Die Macht der Spieler
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Microsofts Gamingabo will das Netflix für Spiele werden. Wir haben nachgeforscht und klären, wie sich der Siegeszug der Abos auf die Spielewelt auswirkt.
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Schaut man sich aktuelle und kommende Spiele im Xbox Game Pass an, so scheint sich der Verdacht auf extreme Zusatzmonetarisierungen abseits der DLCs jedoch noch nicht zu bestätigen. Natürlich gibt es Spiele, die mit dreisten Mikrotransaktionen verseucht sind, wie FIFA, NBA oder Call of Duty, aber das sind alles Multiplattformtitel. Allein um Imageschäden zu verhindern, wird Microsoft ein Auge darauf werfen müssen, damit Abzockspiele keine Oberhand gewinnen.
Michael Hoss von Deck13-Spotlight sieht dafür noch eine andere Gefahr. Die kommt, wenn der Game Pass oder ein anderes Abomodell eine marktbeherrschende Stellung erreicht hat und man als Spieleentwickler gar nicht mehr an ihm vorbeikommt, um überhaupt gesehen zu werden. Das könnte sich gerade für kleine Indie-Entwickler zum Problem entwickeln, wenn der eigene Titel von Microsoft abgelehnt wird, und durchaus Existenzen gefährden. Doch scheint das für Michael Hoss noch in der Ferne zu liegen. Da sich die Entwicklung der Abodienste noch am Anfang befindet, kann man die Vorteile durchaus mitnehmen.
Vom Werben der Anbieter...
Das fasst die Entwicklung des Game Pass und allgemein der Abodienste auch treffend zusammen. Zum aktuellen Zeitpunkt profitieren sowohl Spieler als auch Spieleentwickler massiv von den Flatrates. Einerseits erhalten Spieler eine umfangreiche, aber dennoch kuratierte Bibliothek an qualitativ hochwertigen Spielen. Man kann über die eigenen Vorlieben hinausschauen und möglicherweise neue Genres entdecken, die man sonst nie für sich entdeckt hätte.
Andererseits ermöglicht der stetige Geldfluss Sicherheit für die Hersteller und ihre Angestellten. Sowohl bei First-Party, aber auch bei Drittanbietern. So können Spiele ermöglicht werden, die wegen finanziellem Risiko von Publishern abgelehnt worden wären.
Quelle: Annapurna Interactive
Hätte es ein Spiel, wie The Artful Escape jemals gegeben, hätten sich Annapurna Interactive und Microsoft nicht als Geldgeber eingeschaltet?
Gerade der Game Pass von Microsoft hat hier also positive Einflüsse auf die Vielfalt für Spieler und Spieleentwickler und das ist erst mal eine gute Sache. Microsoft ist weiterhin auf Abonnentenjagd und wird alles tun, damit sich mehr und mehr Leute für Xbox entscheiden oder mit Xbox ins Gaming einsteigen. Die große Konkurrenz zwischen den Plattformanbietern, wie sie von Fans gerne heraufbeschworen wird, existiert für das Unternehmen nicht mehr. Man versteht Xbox mittlerweile eher als Dienstleistung.
Solange diese Dienstleistung weiterhin massiv Leute überzeugt, werden die positiven Effekte des Game Pass noch für einige Jahre Wirkung zeigen und sich sogar verstärken.
... und der Macht der Spieler
Quelle: pcgames.de
Ist der Game Pass der heilige Gral der Spielewelt?
Doch das "ABER" sollte man nicht vergessen. Denn niemand, nicht einmal die aktuell Verantwortlichen bei Microsoft selbst, können sagen, wie die Entwicklung in der Zukunft aussieht. Da reden wir auch nicht vom nächsten Jahr, sondern eher vom nächsten Jahrzehnt und darüber hinaus. Wenn der Game Pass auf enorme Größen angewachsen ist, wenn Drittanbieter nicht mehr drumherum kommen einzusteigen, oder wenn sich die aktuelle Stimmung und Philosophie bei Microsoft und Xbox ändert, dann kann sich der Wind drehen.
Ein profitorientiertes Unternehmen wird immer nach größeren Summen streben und wenn keine neuen Kunden dazukommen, werden entweder der Abopreis nach oben oder die Tantiemen nach unten gedrückt. Wenn Spielehersteller weniger Geld machen, werden andere Formen der Monetarisierung gewählt. Die Geschichte für Spieleabos, wie den Xbox Game Pass, steht also noch ganz am Anfang und die Möglichkeiten für Entwickler und Spieler sind zahlreich und durchaus positiv. Solange die Anbieter ihren Kurs beibehalten.
Doch am Ende entscheiden nicht Microsoft, Sony oder Google, in welche Richtung sich die Landschaft bewegt. Am Ende entscheiden wir Spieler. Zum Start der Xbox One hat die Gamingcommunity gezeigt, welche Macht sie hat und Microsoft hat es am eigenen Leib spüren müssen. Wenn also der Preis steigt, wenn die Qualität abnimmt oder die dreisten Mikrotransaktionen Überhand gewinnen, ist es noch jedem selbst überlassen, den "Abo kündigen"-Button zu drücken.