Outlaws: Lucas Arts' kurioser Western-Shooter im Retro-Special

Special Felix Schütz
Outlaws: Lucas Arts' kurioser Western-Shooter im Retro-Special
Quelle: PC Games

Lucas Arts stand viele Jahre für kultige Adventures, für Star Wars, für Indiana Jones. Doch das wegweisende Studio brachte auch ungewöhnlichere Spiele hervor, beispielsweise den Ego-Shooter Outlaws, der spaßige Schießereien mit einem knallbunten Wildwest-Setting kombinierte. Wir blicken zurück auf einen von Lucas Arts' originelleren Ausreißern, der es nie bis ganz nach oben schaffte - auch weil er schon bei Release mit einer gnadenlos veralteten Engine zu kämpfen hätte.

Egal ob mit Star Wars, Monkey Island oder Indiana Jones - Lucas Arts hat sich seinen Ehrenplatz in der Spielegeschichte redlich verdient. Fernab von all seinen Klassikern hat die Kult-Schmiede aber auch ein paar richtig kuriose Titel produziert. Einer davon war Outlaws aus dem Jahr 1997: Der Ego-Shooter trat mutig auf, pfiff genüsslich auf die damals populären SciFi-Welten und entführte den Spieler stattdessen in den Wilden Pixelwesten. Mit Erfolg: Outlaws war zwar kein richtiger Verkaufsschlager und zog auch keine Fortsetzung nach sich, scharte aber immerhin eine treue Fangemeinde um sich. Damit bereitete es auch die Bühne für spätere Wildwest-Ballereien wie Call of Juarez oder Gun.

Ein Mann sieht rot

Um seine Tochter zu retten, zieht der Ex-Marshall James Anderson noch einmal in den Kampf. Quelle: PC Games Um seine Tochter zu retten, zieht der Ex-Marshall James Anderson noch einmal in den Kampf. Outlaws erzählt seine Geschichte nur über Zwischensequenzen, das ist aus heutiger Sicht eher ungewöhnlich. Innerhalb der Levels gibt's neben Schießereien nämlich keinerlei Dialoge oder andere Story-Elemente. Wie man es von Lucas-Arts-Spielen aus den 90er Jahren erwarten konnte, waren die Videos für damalige Verhältnisse allerdings ziemlich hochwertig geraten: Mit einer Mischung aus Rendereien und Comic-Zeichnungen gelangen den Entwicklern stimmungsvolle, farbenfrohe Filmchen, die den schlichten Plot spannender erscheinen lassen, als er tatsächlich ist.

In Outlaws (jetzt kaufen 39,95 € ) spielen wir den knallharten U.S. Marshal James Anderson. Der ehemalige Gaunerschreck hatte seinen Colt eigentlich schon an den Nagel gehängt, um sich mit Ehefrau Anna und Töchterchen Sara auf eine kleine Farm zurückzuziehen und ein ruhiges Leben zu führen. Doch das Familienglück währt nicht lange: Der skrupellose Geschäftsmann Bob Graham will eine Eisenbahnstrecke durch Andersons Land bauen. Um seine Forderungen durchzusetzen, schickt er brutale Handlanger los, um die Familie einzuschüchtern. Dabei kommt Anna ums Leben und die kleine Sara gerät in die Hände der Gauner. Zu allem entschlossen, nimmt Anderson ihre Fährte auf.
Heute selbstverständlich, damals aber noch ungewöhnlich: Alle Schusswaffen werden manuell nachgeladen.  Quelle: PC Games Heute selbstverständlich, damals aber noch ungewöhnlich: Alle Schusswaffen werden manuell nachgeladen. 

Revolver im Anschlag

Nettes Detail: Dynamitstangen zündet der Marshall lässig mit seiner Zigarre an. Quelle: PC Games Nettes Detail: Dynamitstangen zündet der Marshall lässig mit seiner Zigarre an. Outlaws besteht zu weiten Teilen aus puren Schießereien. Revolver, Gewehre, Schrotflinten und Dynamitstangen, die Anderson cool an seiner Zigarre entzündet - damit ist die Waffenauswahl zwar stilecht, aber selbst für ein Western-Spiel ziemlich dünn geraten. Immerhin: Dank eines Zielfernrohrs, das sich auf die Repetierbüchse montieren lässt, gehört Outlaws zu den ersten Shootern überhaupt, die ein ordentliches Sniper-Gewehr boten. Am coolsten ist aber der Trommelrevolver, Andersons Standardknarre: Der bietet per Rechtsklick einen zweiten Feuermodus, bei dem Anderson den Hahn in hohem Tempo zurückschlägt und so blitzschnell bis zu sechs Schuss nacheinander rausjagt. Für die damalige Zeit noch ungewohnt: Alle Waffen müssen manuell nachgeladen werden. Allerdings verzichtet Lucas Arts dankenswerterweise auf allzu zähe Nachladeanimationen, die Wummen sind binnen Sekunden wieder einsatzbereit.

Don't be a fool, Marshal!

