Im Namen von Kane! Tiberian Sun spaltet die C&C-Fans bis heute - großer Rückblick
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Für viele war's ein Meilenstein, für andere ein Fehlschlag: Tiberian Sun sollte der Höhepunkt der Command & Conquer-Serie werden. Doch Westwood hatte den Fans zu viel versprochen - und lieferte trotzdem tolle Echtzeit-Strategie.
Kane lebt! Und nein, das haben wir nicht EA zu verdanken. Der Publisher lässt Command & Conquer nämlich schon seit Jahren versauern, außer Mobile Games tut sich da nichts mehr. Und doch ist Westwoods legendäre Echtzeit-Strategie-Serie einfach nicht totzukriegen. Kein Wunder! Eine starke Community kümmert sich vorbildlich darum, die alten Spiele in Schuss zu halten.Andor | S1E3
Dank erstklassiger Fanpatches kann ich darum auch heute noch alle paar Monate ein gutes, altes Command & Conquer einwerfen, wann immer mir danach ist. Doch welcher Serienteil ist der Beste? Darüber lässt sich streiten: Manche schwören auf das schrille Yuris Rache, andere feiern das unkaputtbare Generäle - oder sie bevorzugen einfach das kultige Original von 1995, mit dem Westwood das komplette Genre für immer verändert hat.
Doch was ist mit Tiberian Sun? Es gilt schließlich als eines der erfolgreichsten Command-&-Conquer-Spiele überhaupt. Doch sein Ruf ist selbst unter beinharten Fans umstritten, auch ich habe mich lange nicht so recht mit dem Spiel anfreunden können. Höchste Zeit, ihm nochmal eine Chance zu geben! Wie gut ist Command & Conquer: Tiberian Sun wirklich, warum hat das Spiel so einen durchwachsenen Ruf - und macht der Strategie-Oldie heute noch Spaß? Ich wollte es herausfinden.
Willkommen in meinem Rückblick, Commander!
Im Namen von Kane!
Wir schreiben das Jahr 1997: Gerade erst hat Westwood das (überaus erfolgreiche) Alarmstufe Rot veröffentlicht, die Kassen klingeln und das Studio ist endgültig auf seinem kreativen Höhepunkt angelangt. Mehrere Teams werkeln nun gleichzeitig an großen Titeln wie Blade Runner, Lands of Lore 2 - und an Command & Conquer: Tiberian Sun, auf dem riesige Hoffnungen ruhen.
Denn für das nächste C&C hat sich Westwood ehrgeizige Ziele gesteckt: Tiberian Sun soll der zweite Teil einer geplanten Tiberium-Trilogie werden und die Kult-Serie mit zig innovativen Neuerungen und einer brandneuen Engine kräftig voranbringen. Gleichzeitig legt man aber auch größten Wert darauf, den Charme und das unkomplizierte Gameplay der Vorgänger beizubehalten, um auch die alten Fans wieder mitzunehmen und den Markenkern nicht zu verwässern.
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Leichter gesagt, als getan: Obwohl Westwoods Team in Las Vegas bestens eingespielt ist, verläuft die Entwicklung schleppend. Das Spiel muss mehrfach verschoben werden, die Konkurrenz zieht in dieser Zeit kräftig nach. Dem Hype um C&C tut's aber keinen Abbruch: Tiberian Sun ziert zahllose Magazin-Cover und ist lange Zeit das Schulhofthema für Strategiefans.
Im August 1999 ist das Spiel endlich fertig und die Käufer reißen es den Händlern regelrecht aus den Händen. Doch das Feedback fällt überraschend gemischt aus: Viele Fans und Kritiker feiern das Spiel zwar als Meilenstein für die C&C-Serie, andere zeigen sich aber auch enttäuscht über fehlende Features, über Bugs und Balancing-Schwächen. Auch die Spielgrafik wird häufig kritisiert, denn die wirkt Ende 1999 schon ein wenig altbacken.
Ein Hauch von Hollywood
Trotzdem stellt Tiberian Sun einen wichtigen Schritt für die Serie dar. Das beginnt schon bei der Geschichte: Sie setzt etwa 30 Jahre nach dem ersten Teil Der Tiberiumkonflikt ein und präsentiert sich ausgefeilter und düsterer als zuvor. Um den Planeten ist es zunehmend schlechter bestellt, das giftige Tiberium breitet sich aus und ein neuer Krieg zwischen den bekannten Supermächten bahnt sich an. Die Grundlagen bleiben also gleich: Auch diesmal kämpfen die "Guten" der GDI gegen die fanatische Bruderschaft von NOD.
Doch schnell wird klar, dass sich Westwood eine ganze Menge überlegt hat, um Story und Setting auf ein neues Niveau zu heben. So werden erstmals zwei zusammenhängende Geschichten mit brandneuen Haupt- und Nebenfiguren erzählt. Wo es im ersten C&C im Grunde nur das NOD-Oberhaupt Kane als Hauptcharakter gab und die Missionen bestenfalls lose verknüpft waren, folgt Tiberian Sun nun einem klaren roten Faden.
Quelle: PC Games
Auch bei den zahlreichen Zwischensequenzen wird spürbar mehr Aufwand betrieben. Im Mittelpunkt steht Joseph D. Kucan, der nicht nur die Rolle von Kane spielt, sondern auch wieder den Regieposten für alle Videosequenzen übernimmt - eine Aufgabe, die ihm aber deutlich mehr abverlangt als bei Westwoods früheren Projekten.
Die Kameraführung ist moderner, die Beleuchtung professioneller - und mit Michael Biehn (Terminator, Aliens) und James Earl Jones (Star Wars, Der Prinz aus Zamunda) ist es Westwood sogar gelungen, zwei echte Hollywood-Stars an Land zu ziehen. Die Profi-Darsteller zahlen sich aus, denn sie verleihen vielen Szenen tatsächlich mehr Klasse und Flair - auch wenn dadurch der eine oder andere trashigere Moment noch etwas deutlicher auffällt. Deutsche Käufer müssen (neben leichten Schnitten bei der Gewalt) außerdem noch eine zweitklassige Vertonung ertragen, die gerade in den Videos viel Atmosphäre kostet.
Quelle: PC Games
Viel Spielraum für Korrekturen gibt es nicht, denn die große Darstellerriege und kostspielige Außendrehs treiben die Kosten in die Höhe. Die Bearbeitung des Filmmaterials entpuppt sich außerdem als mühsam, Westwoods Video-Team kämpft mit den riesigen Datenmengen und entwickelt neuartige Kompressionsverfahren, um die vielen Cutscenes irgendwie in guter Qualität auf die beiden Spiel-CDs zu quetschen.
Doch die Mühe zahlt sich aus, denn mit den Cutscenes gelingt Westwood eine enorme Steigerung zu den früheren C&C-Spielen. Und auch bei den Rendervideos, die traditionell vor oder nach den Missionen eingespielt werden, kommen die Fans voll auf ihre Kosten. Die Clips sind zwar kurz, aber cool gemacht - und sie sind die perfekte Gelegenheit, um das neue, futuristische Design der Einheiten zu präsentieren. Denn damit will sich Tiberian Sun deutlich vom ersten Teil abheben.
