PC Games zu Besuch bei den Machern des Tomb Raider-Films - Teil 2
Special
Bei den beliebten Tomb Raider-Videospielen geht es um die Abenteuer der hartgesottenen Archäologin Lara Croft, die sich auf der Suche nach geheimnisvollen Grabmälern und übernatürlichen Artefakten oft in Lebensgefahr begibt. Nun steht ein Reboot an, das realer und geerdeter daherkommen will als die ersten beiden Leinwand-Adaptionen mit Angelina Jolie. WIDESCREEN traf in London die Filmemacher und erklärt, was Kino- und Spielefans erwartet.
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Mutter des Todes
Alicia Vikander bezeichnet sich selbst als Fan von Lara Croft: "Ich bin mit der ersten Generation von Computerspielen aufgewachsen. Ich habe bereits das erste Game gespielt. Ich war ziemlich jung, etwa zehn. Aber ich erinnere mich noch, wie fasziniert ich war. Und wie die meisten war ich beim Kennenlernen des Spiels überrascht, dass Tomb Raider eine weibliche Protagonistin hat." Zu diesen von ihr geschilderten Anfängen soll der neue Film wieder zurückkehren, Tomb Raider verstehe sich als eine "Origin-Story", wie Vikander angibt. "Unser Reboot erzählt eine Entstehungsgeschichte. Der Charakter ist in einer Realität angesiedelt, mit der wir uns identifizieren können. Es ist ihr erstes Abenteuer."
Quelle: Warner Bros.
Am Ziel: Vogel will ein mächtiges Artefakt an sich bringen und riskiert damit die Vernichtung der Menschheit.
Und dann legt sie nach: "Wissen Sie, man hat so etwas in den letzten Jahren oft bei Superhelden oder anderen Actionhelden gesehen. Heute möchte man wissen, wie sie so geworden sind, wie sie sind. Im Jahre 2018 kann auch ein Action-Star seine verletzliche Seite zeigen. Denn so lernt man sie kennen, so fiebert man mit ihnen mit." Im neuen Film ist Lara die 21-jährige Tochter des exzentrischen Abenteurers und Konzerngründers Lord Richard Croft, der jedoch vor Jahren unter geheimnisvollen Umständen verschwand und wohl ums Leben gekommen ist. Die junge Lara lässt ihr Studium schleifen, jobbt in London als Fahrradkurierin und interessiert sich scheinbar keinen Deut dafür, dass sie eigentlich eine Millionenerbin ist.
Quelle: Warner Bros.
Weite Reise: Mithilfe von Lu Ren (D. Wu) hofft Lara eine geheimnisvolle Insel zu finden.
"Ihr Vater verschwand, als sie 13 war", erklärt uns Vikander. "Sie war nicht dazu in der Lage , um ihn zu trauern, weil er eines Tages einfach weg war. Sie trägt einen großen Schmerz mit sich. Sie wusste nicht, was passiert ist und warum sie verlassen wurde. Und sie will in der Welt Fuß fassen. Sie denkt, dass ihr Vater lediglich irgend so ein Firmenchef war." Die junge Lara will also zunächst mit dem Rumkrabbeln in staubigen Ruinen nichts zu tun haben. Doch das soll sich bald ändern - das erste Grab, in das sie eindringt, ist das ihres Vaters. Denn dieser hat ihr einen Hinweis hinterlassen, der ihr Leben verändern wird. Lara vermutet, dass Papa gar nicht tot, sondern in Wirklichkeit im Dschungel verschollen ist.
Quelle: Warner Bros.
Am Set: Regisseur Roar Uthaug bespricht eine Szene mit seiner Hauptdarstellerin.
Die Suche nach ihm führt sie zu einem sagenumwobenen Grab auf einer mythischen Insel, die irgendwo vor der Küste Japans liegt. Bald wird aus der Suche eine Obsession und aus der Obsession eine Aufgabe von übergeordneter Bedeutung. Lara - wie könnte es anders sein - muss am Ende nicht weniger als die Welt retten. Denn der skrupellose Grabschänder Mathias Vogel ist drauf und dran, das Grab der sogenannten "Mutter des Todes" zu öffnen - und riskiert damit, einen tödlichen Fluch auf die Menschheit loszulassen.
Quelle: Warner Bros.
