Von ISS bis eFootball: Aufstieg und Fall von Pro Evolution Soccer

Special David Benke Sascha Lohmüller
Von ISS bis eFootball: Aufstieg und Fall von Pro Evolution Soccer
Quelle:  Konami

Vom Platzhirsch zur traurigen Randfigur: Wir schauen uns die Geschichte von Konamis Pro-Evolution-Soccer-Reihe an.

EA Sports spielte mit FIFA derweil souverän den Stiefel runter und kontrollierte den Markt. In der ersten Verkaufswoche in Großbritannien verkaufte sich FIFA 17 40-mal besser als PES 2017. Was wirklich schade war, denn an und für sich gab es wenig an PES 2017 auszusetzen. Es stelle wahrscheinlich sogar das beste PES seiner Generation dar - sei es in Sachen Ballphysik, Steuerung oder KI. Computergesteuerte Mannschaften verhielten sich fast menschlich: Sie positionierten ihre Spieler perfekt zum Ball, sie öffneten mit Läufen in die Spitze Räume, spielten diagonale Pässe übers Feld, um das Spiel zu verlagern, und nutzten sogar Skill Moves gegen euch. Gleichzeitig waren sie auch immer mal für einen Aussetzer gut. Die KI in PES 2017 war kein unfehlbarer Roboter, ihr gelang nicht alles. So waren selbst Matches im offline-Modus nie langweilig.

PES 2017 hatte vielleicht nicht den Style und das Geld eines FIFA 17. Aber es hatte Herz und Leidenschaft. Es war die Option für Puristen, die mit dem schnellen Gameplay der EA-Konkurrenz nichts anfangen konnten; die Wert auf langsam-bedächtiges Aufbauspiel, taktische Finesse und Präzision legten. Hier jagte nicht ein Highlight das nächste, hier wurde sich schön durchkombiniert. Kurzum: Nirgends kam man dem oftmals angepriesenen "Schönen Spiel" näher als bei PES 2017.

Da war es nur folgerichtig, dass der Titel auf der E3, der Gamescom und den Game Awards jeweils als bestes Sportspiel des Jahres nominiert und am Ende nur von Forza Horizon 3 geschlagen wurde.

Thomas Müller mit einem Schuss im DFB-Dress. Quelle: Konami PES 2018 verabschiedete schließlich PS3 und Xbox 360 in den Ruhestand. Dafür durften sich PC-Spieler freuen. Die kamen nach Jahren der Vernachlässigung endlich in den Genuss der Current-Gen-Version. Für die kündigten die Macher eine Art Langzeitplan mit diversen Überarbeitungen an. "Ich denke, dass wir mit PES 18 einen neuen Drei-Jahres-Zyklus beginnen", erklärte Adam Bhatti, der Head of Digital Marketing.

Über die nächsten Ableger hinweg sollte PES mit neuen Features verfeinern werden. Vor allem bei der Meister-Liga sah man noch Verbesserungspotenzial.

Auf dem Feld bewegte man sich mit dem Full-Body-Touch-System ein wenig mehr in Richtung Arcade-Spielgefühl. PES 2018 bot mehr Flair, mehr Tricksereien.

Durch einen kleineren Skill Gap öffnete man sich einem breiteren Publikum, was zumindest ordentlich funktionierte. Im Dezember 2019 knackte Konami die Marke von 100 Millionen verkauften Spielen seit Serienbeginn. Damit ist PES eine von nur 23 Marken, die das bis heute geschafft haben.

Der Lebenszyklus von PES 2019 begann dann mit einem Paukenschlag: Konami verlor die Rechte an jeglichen UEFA-Wettbewerben. Champions League, Europa League und auch der Supercup lagen künftig - wie die Copa Libertadores - exklusiv bei Konkurrent FIFA. Die Verantwortlichen versuchten, den Verlust anderweitig zu kompensieren.

So schnappte man sich im Gegenzug etwa die alleinigen Rechte an der Russische Premjer Liga. Mit Spielklassen aus Argentinien, Dänemark, Portugal, Schottland, Belgien und der Schweiz stellte PES 2019 zudem den größten Lizenz-Pool seit langem.

Einige Vereine unterschrieben sogar besondere Partner-Verträge: Schalke 04, die AS Monaco und der FC Barcelona waren authentisch im Spiel vertreten, obwohl es ihre jeweiligen Ligen nicht waren.

Ter Stegen läuft mit dem Barca-Team ein Quelle: Konami Vom großen Dreijahresplan war hingegen nicht viel zu sehen. Mehr als ein paar oberflächliche Anpassungen hatte PES 2019 nicht zu bieten: Nach einer gefühlten Ewigkeit schneite es mal wieder im Spiel.

Dazu kamen ein verbessertes Verhandlungssystem und Budget-Management in der Karriere. Ihr konntet jetzt auch während der Partie Spieler auswechseln, ohne ins Pausemenü zu wechseln.

Was ein wenig ironisch war, schließlich präsentierte sich PES 2019 weniger taktisch geprägt als seine Vorgänger. Es fand generell weniger Action im Mittelfeld statt.

Der Teil des Platzes wurde im Aufbauspiel fast komplett übergangen. Stattdessen reichte es, mit Druck den Ball aus der eigenen Verteidigung direkt steil in die Spitze zu spielen und dort mit Geschwindigkeit aufs gegnerische Tor zuzurennen. Kick and Rush eben.

Ein höheres Spieltempo, ein größerer Fokus auf 1-gegen-1-Duelle und mehr automatisierte Spielunterstützung sorgten insgesamt für spektakulärere Online-Matches.

Den Faden verloren

Diesen Trend führte PES 2020 (jetzt kaufen 151,62 € ) dann konsequent weiter. Das zeigte sich schon am Namen: Hier prangte plötzlich das Präfix "eFootball". Die Serie orientierte sich so auch offiziell mehr in Richtung kompetitives Online-Gaming.

"Wir wollen in Zukunft einen größeren Fokus auf eSport legen", erklärte European PES Brand Manager Lennart Bobzien im Vorfeld des Release.

"In der Vergangenheit haben wir das bereits mit Wettbewerben wie der PES League gezeigt. In Zukunft wird es noch größere Events geben. Wir dachten einfach, dass wir mit der Aufnahme in den Produktnamen ein Zeichen setzen und unserer Fangemeinde, aber auch dem breiteren Publikum zeigen, dass der eSport in Zukunft eine sehr große Rolle spielen wird." sagte er weiter.

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