Sehnsucht nach Guybrush: Es ist Zeit für ein neues Monkey Island!
Special
Lucasfilm Games ist zwar nicht als Entwicklerstudio, aber zumindest als Marke zurück. Prompt kamen die ersten großen Ankündigungen: Ubisoft macht Star Wars, Bethesda kümmert sich um Indy. Bestens! Doch bei aller Freude darüber hat Redakteur Felix Schütz vor allem einen Wunsch: Ein Wiedersehen mit Guybrush Threepwood, denn das ist schon lange überfällig. Ein Kommentar zum reichen Erbe von Lucas Arts - und warum man die Hoffnung auf ein neues Monkey Island nicht aufgeben sollte.
Spielosaurus, so haben mich die Kollegen früher öfter mal genannt. War vermutlich nicht als Kompliment gemeint, doch das war mir egal. Mit meiner Liebe zu Retro-Games und verloren geglaubten Klassikern bin ich schließlich nicht allein. Als Beweis braucht man sich nur mal den Erfolg der unzähligen Remakes, Reboots und Neuauflagen der letzten Jahre anschauen. Auch darum habe ich die Rückkehr von Lucasfilm Games - wenn auch nur als Lizenzgeber - mit lachendem und weinendem Auge verfolgt: Klar, ein neues Star Wars von Ubisoft klingt spitze! Und ich bin verdammt neugierig, was Machine Games und Bethesda mit Indiana Jones anstellen werden. Doch ich denke bei Lucas Arts eben nicht nur an die ganz großen Filmlizenzen, sondern auch an die kreativen Eigenkreationen, die in den 90er-Jahren bei der Kultschmiede entstanden sind. Day of the Tentacle, Grim Fandango, The Dig, selbst das hoffnungslos veraltete Outlaws - eine Schachtel mit Lucas-Arts-Logo bekam bei mir automatisch einen Ehrenplatz im PC-Regal. Wo der Goldjunge drauf war, steckte meist etwas Besonderes drin.
Doch keinen Spieleschatz habe ich damals so gehütet wie Monkey Island.
Quelle: PC Games
Guybrushs erster Hit: The Secret of Monkey Island (1990) war ein Adventure-Meilenstein.
Nur die ersten drei Teile, versteht sich. Die waren fantastisch. Das erste Monkey Island von 1990 trägt sicher einige Schuld daran, dass ich bis heute nix Gescheites gelernt habe und stattdessen Texte wie diesen verfasse. Die Schachtel von Teil 2 steht sogar heute noch an meinem Arbeitsplatz, mit Codescheibe und allem. Beim dritten Teil The Curse of Monkey Island scheiden sich die Geister, nicht jeder Fan mochte das Spiel. Ich liebe es übrigens, erst kürzlich habe ich ihm ein großes Retro-Video gewidmet. Doch natürlich kam es nie ganz an den Ruhm der ersten beiden Teile ran, die noch aus der Feder von Ron Gilbert, Tim Schafer und Dave Grossman stammten. Was mich nun zu meiner klitzekleinen Bitte führt.
Lucasfilm Games und Disney, falls ihr das hier lest: Bringt Guybrush Threepwood zurück!
Fragt doch mal Ron Gilbert
Quelle: Steam
Grandiose Fortsetzung: Monkey Island 2: LeChuck's Revenge (1991) begeisterte Fans wie Kritiker.
Ein abwegiger Gedanke? Finde ich nicht! Schließlich gibt es schon ein gutes Konzept: Kein Geringerer als Ron Gilbert selbst könnte ein Monkey Island entwickeln, das wieder an den zweiten Teil anknüpft. An The Curse of Monkey Island war Gilbert nämlich nicht beteiligt. Das fertige Spiel mochte er zwar, doch es war für ihn nie das "richtige" Monkey Island 3, so wie es ihm vorschwebte. Das hat er mir übrigens selbst erzählt: Vor ein paar Jahren war Gilbert bei uns in der Redaktion zu Besuch, er stellte mir damals sein neues Point-and-Click-Adventure Thimbleweed Park vor. Mit dem Kickstarter-Projekt wollte Gilbert ein Retro-Abenteuer im Geiste von Maniac Mansion erschaffen - und später zeigte sich, dass ihm das trotz einiger Schnitzer auch gut gelungen war. Nach dem Probespiel zerrte ich Gilbert, der an diesem Tag ungewohnt heiter war, ins Studio für ein kleines Interview. Es dauerte nicht lange, bis wir auf Monkey Island zu sprechen kamen und schließlich folgte die Frage, die er schon tausend Mal gehört hatte: Ob Gilbert sich vorstellen könnte, auf die Affeninsel zurückzukehren? Schließlich hatte er mit Thimbleweed Park gerade erst seine Liebe zu Retro-Adventures wiederentdeckt.