Das müssen sie auch, denn die Levels sind vollgestopft mit völlig hirnlosen, aber zumindest scharf schießenden Pixel-Gaunern. Auf den höheren Schwierigkeitsgraden kann man da kaum einen Schritt machen, ohne dass einem die Kugeln um die Ohren fliegen. Die Action wird stets von Sprüchen der Gegner begleitet, die sich so oft wiederholen, dass sie uns selbst nach 23 Jahren im Gedächtnis geblieben sind. "Don't be a fool, Marshal!" oder "Where aaaare you, Marshal?" sind Sätze, bei denen Outlaws-Spieler instinktiv nach ihrem Patronengurt tasten. So schön sich die Western-Schießereien aber auch anfühlen, bleiben sie doch ziemlich eintönig. Das liegt neben den Waffen vor allem an den wenigen Gegnertypen, da Anderson bis zum Schluss immer nur die gleichen Gaunersorten über den Haufen schießt. Die sind natürlich dem Setting geschuldet, denn tierische oder übernatürliche Feinde hätten kaum zum Wilden Westen gepasst, doch nach einer paar Levels hat man dadurch eben alle Gegnertypen gesehen.
Als Outlaws erschien, waren 3D-Beschleunigerkarten bereits auf dem Vormarsch. Spiele wie Quake 2, Turok und Jedi Knight erschienen im gleichen Jahr und zeigten, was technisch möglich war. Quelle: PC Games Als Outlaws erschien, waren 3D-Beschleunigerkarten bereits auf dem Vormarsch. Spiele wie Quake 2, Turok und Jedi Knight erschienen im gleichen Jahr und zeigten, was technisch möglich war.

Planlos im Wilden Westen

Neun unterschiedliche Levels gleichen diesen Schnitzer zumindest ein wenig aus: Anderson kämpft sich durch Siedlungen voll von Saloons und begehbaren Häusern, durch Minen, Schluchten und Canyons. Ein Abschnitt spielt sogar auf einem fahrenden Zug, ziemlich wild für die 90er! Die meisten Levels waren allerdings unnötig komplex und verschachtelt aufgebaut: Unauffällige Schalter, winzige Geheimgänge und verschlossene Türen allerorten machen dem Spieler das Leben schwer. Speziell in den letzten Missionen ist es keine Schande, auch mal in die Komplettlösung zu schauen. Ähnlich komplexe Levels sollten sich auch in einem späteren Lucas-Arts-Shooter wiederfinden, nämlich in Star Wars: Jedi Knight - Mysteries of the Sith. Kein Wunder, schließlich hatten gleich mehrere Leute aus dem Outlaws-Team auch hier ihre Finger im Spiel.
Wer es ohne Lösungshilfe durch den Minenlevel schafft, darf sich auf die Schulter klopfen. Du kannst was! Quelle: PC Games Wer es ohne Lösungshilfe durch den Minenlevel schafft, darf sich auf die Schulter klopfen. Du kannst was!

Als 2D so richtig out war

Arme Kuh! Sie besteht wie alle Tiere und Gegner nur aus einer flachen, grobpixeligen 2D-Grafik. Quelle: PC Games Arme Kuh! Sie besteht wie alle Tiere und Gegner nur aus einer flachen, grobpixeligen 2D-Grafik. Stichwort Jedi Knight: Auch die Engine von Outlaws basiert auf dem ersten (indizierten) Teil der Star-Wars-Shooter-Reihe. Der erschien allerdings schon 1995, also zu einer Zeit, in der 3D-Grafik von Jahr zu Jahr regelrechte Quantensprünge machte. Das sah man Outlaws leider schmerzlich an: Bei seinem Release im Frühling 1997 war die Western-Gaudi technisch dermaßen veraltet, dass viele Spieler das Weite suchten. Zwar spielt sich Outlaws dank frei belegbarer Steuerung und bequemer Rundumsicht selbst heute noch ganz ordentlich, doch die Grafik verdient ihren schlechten Ruf: Ob Gegner, Bäume oder die bemitleidenswerten Pferde, alle Figuren und Zierelemente werden als flache, arg pixelige 2D-Objekte dargestellt. Dagegen sah selbst Duke Nukem 3D wie ein Ölgemälde aus. Da in Outlaws auch keinerlei Perspektivenkorrektur zum Einsatz kommt, wirkt das Bild merkwürdig verzerrt, sobald man mit der Maus nach oben oder unten blickt.

Die Konkurrenz war da schon deutlich weiter: Bereits im Jahr zuvor hatte id Software mit Quake demonstriert, wie moderne Shooter in vollständiger 3D-Grafik aussehen müssen. Ironischerweise zog Lucas Arts noch im gleichen Jahr nach: Ein paar Monate nach Outlaws veröffentlichte das Studio mit Star Wars: Jedi Knight einen Kassenschlager, der auch grafisch voll auf der Höhe der Zeit war. Von der Westernballerei wollte spätestens da kaum noch jemand etwas wissen.

Die Musik? Volltreffer!

Auch wenn es Outlaws an Grafikpo­wer fehlte, bleibt die Atmosphäre des Spiels unvergessen. Das verdankt es in erster Linie seinem starken Soundtrack aus der Feder von Clint Bajakian, der damals mit Kollegen wie Michael Land und Peter McConnell zu Lucas Arts' Haus-und-Hofkomponisten gehörte. Bajakian setzte auf einen voll orchestrierten Score mit echten Instrumenten, was zu dieser Zeit noch eine Seltenheit war. Toller Bonus: Die flotten, teils wunderbar kitschigen Western-Melodien ließen sich auch im CD-Player anhören, wenn man die Spiel-Disc einlegte.

Outlaws war nicht perfekt, das kann auch die tolle Musik nicht retten. Doch es setzte ein deutliches Zeichen, dass das Shooter-Genre zu weit mehr fähig war, als immerzu nur Monsterschlachtplatten in düsteren SciFi-Welten zu inszenieren. Dass der Wilde Westen sich als faszinierender Schauplatz für ein Videospiel eignet, war damit auch endlich geklärt - und zwar lange vor Meisterwerken wie Red Dead Redemption 2.

Wer Outlaws nicht kennt oder es einfach noch mal erleben möchte: Auf GOG.com und Steam ist der Retro-Klassiker seit ein paar Jahren wieder erhältlich, der Preis liegt bei fünf Euro.

Fazit zu Outlaws

Meinung

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