Interview mit Tomb Raider-Hauptdarstellerin Alicia Vikander

Special Emanuel Bergmann Thomas Raab Lukas Schmid
Interview mit Tomb Raider-Hauptdarstellerin Alicia Vikander
Quelle: Warner Bros.

Mit Tomb Raider tritt Alicia Vikander in die Fußstapfen der Games- und Film-Ikone Lara Croft. Für die 29-jährige Oscarpreisträgerin auch körperlich kein leichtes Unterfangen. Wir sprachen mit der gebürtigen Schwedin über ihr Verhältnis zu Laras knappen Outfits und Sex-Appeal, Kaffeepausen unter Nordlichtern und eiskalten Stromschnellen.

Interview mit Alicia Vikander

PC GAMES: Miss Vikander, Sie kamen schon recht früh mit den Tomb Raider-Spielen in Berührung. Sie waren zehn ...
Vikander: Ja, und ich hatte zum Teil Angst beim Spielen. Deswegen habe ich anfangs auch immer nur im Trainings-Modus gespielt. Allerdings hatte Interview mit Alicia Vikander Quelle: Warner Bros. Interview mit Alicia Vikander das auch etwas Reizvolles: Eigentlich mochte ich nämlich gar keine Computergames, weil das damals noch so ein reines Jungs-Ding war. Ich durfte sie auch nicht spielen, es war mein Geheimnis. Als ich meinen Freundinnen davon erzählte, meinten sie nur: "Echt? Ist ja voll dämlich!" Ich habe also heimlich und für mich alleine gespielt. Die späteren Teile und das Reboot ließ ich dann aus. Bei Letzterem gefiel mir aber der Look. Als ich mehr als ein Jahr vor dem Drehstart gefragt wurde, ob ich mir vorstellen könnte, Lara Croft in einem neuen Kinofilm zu spielen, war ich zunächst skeptisch. Schließlich hatte Angelina Jolie die Figur schon zur Ikone gemacht. Als es dann aber hieß, dass sich der Film an dem Reboot orientiert, schnappte ich mir das Game, spielte es durch und kam zu dem Schluss, dass man daraus etwas wirklich anderes machen könnte.

PC GAMES: Anders inwiefern?
Vikander: Das Reboot der Spiele ist viel mehr in der Realität verankert. Das trifft auch auf die Verfilmung zu. Wir gehen den Gründen nach, warum Lara so ist, wie sie ist. Sie hatte bisher keinen einzigen Gedanken daran verschwendet, sich auf ein Abenteuer einzulassen. Als sie dann aber einen Hinweis auf das Schicksal ihres Vaters findet, den sie als Teenager verloren hat, wagt sie den Schritt in dieses völlig neue, unbekannte Leben.

PC GAMES: Lara Croft wurde zur Pixel-Sex-Ikone in knappen Outfits. Inzwischen wird der Fokus weniger ­darauf gelegt. Fanden Sie das wichtig?
Vikander: Ich habe mir die alten Spiele noch einmal angesehen und auch Filme aus den Achtziger- und Neunzigerjahren. Das Frauenbild, das darin zum Ausdruck kommt, wäre heutzutage undenkbar. Es ist also nicht nur die Figur Lara Croft, die sich verändert hat, sondern auch die Gesellschaft und das Bild von Frauen insgesamt. Natürlich dürfen und wollen Frauen extrem attraktiv und sexy sein. Aber wenn man raus auf die Straße geht und danach fragen würde, würde kaum jemand sagen, dass man knappe Shorts als den Inbegriff von Attraktivität ansieht. Die Wahrnehmung, was sexy ist, die Vorstellung von attraktiven Frauen hat sich verändert und das finde ich wundervoll. Ich wurde in letzter Zeit oft ­darauf angesprochen, dass ich also keine sexy Lara Croft verkörpern wolle, aber das stimmt so nicht. Natürlich will ich eine junge Frau darstellen, die sexy ist, aber eben auch cool, unerschütterlich, witzig -jemand, mit dem man abhängen möchte, egal ob man eine Frau oder ein Mann ist.

