Wo will Microsoft hin?
Special
Microsofts Gamingabo will das Netflix für Spiele werden. Wir haben nachgeforscht und klären, wie sich der Siegeszug der Abos auf die Spielewelt auswirkt.
Auf dieser Seite
Natürlich ist unsere Rechnung auf der letzten Seite nur eine grobe Schätzung. In die echten Einnahmen fließen neben den Spielen noch zahlreiche weitere Ausgaben rein, wie Kosten für Infrastruktur, Personal, Hardwarebundles, 1-Euro-Lockangebote und auch die Schlupflöcher. Microsoft lässt es beispielsweise weiterhin zu, bestehende Xbox-Live-Gold-Abos in ein Game-Pass-Abo mit gleicher Lauflänge umzuwandeln. Selbst, wenn man sich Xbox Live günstig im Ausland schießt. Auch können fleißige Zocker mit dem Rewards-Programm ihr Abo sogar erspielen, wenn man die täglichen Aufgaben löst.
Das rechnet sich
Doch obwohl es diese Faktoren gibt, wird das nicht zu gigantischen Einbußen führen. Die Schlupflöcher sind am Ende nur in der Core-Gamer-Community bekannt und die steigenden Nutzerzahlen zeigen, dass in den Lockangeboten genügend User hängen bleiben. Am Ende des Monats kommen also dennoch enorme Geldsummen bei Microsoft an und die Tendenz ist steigend. Laut Aussage von Phil Spencer vom November 2021 trägt sich das Konstrukt des Xbox Game Pass selbst. Das lässt sich so deuten, dass das Abo zwar noch keine großen Gewinne einbringt, aber eben auch keine Verluste erwirtschaftet.
Quelle: Microsoft
Mit Bethesda fällt ein ganzer Publisher dem Hunger nach Entwicklerstudios zum Opfer. Aber das war nicht Microsofts letzter Streich.
Zwar kann uns Michael Hoss von Deck13-Spotlight keine konkreten Einblicke in die Zahlen geben, jedoch denkt er nicht, dass sie das gesamte Geld der Einnahmen wieder ausgeben. Außerdem gibt es natürlich auch noch die Kundschaft, die sich ihre Spiele einzeln kauft. Die letzten Finanzberichte zeichnen ein positives Bild für Xbox, mit wachsenden Umsätzen.
Überprüfen lässt sich das nur schwer, ohne genaue Einblicke in die Finanzabteilung von Microsoft zu haben. Obwohl wir lange mit dem deutschen Zweig des Softwareriesen im Gespräch waren, ließ sich leider kein Gespräch mit Vertretern der Xbox-Sparte realisieren. Die milliardenschweren Akquisen von Bethesda und Activision sind in die Ausgaben aber vermutlich nicht eingerechnet. Dennoch werden sich die Aufkäufe mit steigender Nutzerzahl immer schneller rechnen.
Der "Blue Ocean"
Die Aussagen von Phil Spencer dürften auch klarmachen, wo Microsoft steht. 25 Millionen sind eigentlich nur eine kleine Nummer - wenn man den berühmten "Blue Ocean" anzapfen will. Laut Schätzungen gibt es circa drei Milliarden Menschen weltweit, die regelmäßig Spiele spielen. Ein großer Teil davon nur mal nebenbei auf Smartphones oder bei Freunden.
Quelle: Microsoft
Mit dem "Blue Ocean" könnte man seine Nutzerzahlen in gigantische Höhen katapultieren.
Neben seinem Kernmarkt der Core-Gamer will man natürlich an diese Casuals ran, denn bereits ein winziger Teil davon würde den Game Pass in gigantische Höhen katapultieren. Ein weiterer Grund, warum die Einstiegshürden so niedrig gehalten werden. Vor allem der Mobile-Aspekt kann dabei Zugang zu ungeahnten Märkten bringen, die man aus deutscher bzw. europäischer Sicht schnell vergisst. In Indien ist der Markt für Spielkonsolen durch hohe Zölle und geringe Einkommen praktisch tot, doch dafür hat jeder ein Smartphone in der Tasche. Game Streaming kann hier den Unterschied machen, der solch einen milliardenschweren Markt aufschließt.
Aber auch klassische Plattformgrenzen scheinen für Microsoft keine Rolle mehr zu spielen, nachdem man seinen Game Pass von spezifischen Endgeräten wie Konsole oder PC abgekoppelt hat. Phil Spencer spricht bei Exklusivspielen, wie dem kommenden Starfield nur noch von "Plattformen, auf denen es den Game Pass gibt".
Überlegungen für einen Streamingstick stehen im Raum und eine reine App für smarte TVs ist sogar schon unterwegs. Im Samsung Gaming Hub wird man ab Ende Juni auf den Fernsehern des Technikriesen Zugriff auf den Xbox Game Pass per Cloudstreaming haben. Es ist sogar anzunehmen, dass es für Microsoft durchaus vorstellbar wäre, eine Game-Streaming-App auf Nintendo Switch oder sogar PlayStation anzubieten. Hauptsache ist, dass die 10 Euro für das Abo am Ende bei Microsoft landen.
Weiter geht's auf Seite 4 mit Stolperfallen für Entwickler und Spieler!