Von ISS bis eFootball: Aufstieg und Fall von Pro Evolution Soccer
Special
Vom Platzhirsch zur traurigen Randfigur: Wir schauen uns die Geschichte von Konamis Pro-Evolution-Soccer-Reihe an.
Deren Fähigkeiten orientierten sich in PES 2013 stärker an denen ihrer echten Vorbilder. Das sogenannte Player-ID-Feature brachte mehr Persönlichkeit und mehr Realismus ins Spiel. Ausgewählte Weltstars wie Lionel Messi, hatten plötzlich spezielle Torjubel, typische Dribblings und bestimmte Torabschlüsse auf Lager. Die Fans nahmen das durchweg positiv zur Kenntnis. PES 2013 mauserte sich so zum besten Serienableger der 7. Konsolengeneration. Das spiegelte sich auch in den nackten Zahlen wider: Der Titel holte mit einem Metascore von 82 die beste Durchschnittswertung der vergangene sechs Jahre.
Von FIFA abgehängt
Aber wie das nun mal so ist: Auf ein Hoch folgte direkt das nächste Tief. Konami nahm die Ankündigung von PS4 und Xbox One zum Anlass, auch an der hauseigenen Technik ein wenig zu schrauben. Also wurde für PES 2014 der alte Software-Unterbau komplett über Bord geschmissen und die Entwicklung komplett auf die Fox Engine verlagert. Der Grafikmotor wurde von Kojima Productions entwickelt und kam auch bei Metal Gear 5 zum Einsatz. Entsprechend zauberte er schicke Belichtung, Trikots mit eigener Physik, neue Zuschauermodelle und sogar eigene Grafiken für die neu hinzugekommene AFC Champions League auf den Bildschirm.
Auch Spielermodelle und Bewegungen profitierten von der Schönheitskur. Pro Evolution Soccer sah so lebensecht aus wie lange nicht mehr.
Quelle: Cynamite
Das lag besonders am neuen Motion Animation Stability System, durch das die Ingame-Physik komplett umgekrempelt wurde. Größe, Gewicht, Geschwindigkeit eines Spielers wurden in Kollisionen einberechnet.
Kontakte zwischen Spielern waren so deutlich realistischer, Tacklings knackiger, Ballgewinne befriedigender - auch, weil sich die Pille nochmal natürlicher verhielt.
Zudem führte PES 2014 ein neues Performance-System ein: Spieler verfügten über eine Tagesform und eine Moral-Anzeige. War die besonders mies, zog das auch die Mannschaftskollegen mit runter. Gleichzeitig konnte ein Spieler in Top-Form mit einer brillanten Einzelaktion dem gesamten Team Aufschwung verleihen.
Das Problem bei alledem: Das spielte sich alles andere als flüssig. PES 2014 offenbarte enorme Probleme bei der Framerate. Viele Gesichter fehlten, weil sie noch nicht in die neue Engine übertragen worden waren.
Und Regen gab es gar nicht, weil die Performance sonst vollkommen in die Knie gegangen wäre. Bugs und Glitches und ein spürbarer Input-Lag sorgten für weiteren Frust. Das größte Versäumnis war aber wohl das völlige Fehlen einer Next-Gen-Versionen. Auf PS4 und Xbox One wurde FIFA komplett das Feld überlassen.
Quelle: Konami
Erst mit PES 2015 kam die Serie auf der aktuellen Hardware an und konnte dort so langsam an alte Erfolge anknüpfen. Konami werkelte vor allem nochmal an der Reaktionszeit der Spieler, auch die Ballführung bekam ein Feintuning.
Vor allem wurden aber die Ingame-Kollisionen verbessert. Die wurden jetzt in Echzeit und physikalisch korrekt berechnet. Vorbei waren die Zeiten der vorgerenderten Bewegungsabläufe aus der Konserve.
Gerade Kopfball- und Laufduellen profitierten von der Überarbeitung. Die wirkten nochmal körperlicher: Ihr konntet den Gegner beiseite schubsen, oder selbst übers Feld purzeln - gerade bei feuchtem Rasen. Das Wetter hatte jetzt nämlich endlich Auswirkungen auf das Verhalten von Spielern und Ball.
Auf Content-Seite ist vor allem der myClub-Modus zu nennen. Im Pendant zu Ultimate Team durftet ihr euer eigenes Traumteam aufbauen, bestehend aus teils exklusiven Legenden wie Roberto Baggio, Roberto Carlos oder Oliver Kahn. PES 2016 ließ euch durch ein kostenloses Update die Europameisterschaft in Frankreich nachspielen.
Dazu tauchten allerdings immer wieder Störgeräusche auf. PES 2016 ersetzte Wolff-Christoph Fuss mit Marco Hagemann, was nicht unbedingt ein Upgrade in Sachen Kommentar darstellte. Für deutlich mehr Ärger sorgte aber eine andere Personal-Entscheidung: Die Spielerkader waren zum Release im September noch auf dem Stand der Vorsaison. Die richtigen Aufstellungen kamen erst später per Patch nach. Dem EM-Modus fehlten dann teilweise offizielle Teams und Stadien.
