Trials of Mana im Test, Seite 2: Schwierigkeitsgrad, Bosse, Upgrade-System, Meinung, Wertung und mehr
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Mit Trials of Mana legt Square Enix einen Klassiker neu auf, der bei uns gar kein Klassiker ist: Das SNES-Rollenspiel war bis 2019 Japan-exklusiv, schaffte es erst im Rahmen der Switch-Spielesammlung Collection of Mana erstmals übersetzt auch nach Deutschland. Da stellt sich natürlich die Frage: Kann ein Remake eines so alten Spieles auch dann überzeugen, wenn die rosarote Nostalgiebrille gezwungenermaßen wegfallen muss? Diese und alle weiteren Fragen klären wir in unserem Test plus Video!
In diesem Artikel
Auch hier gilt wieder: Man kann sich gut vorstellen, dass die Entwickler von 1995 einen sehr ähnlichen Weg gegangen wären, hätten sie damals über die Möglichkeiten von heute verfügt. Auch, wenn das Kampfsystem anders ist, fühlt es sich passend an und ist eine logische Weiterentwicklung dessen, was man vom Original beziehungsweise Secret of Mana kennt.
Leichtes Heldenleben
Quelle: PC Games
Die Bosskämpfe sind wie das Spiel an sich keine große Herausforderung, aber toll gestaltet und die Gefechte gegen sie machen Spaß.
Lediglich etwas anspruchsvoller hätten die Gemetzel sein können. Wir spielten für unseren Test auf dem normalen Schwierigkeitsgrad und sahen dabei nur ein einziges Mal den Game-Over-Bildschirm und zwar bei einem Boss, der im Vergleich zu den Gefechten gegen die anderen Obermotze unverhältnismäßig hart daherkam; wobei "unverhältnismäßig hart" auch nur hieß, dass wir ihn eben erst beim zweiten Versuch zerlegten. Schade ist, dass zahlreiche eigentlich interessante Angriffsgegenstände und Zauber kaum genutzt werden müssen, weil sich fast nie Situationen ergeben, in denen man sie bräuchte. Wer etwas mehr gefordert werden will, der legt also besser auf dem härtesten Schwierigkeitsgrad los.
Apropos Bosse: Derer gibt es richtig, richtig viele und obschon sie uns kaum jemals zum Schwitzen brachten, sind sie schön abwechslungsreich gestaltet. Gerade gegen Ende des Abenteuers treffen wir auf ein paar ganz besonders kreative Exemplare! Fein ist übrigens - und dies ist einer der positiven Aspekte des geringen Anspruchs -, dass Erfahrungspunkte-Grinding im Grunde unnötig ist, sowohl, um gegen Standardbosse und Endgegner zu bestehen. Wer die Gefechte auf dem Weg mitnimmt und Feinde nicht aus Prinzip links liegen lässt, kommt niemals in Verlegenheit, hier unnötig Zeit investieren zu müssen.
Gesucht: Held mit Erfahrung
Wir bleiben beim Motto "simpel, aber gelungen" und widmen uns dem Upgrade-System. Klassisch erhalten wir durch Kämpfe Erfahrungspunkte und können unsere Figuren anschließend in unterschiedlichen Sparten wie Angriff, Verteidigung, Glück oder Magie verbessern. Auf diesem Wege schalten wir auch neue Spezialangriffe und passive Boni bei, die wir einer begrenzten Anzahl an Slots pro Figur zuweisen. Zusätzlich verbessern wir die Werte unserer Recken durch Ausrüstungsgegenstände wie Waffen, Klamotten und Helme. Wer schon einmal in seinem Leben mit einem Rollenspiel traditioneller Machart in Kontakt gekommen ist, findet sich hier in Sekundenbruchteilen zurecht. Trotzdem erlaubt das System durch die große Menge an unterschiedlichen potenziell erlernbaren Fähigkeiten eine gewisse Individualisierung.
Mehr Schein als Sein ist das Klassensystem. An bestimmten Punkten im Spiel können wir unsere Figuren ihre Klassen wechseln lassen, sobald sie bestimmte Voraussetzungen erfüllt haben und haben jeweils die Wahl zwischen einer Licht- und einer Schattenvariante. Nicht nur geht diese scheinbar moralische Wahl nicht über den Namen der Klasse hinaus, auch die Unterschiede bezüglich der anschließend erlernbaren Fähigkeiten sind überschaubar, ebenso jene zur Klasse zuvor. Im Grunde handelt es sich bei den Klassenwechseln einfach um besonders große Statuswerte-Upgrades, bei denen wir zusätzlich noch schicke neue Klamotten erhalten. Trotzdem fühlt es sich natürlich gut an, wenn sich unsere Figuren auf diese Weise weiterentwickeln und damit quasi unseren Fortschritt in der Handlung abbilden.
Hallo, hab was vergessen
Quelle: PC Games
Das Aufleveln und Anlegen von Ausrüstung funktioniert nach dem Rollenspiel-Einmaleins, erlaubt aber trotz aller Simplizität eine gewisse Individualisierung.