Ich hatte damals mit einer knappen, ausweichenden Antwort gerechnet. Viele Entwickler reden nämlich nicht gern über alten Kram, weil sie viel lieber ihr neues Spiel promoten wollten. Doch Gilbert überraschte mich: Er sagte, dass er durchaus Lust hätte, ein neues Monkey Island zu entwickeln. Am liebsten ein Retro-Adventure im Pixellook, eben wie damals, als Affen noch dreiköpfig und Aktionsverben cool waren. Gilbert beschreibt seine Idee so: "Stell dir vor, du würdest eine Schublade öffnen und ein paar verstaubte Disketten darin finden, auf die jemand 'Rons Monkey Island 3' gekritzelt hat." Dabei erklärte er mir auch, dass seine Geschichte an das umstrittene Ende von Monkey Island 2 anknüpfen sollte. Woran es bislang scheiterte? An den Markenrechten, denn die liegen bei Disney.
Hoffen auf das "wahre" Monkey Island 3
Nun ist ein pixeliges Retro-Adventure erst mal nix Ungewöhnliches. Studios wie Wadjet Eye Games verdienen damit schon lange ihr Geld, Spiele wie Unavowed, Technobabylon oder Shardlight finden zuverlässig ihre Fans. Auch Thimbleweed Park hat sich gut verkauft und Double Fine machte mit seinem (erstaunlich mittelmäßigen) Broken Age sogar Crowdfunding für Videospiele salonfähig. Irgendwas muss also dran sein.
Und das finanzielle Risiko wäre gering. Gute Point-and-Click-Adventures wachsen zwar nicht auf Bäumen, verschlingen aber auch längst nicht so viel Kohle wie eine AAA-Produktion von einem riesigen Studio. Die Entwicklerteams sind kleiner, die Projekte berechenbarer, die Hürden geringer als bei einem Open-World-Blockbuster mit Raytracing-Optik und hundert Stunden Spielzeit. Ein Monkey Island 3 könnte darum in verhältnismäßig kleiner Runde in einem halbwegs realistischen Zeitrahmen entstehen. Natürlich würde man mit so einem Spiel vermutlich keine Milliarden scheffeln, auch ein Guybrush kann nicht hexen. Aber das müsste auch gar nicht sein. Schließlich sind Verkaufszahlen nicht die einzige Art, Erfolg zu messen.
Wenn es Disney also ernst damit ist, der Marke Lucasfilm Games neues Leben einzuhauchen, sollte man nicht bei Star Wars und Indiana Jones aufhören. Es gibt heute so viele Formate, Plattformen und Vertriebswege, die schon zigfach bewiesen haben, dass man es auch mit kleineren Budgets weit bringen kann. Spiele, die überraschen, die alte Fans zurückgewinnen - und die damit das Vertrauen in ein Lucasfilm Games stärken, das für weitaus mehr stehen kann als nur für Lichtschwert und Lederpeitsche.
Quelle: PC Games
Mit Thimbleweed Park (2017) kehrte Ron Gilbert zu seinen Wurzeln zurück.
Darum sage ich: Jetzt ist die richtige Zeit, um Monkey Island zurückzubringen. Und mir würde keine charmantere Art einfallen, als Gilberts Konzept von einem eigenen Monkey Island 3. Also bitte, gebt dem Mann ein Budget! Wenn er überhaupt noch Lust darauf hat, versteht sich, unser Gespräch zu dem Thema ist ja schon wieder ein paar Jahre her. Und ob er ans Telefon geht, ist fraglich: Derzeit ist Gilbert damit beschäftigt, das Colosseum in Lego nachzubauen. Aber vielleicht hat er danach ja mal wieder Lust auf was anderes. Etwas mit Piraten, zum Beispiel. Nur so eine Idee.
Lust, ein paar Erinnerungen aufzufrischen? Hier gibt's Lesestoff für Fans von Lucas Arts.