PC GAMES: Dennoch ist und bleibt Lara eine Ikone. Hatten Sie das Gefühl, einer Fan-Vorstellung gerecht werden zu müssen?
Vikander: Ehrlich gesagt schob ich totale Panik. Ich erinnere mich, als am Set einige Social Influencers angekündigt waren, also im Grunde einige der größten Game-Nerds, die uns bei den Dreharbeiten zusehen sollten. Ich hatte Bammel ohne Ende. Schließlich sind das die Leute, die dir erzählen, dass sie Tomb Raider in den letzten sieben Jahren 42 Mal durchgespielt hätten. Sie kennen die Spiele und vor allem die Charaktere in- und auswendig. Ich habe versucht, mich so gut es ging auf diesen Tag vorzu­bereiten. Ich hatte mit Regisseur Roar Uthaug ja bereits am Drehbuch gefeilt, an den Kostümen, der Frisur, also allem, was mit meiner Figur zu tun hatte. Wir versuchten eine Art Balance zu finden, die Lara insbesondere für die Fans vertraut wirken lässt, aber dennoch genug Neues bietet. Und wenn ich mir jetzt das Endergebnis anschaue, glaube ich auch, dass uns das gelungen ist. Aber der Druck auf meinen Schultern war immer spürbar.

PC GAMES: Es muss eine angenehme Erfahrung gewesen sein, mit jemandem wie Roar zusammenzuarbeiten, der den gleichen geografisch-gesellschaftlichen Background wie Sie mitbrachte ...?
Vikander: Wenn wir zusammen einen Kaffee tranken und uns auf Norwegisch oder Schwedisch unterhielten, kam das am deutlichsten zum Ausdruck. Aber natürlich war es für uns beide ein außergewöhnliches Gefühl, gemeinsam aus einem kleinen nordischen Land zu kommen und plötzlich mit unzähligen Menschen Action-Szenen oder eben ein ganzes Kino-Abenteuer der Art zu inszenieren, wie wir es als Kinder geliebt haben. Als Europäer eine solche Chance zu bekommen und sie zu nutzen, verdient Respekt.

Interview mit Alicia Vikander Quelle: Warner Bros. Interview mit Alicia Vikander PC GAMES: Sie haben anfangs gesagt, dass Ihre Lara, aber auch der Film insgesamt mehr in der Realität verankert seien. Aber ist das nicht schwierig, wenn man bedenkt, wozu Lara alles fähig ist?
Vikander: Bei den vielen Stunt- und Actionszenen war uns immer wichtig, dass wir intelligente und schlüssige Lösungen finden. Lara ist ein junges, unerfahrenes Mädchen, das im Vergleich zu den Typen, mit denen sie es zu tun bekommt, körperlich unterlegen ist. Sie muss also andere Mittel und Wege finden, intelligenter sein als ihre Widersacher. Wir waren daher immer auf der Suche nach Möglichkeiten, die Ereignisse realistisch darzustellen und aufzulösen. Aber natürlich gehören bei Tomb Raider auch Dinge dazu, die übernatürlich erscheinen. Wer wünscht sich als Kind nicht diese Zaubertür im Schrank, die in eine andere, fantastische Welt führt? Oder man reist in ein fernes Land und stößt dort auf antike Stätten untergegangener Zivilisationen. Auch dort hofft man doch immer, etwas zu finden, das über die eigene Vorstellungskraft hinausgeht. Ich glaube, solche mystischen Elemente sind das Salz in der Suppe. Wenn die eigentliche Geschichte dann fest in der Realität verankert ist, hat man den Zuschauer schon gewonnen, weil das innere Kind angesprochen wird. Mir geht es jedenfalls so.

