10 Jahre Total War: Warhammer traf für mich genau den richtigen Nerv
Kolumne
Manchmal reicht ein gutes Spiel nicht nur zum Spaßhaben, sondern auch zum Heilen alter Fan-Wunden. Total War: Warhammer traf für mich genau diesen Nerv, weil es die Alte Welt nicht einfach adaptierte, sondern wieder lebendig machte.
Und genau das war die richtige Entscheidung. Denn Warhammer-Fantasy ist keine langweilige Welt, in der Taktik die Hauptrolle spielt. Sie ist laut, düster, albern, brutal, pathetisch und oft alles gleichzeitig. Das Imperium ist im Grunde ein auf Anschlag gedrehtes Heiliges Römisches Reich mit Schwarzpulverfetisch. Bretonia ist Ritterromantik mit Gralsglanz. Orks sind grüne Fußball-Hooligans. Zwerge sind bärtige Grollarchive mit Äxten. Vampirfürsten sind Goth-Adel mit Charme. Und irgendwo im Hintergrund lauern immer die Chaosgötter und warten darauf, dass jemand eine schlechte Entscheidung trifft.
Total War: Warhammer verstand diesen Ton erstaunlich gut. Es nahm die Vorlage ernst, aber nicht so ernst, dass der Spaß darunter litt. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum mich das Spiel damals so erwischt hat. Es war nicht nur eine Adaption. Es war ein Trostpflaster.
Für mich half Total War: Warhammer tatsächlich dabei, die Trauer über das Ende von Warhammer-Fantasy zu überwinden. Das klingt vielleicht pathetisch, aber wer über Jahre in eine fiktive Welt eingetaucht ist, Bücher gelesen, Armeebücher gewälzt, Figuren bemalt oder einfach nur Lore inhaliert hat, weiß: Solche Welten verschwinden nicht einfach, ohne eine Lücke zu hinterlassen.
Quelle: SEGA
Total War: Warhammer war der Startschuss für eine fantastische Strategiespiel-Reihe, die über die Jahre immer größer, wilder und fantastischer wurde.
Ein Fenster zurück in die Alte Welt
Total War füllte diese Lücke nicht komplett, aber es öffnete ein Fenster. Und durch dieses Fenster roch es wieder nach Schwarzpulver, Moder, Blut, Magie und miserablen diplomatischen Beziehungen.
Zehn Jahre später starte ich das Spiel immer noch manchmal, nur um wieder eine Vampirfürsten-Kampagne zu beginnen. Nicht unbedingt, weil ich dringend noch eine weitere Welteroberung brauche. Sondern weil es sich ein bisschen anfühlt wie ein Besuch bei alten Bekannten. Bei Manni. Bei den Skeletten. Bei dieser abgefahrenen Alten Welt, die eigentlich untergegangen ist und auf meinem Bildschirm trotzdem weiterlebt.
Und genau deshalb ist dieses Jubiläum mehr als nur ein runder Geburtstag für ein fantastisches Strategiespiel. Es ist die Erinnerung an einen Moment, in dem eine tot geglaubte Fantasy-Welt plötzlich wieder marschierte. In Blockformation. Mit wehenden Bannern und guter Laune.
Habt ihr auch schöne Erinnerungen an den Start von Total War: Warhammer? Wann habt ihr das Spiel zum ersten Mal gespielt? Direkt zum Release, erst später oder vielleicht sogar erst mit Teil 2 oder 3? Nutzt gern die angebotene Kommentarfunktion und teilt uns eure Meinung zum Thema mit. Beachtet beim Kommentieren aber bitte die Forenregeln und die allgemeine Netiquette im Internet. Solltet ihr noch keinen Account haben, könnt ihr über eine Registrierung nachdenken, die viele Vorteile mit sich bringt. Unsere Video-Inhalte findet ihr bei YouTube, Instagram und TikTok.