Nach so viel Lob muss aber auch mal der Dreschflegel rausgeholt werden, denn trotz aller Qualitäten macht Trials of Mana natürlich nicht alles richtig. Ein kritikwürdiger Umstand, der dem Respekt der Macher vor dem Original geschuldet ist, ist das ausgiebige Backtracking, also das erneute Besuchen von und Laufen durch bekannte Areale. Diese sind zwar wunderbar abwechslungsreich gestaltet, beim dritten, vierten oder fünften Ausflug in ein Gebiet hat man sich aber sattgesehen. Im Grunde ist das Spielprinzip sehr simpel - "gehe von A nach B nach C und besiege dort D". In der Praxis wird dieses Schema aber zu oft auf "gehe von A nach B, dann wieder zurück nach A, rede dort mit einer Figur, lauf dann nach C, dann noch einmal nach A, frag dann in B nach, ob alles in Ordnung ist und geh dann wieder nach C, um D zu besiegen" ausgeweitet. Richtige Rätsel gibt es keine, sodass diese Momente wirklich meist auf reine Laufarbeit hinauslaufen. Im späteren Spielverlauf erhalten wir unterschiedliche Methoden zum schnelleren Vorankommen und das Backtracking wird zurückgeschraubt. Viele Bereiche sind aber dennoch nur erreichbar, wenn wir vorher andere Gebiete passieren. In Verbindung mit kaum vorhandenen Erläuterungen auf der Map, wo welcher Pfad hinführt, verliert man hier als Komplettist spätestens auf der Suche nach den Sammelgegenständen die Geduld. Ein modernes Schnellreisesystem hätte hier Wunder gewirkt.
Und es hätte wohl den zweiten wohl nervigsten Aspekt des Spiels ertragbarer gemacht: Die viel zu häufigen, viel zu langen Ladezeiten. Die meisten Gebiete und sogar manche Menüs und die Weltkarte verlangen nach gut zehn- bis fünfundzwanzigsekündigen Wartepausen, je nachdem, was geladen werden muss. Hier hätten wir mehr Optimierung gewünscht: Neue Inhalte sollten schon im Hintergrund geladen und Wartezeiten dadurch minimiert werden. Wie so oft bei Square-Enix-Spielen der vergangenen Jahre hatte das aber offenbar keine Priorität.
Bester Kaktus der Welt
Quelle: PC Games
Wir stellen vor: Der Kaktusfratz! Den kleinen Pflanzenfreund finden wir an 50 Stellen im Ort versteckt. Ist er nicht zuckersüß?
Nicht per se ein Kritikpunkt, aber trotzdem erwähnenswert: Nebenaufgaben gibt es im Grunde gar keine. Die anständige Spielzeit ist angesichts dieses Umstandes und der Tatsache, dass wir sie nicht mit Grinding verbringen, umso beeindruckender. Immerhin gibt es was zu sammeln! Neben den über die Welt verteilten Schatzkisten wartet insgesamt 50 Mal der Kaktusfratz an vorgegebenen Orten auf uns, eine kleine Pflanzenkreatur, die uns nach jedem fünften Treffen einen passiven Bonus verleiht. Der Grünling ist Remake-exklusiv und so putzig, dass wir etwaige Stichwunden im Gesicht in Kauf nehmen würden, wenn wir dafür mit ihm knuddeln dürften!
Helden leveln einsam
Quelle: PC Games
Das Klassen-System ist im Grunde nicht der Rede wert, denn es hat nur geringfügigen Einfluss auf das Gameplay. Immerhin bringt es hübsche neue Klamotten mit sich!
Der Hersteller gibt, der Hersteller nimmt auch wieder: Während wir uns über die neue Bekanntschaft mit dem Kaktusfratz sehr freuen, ist es eine große Enttäuschung, dass der Koop-Modus des Originals für drei Spieler der Schere zum Opfer gefallen ist. Natürlich wäre es mit dem modernen Kampfsystem schwieriger, dies umzusetzen - wenn einer unserer Mitspieler dereinst in Secret of Mana den Bildschirm einfror, um einen Zauber zu wirken oder ein Item zu nutzen, nervte das schon damals und wäre heute wohl mindestens ebenso störend. Die Mana-Spiele sind aber untrennbar mit gemeinsamen Spieleabenden im lokalen Multiplayer verbunden. Trials of Mana ist auch im Alleingang ein tolles Abenteuer, trotzdem hätten wir es gerne mit zwei Freunden an der Seite genossen.
Nicht zu viel verraten wollen - und dürfen - wir zum neuen, finalen Kapitel, welches dem Remake hinzugefügt wurde und das wir nach Abschluss der Handlung spielen können. Es sei jedoch gesagt, dass dieser Abschnitt leider qualitativ nicht mit dem restlichen Spiel mithalten kann, weder auf erzählerischer noch auf spielerischer Ebene.
Eine Liebeserklärung ans Genre
So viele Kritikpunkte und dann trotzdem eine so hohe Wertung? Wie gesagt, perfekt ist Trials of Mana natürlich nicht. Gerade mit Blick auf Spieler, die mit modernen Rollenspielen und deutlich mehr Komfortfunktionen aufgewachsen sind, werden wahrscheinlich nicht alle davon dem Reiz eines bewusst auf alte Tugenden zurückgreifenden Abenteuers erliegen. Hinzu kommen Makel, die davon unabhängig vermeidbar gewesen wären.
Trials of Mana macht aber so viel mehr richtig, als es falsch macht und weiß zu jedem Zeitpunkt ganz genau, was es sein soll: Eine Liebeserklärung nicht nur an das Original, sondern an eine ganze Generation von Rollenspielen; es ist ein Abenteuer, welches nicht sklavisch an alten Mustern festhält, aber den Wert bestimmter Aspekte erkennt und sie auf höchst kompetente Weise in die Gegenwart holt. Wer ohnehin mit den JRPGs der alten Schule aufgewachsen ist, der wird an Trials of Mana vieles finden, was es zu lieben gibt; allen anderen erlaubt es im modernen Gewand die Möglichkeit, zu erkennen, was diese Spiele so einzigartig machte.
Trials of Mana erscheint am 24. April für PC, PS4 und Nintendo Switch. Für den Test wurde uns die PS4-Fassung zur Verfügung gestellt. Wertungen und Eindrücke zu den anderen Versionen folgen in der nächsten Zeit.
