Hands-on-Vorschau + Video zu Trials of Mana: Vielversprechendes Remake mit Herz
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Final Fantasy 7 ist nicht der einzige JRPG-Klassiker, der schon bald ein hochwertiges Remake erhält: Mit Trials of Mana erscheint eine grunderneuerte Fassung des einstigen SNES-Abenteuers für PC und aktuelle Konsolen. Trotz neuer Grafik und vielen frischen Features fühlt sich der Titel aber angenehm altmodisch an und verspricht, definitiv nicht zum alten Eisen zu gehören. Wir konnten schon ausführlich hineinspielen und teilen in unserer Vorschau samt Video unsere Eindrücke mit euch.
Mit dem Remake des SNES-Klassikers Secret of Mana für die aktuelle Konsolengeneration hoffte Square Enix vor einiger Zeit, sowohl das Nostalgiebedürfnis alteingesessener Fans anzapfen zu können als auch neue Spieler für den Titel zu begeistern. Was man dabei übersah: Um das zu erreichen, hätte man ein Spiel abliefern müssen, das nicht voller technischer Fehler, grafisch unansehnlich und spielerisch, wo nicht veraltert, da im Vergleich zum Original verschlimmbessert war.
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Immerhin, dieser Totalausfall hatte auch sein Gutes, denn die Macher haben aus ihrem Fehler gelernt. Für ihr neues Projekt setzten die Entwickler zwar erneut auf eine Neuauflage, allerdings kommt dieser, wie wir nach mehreren Stunden Anspielen bestätigen können, all die Mühe und Liebe zuteil, die wir bei Secret of Mana schmerzlich vermisst haben.
Allzu viele Spieler jedoch dürften Trials of Mana (jetzt kaufen 49,99 € / 43,99 € ) gegenüber nicht dieselben nostalgischen Gefühle empfinden, die in ihnen beim Gedanken an Secret of Mana erwachen. Das ebenfalls auf dem SNES beheimatete Trials of Mana blieb nämlich bis zum Jahr 2019 ausschließlich dem japanischen Markt vorbehalten, bevor es im Rahmen der Nintendo-Switch-exklusiven Collection of Mana erstmals übersetzt und auch in Europa und den USA angeboten wurde.
Alles beim Alten in der Neuauflage
Quelle: PC Games
Das Kampfsystem ist simpel, es funktioniert aber gut und macht Spaß.
Jetzt dürfen wir also innerhalb weniger Monate gleich zweimal im selben Spiel ran! Auf den ersten Blick dürfte aber den wenigsten auffallen, dass es sich um dasselbe Abenteuer handelt. Die Grafik wurde nämlich massiv überarbeitet. Wir laufen durch eine vollkommen dreidimensional dargestellte Welt, können die Kamera frei bewegen und freuen uns über nette kleine Details allenthalben. Mit der Brillanz eines Final Fantasy 7 Remake kann das Abenteuer nicht mithalten, es sieht aber wirklich ungemein nett und stimmig aus. Vor allem ist es schön, dass der Stil des Originals nicht verloren gegangen ist. Man erkennt weiterhin die Figuren, die nun aussehen wie hübschere Versionen der Artworks von anno dazumal und die Welt mit all ihren Bewohnern, Widersachern und Lokalitäten versprüht den bekannten Mana-Charme. Verzichten können hätten wir auf die übertrieben sexualisierte Darstellung so mancher Frauenfigur, allen voran unserer Partymitglieder Resi und Angela. Aber das sind wir von JRPGs ja schon gewohnt.
Ebenso hochwertig zeigt sich die Sprachausgabe, die nicht in allen, aber bei vielen Gesprächen zu hören ist. Wahlweise kann Japanisch oder Englisch gewählt werden, gut sind beide Versionen. Auf eine deutsche Tonspur wurde leider verzichtet, hier muss auf gut geschriebene Untertitel zurückgegriffen werden. Auch die musikalische Untermalung konnte uns beim Anspielen überzeugen. Schön: Wer will, kann in den Optionen jederzeit zwischen den neu arrangierten Melodien und dem Originalsoundtrack wechseln.
Von Schwertern und Steinen
Quelle: PC Games
Je nachdem, wen wir als primären Protagonisten wählen, erwartet uns ein anderer Oberbösewicht.
Angesichts dieser drastischen technischen Verbesserungen, die das maue Remake von Secret of Mana nun gleich doppelt dumm aussehen lassen, dürfte es nicht verwundern, dass auch die Präsentation der Handlung wesentlich aufgemotzt wurde. Trotzdem fühlt sich Trials of Mana nicht so überproduziert an, wie es in vielen anderen modernen Square-Enix-Rollenspielen der Fall ist. Hier wird kein Herzschmerz mit Eimern ausgeleert, keine sich selbst zu ernst nehmenden Figuren hetzen durch eine düstere Handlung voller klischeehaft geschriebener Dialoge - es ist eine schöne, simple Handlung, halt hübscher erzählt als zuvor.
Worum geht's? Sechs Helden machen sich auf, um acht Manasteine zu finden, das legendäre Manaschwert zu neuem Leben zu erwecken und den Untergang der Welt zu verhindern - klassisches JRPG-Material also. Ein Twist ist, dass wir zwar die Auswahl aus sechs verschiedenen Helden für unser Team haben, aber nur drei davon pro Durchgang wählen können. Jeder kommt mit einer kleinen, spielbaren Vorgeschichte daher, zudem verändert sich je nachdem, wen wir vor Spielbeginn als primären Protagonisten wählen, die Rolle unseres Erzfeindes.
