Von ISS bis eFootball: Der Aufstieg und Fall von Konamis Pro Evolution Soccer-Reihe

Special David Benke Sascha Lohmüller
Von ISS bis eFootball: Der Aufstieg und Fall von Konamis Pro Evolution Soccer-Reihe
Quelle:  Konami

Vom Platzhirsch zur traurigen Randfigur: Wir schauen uns die Geschichte von Konamis Pro-Evolution-Soccer-Reihe an.

Bayern gegen Dortmund, Barcelona gegen Madrid, Celtic gegen Rangers: Wie auf dem echten Grün herrschte auch auf dem virtuellen Platz lange Zeit ein packender Zweikampf um die internationale Fußballkrone. Seit den frühen Neunzigern lieferten sich Konami und seine Pro-Evolution-Soccer-Reihe intensive Rasenschlachten mit Electronic Arts' FIFA - mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. PES mauserte sich vom nischigen Geheimtipp zum Gerne-Primus. Zuletzt war die Reihe aber immer öfter zum Zuschauen von der Bank verdonnert, während die Konkurrenz Sieg um Sieg einfuhr. Wir schauen uns in diesem Special mal die Historie der PES-Reihe an, blicken auf die Anfänge zurück und werfen einen Blick in die Zukunft, wie es mit dem Franchise in den kommenden Jahren weitergehen könnte.

Die Anfangsjahre

Die wilden 90er, ein wahres Fest für Fußballfans: Im hart umkämpften Markt der Sportspiele versuchte damals so ziemlich jeder Hersteller, irgendwie seinen Fuß in die Tür zu bekommen. Das sorgte für eine unglaubliche Genrevielfalt, von der man heute wohl nur noch träumen kann: Neben FIFA, Sensible Soccer und Actua Soccer gab es noch Titel wie Segas Virtua Soccer oder das eigens von adidas produzierte Power Soccer.

Und dann war da eben auch noch Konami, das ebenfalls seinen Hut mit in den Ring schmiss. Der trug damals aber noch den Namen International Superstar Soccer.

Der erste Teil von ISS erschien bereits im Jahr 1994 für das Super Nintendo und konzentrierte sich, der Name verrät es vielleicht, auf Nationalmannschaften, die ihr in verschiedenen Spielmodi gegeneinander antreten lassen könnt. Dabei lag der Fokus vor allem auf einer, zumindest für damalige Verhältnisse, schicken Polygon-Grafik und einem intuitiven Spielerlebnis.

Schon damals versuchte man, so etwas wie echten Fußball zu imitieren - wenn auch nur mit bescheidenen Mitteln. Flüssige Animationen, direkte Steuerung und ein klein wenig Taktik sorgten für den perfekten Mix aus Realismus und Spielspaß. So legte man den Grundstein für das, was wir heute als Pro Evolution Soccer kennen.

Die ISS-Hauptreihe entwickelte sich zwar mehr in eine andere Richtung. Nachfolger fügten Dinge wie einen Szenario-Modus oder mehr Teams hinzu. Nebenher arbeitete Konami aber noch an einem Spin-off des Fußballspiels: International Superstar Soccer Pro.

Das entpuppte sich zum Release 1997 als ein wahrer Game Changer. ISS Pro setzte auf eine neue 3D Engine, die nicht nur bessere Grafik, sondern auch ausgefeilteres Gameplay ermöglichte.

Während die Konkurrenz von EA beim Spielgefühl mehr auf einen Arcade-Style setzte, zeigte sich ISS Pro deutlich komplexer und realistischer, eben simulationslastiger. Ein Kontrast, der sich bis heute durch die Rivalität hindurchzieht.

David Beckham tritt zum Freistoß an Quelle: Konami Über die Jahre wurde das Spielerlebnis mit weiteren Features verfeinert: Lupfer, Schussfinten, Spezialbewegungen, realistische Verletzungen, Doppelpässe mit Hilfe einer "Schicken"-Taste.

Auch abseits des Platzes floss Präzision und Detailverliebtheit in jedes noch so kleine Spielelement: Ihr konntet einen Team-Kapitän auswählen, der dann tatsächlich mit der entsprechenden Armbinde über den Platz rennt.

Die Schuhfarbe der einzelnen Akteure individualisieren ließ sich anpassen. Das umfassendes Replay-Feature bot sogar die Möglichkeit, besonders schicke Tore auf der Memory Card zu speichern und sie dann nochmal anzuschauen.

ISS Pro Evolution führte 1999 schließlich erstmals die Master League ein, die bis heute fester Teil eines jeden PES-Titels ist: eine exklusive Spielklasse, bestehend aus 16 Teams der europäischen Elite, in der ihr mit hartem Training und cleveren Transfers den Titel holen müsst.

ISS Pro Evolution 2 aus dem Folgejahr gewann dann den BAFTA Awards für das beste Sportspiel des Jahres. Die Presse titelte: "ISS Pro Evolution 2 ist das beste Fußballspiel, das die Welt je gesehen hat." Es hagelte also Lob von allen Seiten.

Ein gelungenes Fundament, auf dem dann auch das allererste Pro Evolution Soccer 2001 aufbaute. Dank neuer Animationen und realistischer Spielermodelle avancierte der Titel schnell zum Geheimtipp.

Bildergalerie

Der Umfang konnte sich mit 32 Vereinen und 50 Nationalteams ebenfalls sehen lassen. Schon damals offenbarte PES allerdings ein Lizenzproblem: Mangels Nutzungsrechten durfte Konami weder echte Vereins- noch Spielernamen nutzen. So standen beispielsweise Naldorinho oder Roberto Larcos auf dem Platz. Der Mangel an Glanz und Glamour im Vergleich zur Konkurrenz etablierte sich allerdings schnell als Markenzeichen. Zumal PES auch mit seinen Qualitäten auf dem Platz überzeugte.

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