Glückliche Zeiten: Die kleine Lara (E. Carey) mit ihrem Papa Lord Richard Croft (D. West)
Wie eine Achterbahnfahrt
Das Drehbuch des neuen Films wurde schon mehrfach umgeschrieben, unter anderem von Profis wie Marti Noxon (Buffy) und Mark Fergus (Children of Men). Die neueste Fassung stammt nun von der Shooting-Star-Autorin Geneva Robertson-Dworet, deren Skript Hibernation es auf die renommierte "Blacklist" der besten nicht produzierten Skripts in Hollywood geschafft hat (und nun von Justin Lin, Regisseur von Star Trek: Beyond, verfilmt werden soll). Derzeit schreibt Robertson-Dworet das Drehbuch zu Marvel Studios' Captain Marvel und wurde für ein neues Dungeons & Dragons-Abenteuer angeheuert. Was sie offenbar der Begeisterung von MGM für ihr Tomb Raider-Skript zu verdanken hat.
Vikander betont aber, dass auch sie ihre Meinung mit in die Umsetzung des Drehbuchs einbringen durfte. "Ich habe viel mit Roar an dem Charakter gearbeitet, und zwar schon ziemlich früh bei der Entwicklung des Drehbuchs. Wir wollten vorsichtig vorgehen, wir waren uns darüber im Klaren, dass sie eine überaus beliebte Figur ist."
Quelle: Warner Bros.
Selbstverteidigung: Die Erwachsene Lara (A. Vikander) weiß auch mit dem Bogen umzugehen.
Die Wahl des Norwegers Roar Uthaug für den Regiestuhl erscheint da durchaus mutig. "Es ist nicht nur sein erster englischsprachiger Film, sondern auch ein riesiges Projekt", merkt Vikander respektvoll an. "Ich habe 19 Filme gemacht, aber diese großen Studiofilme sind eine ganz andere Hausnummer. Es ist dieselbe Methodik, aber es ist nun einmal etwas anderes, 400 Leute am Set zu haben, besonders als Regisseur." Doch Uthaug ist durchaus bereits in verschiedenen Genres zu Hause. Sein Horrorthriller Cold Prey - Eiskalter Tod (2006) gilt als ein Highlight des skandinavischen Genrekinos und der Katastrophenfilm The Wave - Die Todeswelle war 2016 Norwegens Einreichung für den Oscar als bester nicht-englischsprachiger Film.
Quelle: Warner Bros.
Sportlich: Dank des Trainings und ihres Jobs als Fahrradkurierin ist Lara fit wie ein Turnschuh.
Bei den Nebendarstellern gelang ein guter Griff. Der Laras Vater spielende Dominic West hat die HBO-Serie The Wire zum Kult gemacht, Kristin Scott Thomas wurde einst für Der englische Patient für den Oscar nominiert und Oberschurke Walton Goggins konnte zuletzt in Quentin Tarantinos The Hateful 8 (2015) überzeugen. "Lassen Sie es mich so sagen", erzählt uns Goggins. "Für mich ist es wie eine Vermischung aus Jäger des Verlorenen Schatzes mit einem Joseph-Conrad-Roman. Die Struktur und das Fundament der Geschichte ist solide und spannend. Es ist unglaublich unterhaltsam. Und der Schurke, den ich spiele, ist verwirrt und wütend und verzweifelt."
Gedreht wurde zwischen Januar und Juni 2017 in den Warner Bros. Studios im britischen Leavesden sowie im südafrikanischen Kapstadt. "Wir wollten so viel wie möglich an Originalmotiven drehen", so der Regisseur, der nach eigenen Angaben viel Wert auf Realismus gelegt hat. "Wir waren so oft wie möglich am Set und haben uns nur selten auf CGI und visuelle Effekte verlassen. Auch die Stunts sind größtenteils am Set entstanden, das Ganze sollte authentisch wirken. Wie bei einer Achterbahnfahrt muss es Höhen und Tiefen geben, aber für diesen Film muss das auch immer in den Charakteren verwurzelt bleiben."Und er fügt an: "Wir haben versucht, in diesem Film eine starke, intelligente, einfallsreiche, unabhängige, weibliche Figur zu zeigen, die - so denke und hoffe ich - jeden inspirieren wird, einschließlich der Mädchen. Es ist eben ein großer Actionfilm und ein großes Abenteuer." Das waren die Vorgängerfilme auch. Doch größerer Realismus sollte nicht der falsche Ansatz sein, um sich von diesen abzuheben. Denn Realismus war wahrlich nicht gerade das Erste, was einem im Zusammenhang mit den Abenteuern der von Angelina Jolie gespielten Lara Croft einfiel.
