Tomb Raider: Von Höhen und Tiefen - unser Special zum Kinostart ​

Special Emanuel Bergmann Thomas Raab Lukas Schmid
Tomb Raider: Von Höhen und Tiefen - unser Special zum Kinostart ​
Quelle: Warner Bros.

Bei den beliebten Tomb Raider-Videospielen geht es um die Abenteuer der ­hartgesottenen Archäologin Lara Croft, die sich auf der Suche nach geheimnisvollen Grabmälern und übernatürlichen Artefakten oft in Lebensgefahr begibt. Nun steht ein Reboot an, das realer und geerdeter daherkommen will als die ersten beiden Leinwand-Adaptionen mit Angelina Jolie. WIDESCREEN traf in London die Filmemacher und erklärt, was Kino- und Spielefans erwartet.

Die Tomb-Raider-Spiele zählen längst zu den erfolgreichsten Games aller Zeiten. Alle Welt kennt Lara Croft und vor allem routinierte Gamer gehen davon aus, alles über sie zu wissen. Da erstaunt es schon ein wenig, wie forsch der 44-jährige norwegische Regisseur Roar Uthaug uns gegenüber Ende letzten Jahres in London sein für März angekündigtes Leinwand-Reboot positionierte: "Wir wollen mit unserem Film eine neue Entstehungsgeschichte für Lara Croft erzählen", so Uthaug. "Für die große Leinwand und für das Publikum von heute. Es ist ein Film für Leute, die Lara Croft oder Tomb Raider vielleicht gar nicht von früher kennen."

Dabei dürfte Tomb Raider wohl sogar Nicht-Spielern ein Begriff sein. Für Videogamer ist es sicher mehr als das. Seit über 20 Jahren können sie sich am PC und auf der Konsole in virtuellen Tempeln, Grabstätten und anderen Todesfallen tummeln, auf der Suche nach Artefakten aller Art. Das eigentliche Objekt der Begierde ist hierbei natürlich nicht irgendeine verstaubte Mumie, sondern eben die Hauptfigur des Spiels, Pixel-Sexbombe Lara Croft. Gedacht war Lara als eine weibliche Indy-Variante. "Ganz klar, sie ist von Indiana Jones inspiriert", gibt Uthaug zu. "Aber ich denke, dass sie im Lauf der Zeit zu einer sehr eigenständigen Figur geworden ist."

Lest passend zu unserem Special auch unbedingt unsere Rezension zum neuen Tomb Raider-Film (jetzt kaufen )!

Harte Kritik und herber Spott

Damals, bei der Entwicklung des Spiels im Jahre 1993, wurde Croft zum Leidwesen ihres Erfinders Toby Gard immer mehr zum stilisierten Sexsymbol. Gard hätte sich ein weniger laszives Design für seine Hauptfigur gewünscht, doch Lara Crofts Körperbau begeisterte die (seinerzeit noch überwiegend männlichen) Gamer und heizte zweifellos die Verkäufe an. Der Erfolg der Reihe rettete das britische Spielentwicklungsstudio Core Design vor dem Bankrott, weltweit wurden bislang über 58 Millionen Tomb Raider-Games verkauft. "Ich denke, Lara Croft war eigentlich schon immer eine starke und einfallsreiche Frau. Sie ist schlau", so Uthaug. "Unsere Lara Croft ist definitiv sehr modern und zeitgemäß. Das ist auch etwas, was Alicia mit einbringt."
Beim Dreh: Gesichert mit Seilen, führte Alicia Vikander etliche Stunts selber aus. Quelle: Warner Bros. Beim Dreh: Gesichert mit Seilen, führte Alicia Vikander etliche Stunts selber aus.

Das Konzept der Tomb-Raider-Games - sexy Grabräuberin in Nöten - erwies sich als enorm schlüssig und eignete sich zudem ideal für einen Kinofilm. So kam es dann auch. Das Hollywood-Studio Paramount sicherte sich noch in den 90ern die Filmrechte und verpflichtete die frischgebackene Oscar-Gewinnerin Angelina Jolie für die Hauptrolle. Die beiden folgenden Tomb-Raider-Filme, die in den Jahren 2001 und 2003 produziert (und u. a. von der deutschen Tele München Gruppe, Mutterkonzern des Concorde Filmverleihs finanziert) wurden, spielten weltweit rund 430 Millionen US-Dollar ein. Das ist zwar nicht wenig, doch viele Fans waren unzufrieden mit der filmischen Umsetzung und Paramount sah sich mit harten Kritiken bis hin zu herbem Spott konfrontiert. Nachdem der zweite Film an der Kinokasse vor allem international deutlich schlechter abschnitt, wurde die Reihe infrage gestellt. Und als Angelina Jolie bekannt gab, keine Lust mehr auf Lara Croft zu haben, war alles aus
Toughes Mädel: Bei ihrer Flucht aus Vogels Fängen muss Lara reihenweise kraftraubende Hindernisse überwinden. Quelle: Warner Bros. Toughes Mädel: Bei ihrer Flucht aus Vogels Fängen muss Lara reihenweise kraftraubende Hindernisse überwinden.

