Von ISS bis eFootball: Aufstieg und Fall von Pro Evolution Soccer

Special David Benke Sascha Lohmüller
Von ISS bis eFootball: Aufstieg und Fall von Pro Evolution Soccer
Quelle:  Konami

Vom Platzhirsch zur traurigen Randfigur: Wir schauen uns die Geschichte von Konamis Pro-Evolution-Soccer-Reihe an.

Auch sonst legte man mehr Wert auf Online, beispielsweise mit dem neuen Modus Match Day. In dem sucht ihr euch zu Beginn der Woche eine Mannschaft aus und sammelt dann über die kommenden sieben Tage durch Aktivitäten Punkte für sie - zusammen mit allen Spielern, die das gleiche Team gewählt haben. Andere Spielvarianten speiste Konami nur mit Kleinkram ab. Ein angepasster Transfermarkt, ein interaktives Dialog-System und neue Trainer-Avatare wie Diego Maradona gehörten in der Meister Liga noch zu den Highlights. Spielerisch gab es kaum etwas Neues.

Das gipfelte 2020 schließlich darin, dass einfach gar kein neues PES mehr veröffentlicht wurde. Stattdessen entschied sich Konami für den Release von eFootball PES 2021 Season Update, quasi ein Reskin des Vorgängers: inhaltlich, spielerisch und grafisch identisch - lediglich Kader und Trikots wurden aktualisiert. So hätte man mehr Zeit, sich auf die Entwicklung von PES 2022 zu konzentrieren, lautete die offizielle Begründung.

Das sollte die Power der nahenden 9. Konsolengeneration voll ausnutzen und dabei auf die Unreal Engine 4 bauen. Eine Rechnung, die leider überhaupt nicht aufging, wie wir heute wissen.

Luis Suarez schießt einen Ball Quelle: Konami Denn der Nachfolger eFootball 2022 stellte in vieler Weise das Ende einer erfolgreichen Ära dar: Es war nicht nur das erste Spiel der Reihe, das sich namentlich von Pro Evolution Soccer verabschiedete, es hatte auch qualitativ nichts mehr mit dem zu tun, was Konami über die letzten drei Jahrzehnte geliefert hatte.

Der Wechsel auf die neue Engine entpuppte sich als ein absolutes Desaster: Free2Play, Online-Zwang, Mobile-Ableger - eFootball war so sehr auf neu getrimmt, dass es alte Tugenden komplett vermissen ließ. Und es war bei alledem auch noch eine technische Vollkatastrophe.

Der Titel zeigte sich zum Release im Herbst 2021 hässlich und kaputt. Statt atemberaubender Next-Gen-Optik gehörten Grafik-Fehler, hölzerne Animationen, ein hässlicher Rasen und Grimassen aus dem Grusel-Kabinett zur Tagesordnung.

Eine miserable Framerate und ständige Verbindungsabbrüche machten jeglichen Fußball-Genuss quasi unmöglich. Wobei eFootball rein spielerisch betrachtet ohnehin einem Armutszeugnis gleichkam: Die KI war kaputt, die Kollisionsabfrage ein Witz.

Innerhalb eines Zweikampfes wechselte der Ballbesitz gleich mehrmals hin und her. Spieler verhakten sich komisch ineinander. Oder sie liefen einfach an einem freien Ball vorbei, der sich direkt neben ihnen befand.

Arsenal-Spieler diskutieren mit dem Schiri. Quelle: Computec Media GmbH Und dann war auch noch der Inhalt richtig mies. Die Release-Fassung von eFootball aus dem September 2021 kam mehr einer Demo-Version gleich: Zwei Spielmodi, neun lizensierte Mannschaften - das war die magere Ausbeute. Nicht mal Schwierigkeitsgrad oder Halbzeitlänge ließen sich frei einstellen.

Das alles mündete schließlich in einem sagenhaft schlechten Spielerfeedback. Im PCGames-Test setzte es eine vernichtende 2 von 10. In vielen Jahresrückblicken wurde der Konami-Kicker als klares Negativ-Highlights ausgemacht.

In der Folge wurde es nur bedingt besser: Die Macher kündigten Fixes für Oktober 2021 an, verschoben sie dann aber erst auf November und schließlich sogar ins folgende Jahr.

Letztendlich erschien die finale Version 1.0 am 14. April 2022. Wobei "final" wirklich nicht der passende Begriff ist. Ja, Konami hat mittlerweile am Gameplay geschraubt, die Performance verbessert und neue Inhalte hinzugefügt.

Durch ein Update für die Saison 2022/23 habt ihr jetzt Zugriff auf neue Kader, Trikots und Spieler-Gesichter.

Ein Fußballspiel aus der Seitenansicht Quelle: Computec Media GmbH Nichtsdestrotz fehlen an allen Ecken und Enden noch wichtige Features: 25 Ligen mitsamt ihren Mannschaften sind quasi unspielbar, abgesehen vom Trainingsmodus.

Es gibt keine Online-Lobbys, kein Koop, kein Crossplay Steam und PlayStation-Konsolen, keinen Editor. Und auch die groß angekündigte Erweiterung inklusive Meister-Liga lässt noch immer auf sich warten. Sie soll irgendwann im Laufe des Jahres nachgeliefert werden - kostenpflichtig natürlich.

Bleibt bloß die Frage, ob die Spieler noch die Geduld haben, so lange zu warten. Auf Steam, wo die kürzlichen Bewertungen mittlerweile "nur" noch zu 57 statt 92 negativ Prozent ausfallen, laufen eFootball die Spieler weg. Aktuell sind im Durchschnitt noch 10.000 Spieler pro Tag online, ein knappes Zehntel des EA-Konkurrenten. Die Zukunft von eFootball und damit auch die von Pro Evolution Soccer sieht also nicht gerade rosig aus. Gut möglich also, dass hier bald der endgültige Abpfiff ertönt.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk