auf ein Glyphenupgrade.
Quelle: PC Games
Da Glyphen nun mit der Grube verknüpft sind, hat man einen Grund weniger, die Albtraumdungeons zu spielen. Darum führt Blizzard auch hier eine Änderung ein: In Albtraumdungeons könnt ihr nun besonders viel Obduzit abstauben - und das ist wichtig, denn für das Crafting von hochwertigen Items braucht ihr Unmengen davon! Niedereisen und Ingolith fliegen dafür raus, sie werden in Obduzit umgewandelt - die Suche nach Crafting-Material wird also insgesamt unkomplizierter.