Heldenhaftes Sechserpack
Quelle: PC Games
Trials of Mana scheint nicht allzu herausfordernd zu werden, auch im Gefecht gegen den ersten Boss hatten wir keinerlei Probleme. Es existiert aber ein härterer Schwierigkeitsgrad.
Durch diese leichten Handlungsunterschiede wird der Wiederspielwert erhöht, zudem ändert sich auch das Gameplay. Schließlich verfügt jede Figur über einen anderen Schwerpunkt. Durand ist der klassische Schwertkämpfer, Angela versteht sich am besten in Magie, Adlerauge ist besonders flink, Resi ist als Allrounder in allen Belangen gut ausgerüstet, Kevin kann richtig kräftig austeilen und der niedlichen Charlotte macht als Heilerin niemand etwas vor.
Das Echtzeit-Kampfsystem wurde in der Neuauflage verändert - im Original war unsere Angriffskraft von einer sich automatisch aufladenden Leiste abhängig -, bleibt aber sehr zugänglich. Wir verfügen über einen leichten und einen starken Angriff, können per Shortcuts auf Magie und Spezialangriffe zurückgreifen und Items nutzen. Das kennt man so ähnlich aus zig anderen Spielen, es funktioniert aber sehr gut. Auch sonst wird bekannte Kost geboten: Wir kaufen neue Waffen und Ausrüstung, leveln auf, indem wir Feinde bezwingen und investieren so verdiente Punkte in kleinen Talentbäumen.
Unser Weg führt uns auf relativ linearen Pfaden durch eine frei erforschbare Welt. In dieser werden kleine Gemeinden durch Routen, Höhlen und andere Areale verbunden, auf denen allerlei Widersacher, versteckte Schatzkisten und mehr auf uns warten. Um die Story voranzutreiben, reicht es meist, einfach zu einem Punkt auf der Karte zu gehen oder mit einer markierten Figur zu sprechen. Ab und an erwarten uns große, fiese Bosse, die ein wenig Grinding vorausgesetzt, den bisherigen Erfahrungen nach aber kein allzu großes Problem darstellen dürften.
Das Ende nach dem Ende
Quelle: PC Games
Die sehr sexualisierte Darstellung der Frauenfiguren hätten wir nicht unbedingt gebraucht, sie ist bei JRPGs aber gang und gäbe.
Generell scheint Trials of Mana nicht allzu schwer zu werden. Die Demo spielten wir auf dem normalen Schwierigkeitsgrad und hatten dort keinerlei Probleme, ja, sind kein einziges Mal auch nur in die Verlegenheit gekommen, dem Game-Over-Bildschirm nahe zu kommen. Wer zumindest ein wenig mehr Herausforderung sucht, für den gibt es dankenswerterweise einen härteren Modus.
Allzu viel abseits des Weges dürfte es übrigens nicht zu tun geben. Die Struktur des Abenteuers orientiert sich stark an jener des Originals und Nebenquests waren dort Mangelware. Etwa 25 Stunden war man einst in der Welt von Trials of Mana unterwegs - etwas mehr dürfte es im Remake aber schon sein, denn hier wurde nach dem eigentlichen Abschluss der Handlung noch ein komplettes, neu entwickeltes Epilogkapitel hinzugefügt. Es ist dies nicht die einzige Neuerung. Unsere Figuren können im Rahmen ihres Spezialgebiets im Laufe des Spiels in ihren Klassen aufsteigen, hier wurde eine zusätzliche, finale Stufe implementiert. Neu dabei ist weiterhin die Suche nach dem sogenannten Kaktusfratz, einer kleinen Kreatur, die sich an verschiedenen Orten in der Spielwelt versteckt. Finden wir sie, dann erhalten wir Belohnungen. Und wer nicht genug vom Spiel bekommen kann, darf im New Game Plus ran.
Helden retten einsam
Quelle: PC Games
Die Grafik des Spiels reißt keine Bäume aus,ist aber ungemein liebevoll umgesetzt und wirkt, als hätte man die Artworks des SNES-Originals zum Leben erweckt.
Leider ersatzlos gestrichen wurde der Koop-Modus des Originals. Laut Entwicklern, weil man sich auf eine hochwertige Einzelspielererfahrung konzentrieren wollte, entschied man sich bewusst gegen diese Option. Das mag für uns hier in Europa, die nicht mit dem Spiel aufgewachsen sind, nicht so eine große Sache sein wie für japanische Fans, schade ist es aber allemal; gerade mit Blick auf Secret of Mana, dessen Mehrspielerpart auf dem SNES vielen alten RPG-Hasen noch gut in Erinnerung sein dürfte. Immerhin hier hat die Neuauflage von Secret of Mana gegenüber jener von Trials of Mana die Nase vorn, denn dort darf man erneut zu dritt ran.
Aber auch auf unserem Einzeltrip waren wir während des Anspielens von Trials of Mana sehr angetan. Es ist wahrlich kein revolutionäres Abenteuer und fühlt sich von seiner Machart ziemlich altmodisch an. Gerade das zeichnet es aber positiv aus, denn es zeigt, dass ein Spiel nicht immer ein riesiges Budget, komplexe Mechaniken und andere Kinkerlitzchen braucht, um zu funktionieren; manchmal reichen Herzblut bei der Gestaltung, eine liebevolle Präsentation und ein Gespür für das, was die Fans sich wünschen, schon vollkommen aus. Wem Final Fantasy 7 Remake im Vergleich zum Original zu andersartig ist, um erneut in die nostalgische Rollenspiel-Welt der 1990er-Jahre zurückkehren zu wollen, der dürfte mit Trials of Mana einen mehr als gelungenen Ersatz erhalten.
Trials of Mana erscheint am 24. April für PC, PS4 und Nintendo Switch.