Wirkliche blaue Flecken

Fiesling: Den skrupellosen Mathias Vogel (W. Goggins) zu stoppen, entpuppt sich als Laras größte Herausforderung. Quelle: Warner Bros. Fiesling: Den skrupellosen Mathias Vogel (W. Goggins) zu stoppen, entpuppt sich als Laras größte Herausforderung. 15 Jahre später soll Tomb Raider nun wieder aus dem Grab auferstehen, und zwar unter den Fittichen des legendären Filmproduktionsstudios Metro-Goldwyn-Mayer (MGM). Aber kann die neue Lara dem traurigen Trend schlechter Game-Verfilmungen der letzten Jahre entgegenwirken? Zuletzt spalteten die Leinwand-Adaptionen von Warcraft und Assassin's Creed die Fangemeinden. Regisseur Uthaug hat dazu eine feste Meinung: "Alle guten Filme müssen sich mit ihren Figuren auseinandersetzen. Nur durch die Charaktere kann sich das Publikum auf den Film einlassen. Also haben wir versucht, eine Lara Croft zu schaffen, die das moderne Publikum einbezieht."

Auch dieses Mal wird Lara Croft von einer Oscar-Gewinnerin gespielt, nämlich der schwedischen Schauspielerin Alicia Vikander. Die 29-Jährige trat zu Beginn ihrer Karriere in kleinen Bühnenproduktionen am Göteborger Opernhaus auf, später studierte sie an der Königlichen Ballettschule in Stockholm und der School of American Ballet in New York. "Wenn es in meinem Leben mal Schwierigkeiten gibt", so Vikander, "denke ich mir immer: Nichts ist so hart wie die Ballett-Ausbildung!" Ihre professionelle Laufbahn als Schauspielerin begann mit Auftritten in schwedischen Kurzfilmen und Fernsehserien. Allein 2015 und 2017 war Vikander in sieben Filmen auf deutschen Leinwänden zu sehen, darunter die Actioner Codename U.N.C.L.E., Seventh Son und Jason Bourne. Für ihre Performance als Malerin Gerda Wegener in Tom Hoopers Biopic The Danish Girl wurde sie nicht nur hochgelobt, sondern gewann auch den Oscar als beste Nebendarstellerin. In Alex Garlands Regiedebüt Ex Machina spielte sie die künstliche Intelligenz Ava, was ihr eine Golden-Globe-Nominierung einbrachte.
Grabesruhe: Dunkle Höhlen dürfen in einem Tomb Raider-Film natürlich nicht fehlen. Quelle: Warner Bros. Grabesruhe: Dunkle Höhlen dürfen in einem Tomb Raider-Film natürlich nicht fehlen.

"Ich kannte Alicia aus ihren skandinavischen Filmen", so der Regisseur über seinen Star. "Ich bin seit Jahren ein großer Fan von ihr. Es war schön, endlich mit ihr arbeiten zu können. Sie hat einen sehr authentischen Schauspielstil, von dem ich denke, dass er zu unserem Film passt. Und sie hat eine große emotionale Reichweite. Aber sie hat bei diesem Film auch monatelang hart trainiert, um körperlich fit zu werden, sie hat mit Stuntkoordinatoren, Kampfchoreografen und Bogenschützen gearbeitet. Wir wollten eine Lara Croft erschaffen, die wirklich glaubwürdig und geerdet ist. Wenn sie hinfällt, hat sie auch wirklich blaue Flecken."

  1. Seite 1 PC Games zu Besuch bei den Machern des Tomb Raider-Films - Teil 1
  2. Seite 2 PC Games zu Besuch bei den Machern des Tomb Raider-Films - Teil 2
  3. Seite 3 Interview mit Tomb Raider-Hauptdarstellerin Alicia Vikander
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