PC GAMES: Für Sie war der körperliche Anspruch an die Rolle immens hoch. Half Ihnen Ihre Ballettausbildung als solide Trainingsgrundlage?
Vikander: Auch wenn ich das Ballett schon vor Jahren aufgegeben habe und mir immer klar war, dass ich meine Zukunft nicht im Tanz finden würde, habe ich das Ballett-Training trotz aller Härte immer geliebt. Diese Grundlage jetzt für diesen Film zu nutzen, war ein Geschenk. Ich musste dennoch vier Monate hart trainieren, und zwar nicht nur, um meine Konstitution zu verändern, sondern um überhaupt die Proben und Testläufe zu überstehen. Ich wollte bei den Dreharbeiten so viele Szenen wie möglich selbst machen. Daher musste ich unzählige Stunden vorab trainieren und proben.

PC GAMES: Waren Sie zum Teil selbst überrascht, wozu Sie stunttechnisch letztlich in der Lage waren?
Vikander: Die Angst zu überwinden, Dinge zu tun, die ich vorher noch nie gemacht hatte, war sehr beeindruckend. Wenn man das erste Mal von einem 12 oder 15 Meter hohen Objekt springt, muss man seinen ganzen Mut zusammennehmen. Ich wurde in Stromschnellen geworfen ... das war hart. Selbst durch London mit dem Fahrrad zu fahren, war eine harte Nuss [lacht]. Diese Slides und Tricks habe ich vorher noch nie gemacht. Aber diese Stromschnellen waren das Schlimmste. Normalerweise fahren dort Olympiakanuten, zumindest sollte man besser in einem Boot sitzen. Mir wurden aber die Hände gefesselt und ich wurde 25 oder 30 Mal am Tag ins 11 Grad kalte Wasser gekickt ...

PC GAMES: Ziemlich tough! Liegt das in Ihrer Natur?
Vikander: Eigentlich nicht! Manchmal hatte ich nur noch Angst, obwohl ich wusste, dass ein unglaubliches Team hinter mir stand. Irgendwann funktioniert man nur noch und versucht sich unter Kontrolle zu halten ... das brauche ich nicht unbedingt noch einmal, aber es war ein großes Abenteuer [lacht]!

PC GAMES: Viele Darsteller behaupten, nach einem so harten Training auch mental stärker geworden zu sein. Können Sie das bestätigen?
Vikander: In gewisser Weise ja. Ich habe vor zehn Jahren aufgehört, Ballett zu tanzen. Nach den ersten Trainingstagen hatte ich nur noch Schmerzen, kam mir vor wie ein Invalide. Mir taten Stellen am und im Körper weh, von denen ich nicht einmal wusste, dass sie existieren [lacht]. Gerade für eine Frau - viele werden mir da zustimmen - sind Klimmzüge ein rotes Tuch. Das Erste, was ich meinem Trainer also sagte, war: "Wenn du es schaffst, dass ICH auch nur einen Klimmzug schaffe, dann bin ich die Größte!". Beim ersten Mal hing ich an der Stange und er meinte, ich müsse versuchen die Schultern anzuheben. Ich schrie ihn nur an, dass ich nichts anderes versuchen würde! [lacht]. Es passierte nichts. Aber als ich es dann geschafft habe, war das ein echter Adrenalinkick. Diese Mischung aus Kraft und Freude wirkt sich extrem positiv aus. Jetzt schaffe ich sechs bis sieben Klimmzüge am Stück und knapp 40 Liegestütze!

PC GAMES: Unseren Respekt haben Sie! Würden Sie sich auch als Feministin bezeichnen?
Vikander: Seit dem Weinstein-Skandal sagen viele meiner Freunde, auch die, die nicht in der Filmindustrie arbeiten, dass sich in allen Bereichen das Verhältnis zu Frauen verändert. Das finde ich gut. Aber bedeutet das, dass man deswegen Feministin ist? Die Bezeichnung ist gar nicht so wichtig. Viel wichtiger ist, dass sich solche Dinge wie mit Weinstein nicht wiederholen, dass sich Frauen trauen, ihre Stimme zu erheben, damit so etwas nie wieder passiert.

Bildergalerie

  1. Seite 1 PC Games zu Besuch bei den Machern des Tomb Raider-Films - Teil 1
  2. Seite 2 PC Games zu Besuch bei den Machern des Tomb Raider-Films - Teil 2
  3. Seite 3 Interview mit Tomb Raider-Hauptdarstellerin Alicia Vikander
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