Gruselei der anderen Art: Die Blackwell-Macher servieren ein düsteres, erwachsenes Mystery-Adventure in charmanter Retro-Optik. Gute Ideen, sauber gezeichnete Charaktere und ein paar knifflige Entscheidungen lassen verschmerzen, dass Rätseldesign und Spieltiefe auf Sparflamme kochen.
Auf dieser Seite
- 1 Unavowed im Test: Von allen bösen Geistern verlassen... hoffentlich!
- 2 Unavowed im Test: Handlung im Häppchenformat
- 3 Unavowed im Test: Vier Freunde müssen mit
- 4 Unavowed im Test: Entscheidungen vs. anspruchsvolle Rätsel
- 5 Unavowed im Test: Retro-Stil mit toller Atmosphäre
- 6 Unavowed im Test: Wertung und Fazit
Egal ob mit Axt, Schwert, Bogen oder Magie: Als furchtlose Dämonenjäger haben wir uns schon durch zahllose Spiele gekämpft. Umso schöner, dass Unavowed da ein anderes Konzept verfolgt und sich im Test verhältnismäßig frisch präsentiert: Hier schlüpfen wir nämlich zur Abwechslung mal selbst in die Rolle eines tragischen Heldens, der von einem Dämon besessen ist! Allerdings hält der Zustand nicht lang: Schon in den ersten Minuten des Point-and-Click-Adventures erleben wir, wie uns zwei mysteriöse Gestalten überrumpeln und uns den ungebetenen Gast wieder austreiben. Doch damit fängt unser Ärger gerade erst an: Fast ein Jahr lang hat der Dämon unseren Körper kontrolliert und in der Zeit allerlei Unheil in New York angerichtet! Darum müssen wir nun die Spur unseres bösen Bewohners zurückverfolgen und die Schäden so gut es geht reparieren - der Startschuss für einen stimmungsvollen Mystery-Thriller.
Unavowed im Test: Von allen bösen Geistern verlassen... hoffentlich!
Kurzerhand schließen wir uns unseren zwei Rettern an, die sich als noble Mitglieder der Unavowed entpuppen - eine übersinnliche Eingreiftruppe, die aus dem Verborgenen agiert. Als wahlweise männlicher oder weiblicher Frischling im Team stellen wir uns mehreren Fällen, die zwar als abgeschlossene Kurzgeschichten präsentiert werden, aber alle durch einen roten Faden miteinander verbunden sind. Ein cleverer Trick der Autoren, denn dadurch bringen sie Abwechslung in den Spielalltag und müssen sich nicht zu lange an einem Schauplatz aufhalten. So fühlt sich Unavowed schon fast wie eine kleine TV-Serie an. Selbst die Reihenfolge der Missionen bestimmen wir zum Teil selbst. Am Ende laufen aber alle Fäden wieder zusammen und Unavowed mündet in einer von vier möglichen Endsequenzen.
Unavowed im Test: Handlung im Häppchenformat
Jeder Fall stellt uns vor interessante, meist tragische Aufgaben, in denen es zwar düster und blutig zugeht, aber auch der Humor nicht zu kurz kommt. In einer Mission erkunden wir beispielsweise ein verwunschenes Haus, in dem uns ein Geist fröhliche Nachrichten an Spiegeln und Fenstern hinterlässt. Oder wir untersuchen einen Mordfall, der in einer Begegnung mit einem riesigem Drachen endet. Und wir lernen Obdachlose kennen, die von unserem dämonischen Ich in einen blutigen Opferkult getrieben wurden. Egal wo wir uns gerade rumtreiben: Jeder Fall ist ordentlich geschrieben und mit interessanten Charakteren besetzt, auch wenn man sie aufgrund der Kürze der einzelnen Geschichten nie sonderlich gut kennenlernt.
Quelle: Wadjet Eye Games
Unavowed im Test - Review des Mystery-Adventures
Unavowed im Test: Vier Freunde müssen mit
Eine Spezialität von Unavowed sind unsere Begleiter: Im Spielverlauf treffen wir auf vier verschiedene Sidekicks, von denen wir jeweils zwei auf eine Mission mitnehmen dürfen. Die Kollegen lockern das Geschehen mit Kommentaren und kleinen Dialogen auf, ein Plus für die Atmosphäre. Außerdem hat jeder Begleiter spezielle Fähigkeiten. Die Dschinni-Frau Mandana kann beispielsweise mit ihrem Schwert Hindernisse überwinden und in Gesprächen Lügen enttarnen. Der sanftmütige Logan ist dagegen als einziger Charakter in der Lage, mit den Toten zu sprechen, außerdem wird er ständig von einem Geistermädchen begleitet, die in einem Fall eine wichtige Rolle spielt. Obwohl man die Wahl der Begleiter während einer Mission nicht ändern kann, muss man sich keine Sorgen machen: In Unavowed gibt es keine Sackgassen, ganz egal welche Begleiter man mitgenommen oder zuhause gelassen hat!
Unavowed im Test: Entscheidungen vs. anspruchsvolle Rätsel
Während Story-Freunde auf ihre Kosten kommen, müssen passionierte Rätselknacker ihre Erwartungen runterschrauben. So gibt es zwar herkömmliche Knobeleien, für die wir Items sammeln und kombinieren oder Codes in Erfahrung bringen müssen, doch der Großteil davon fällt sehr leicht aus. Selbst das Untersuchen von Hotspots ist bewusst simpel gehalten: Anstatt Umgebungsdetails anklicken zu müssen, genügt es in Unavowed bereits, mit dem Cursor darüberzufahren, um eine kurze Beschreibung des Hotspots zu erhalten. Und kommt man doch mal nicht weiter, haben unsere Begleiter auf Wunsch nützliche Tipps parat.
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Anstelle knackiger Rätsel setzt Unavowed lieber auf Entscheidungen: In manchen Situationen dürfen wir das Schicksal wichtiger Nebencharaktere bestimmen. Beispielsweise können wir einen geschwächten Dämonen einfach ins Jenseits befördern - oder ihm stattdessen erlauben, sich ans Leichen sattzuessen, um so gestärkt den Rückweg in seine eigene Dimension anzutreten. Dadurch ändert sich zwar nicht der Handlungsverlauf, aber immerhin gibt's beim Spielende eine Art Abrechnung, die uns unsere Taten noch einmal vor Augen führt. Das alles macht Unavowed natürlich nicht zum Rollenspiel, doch trotzdem regen die Entscheidungen zum Nachdenken an.
Unavowed im Test: Retro-Stil mit toller Atmosphäre
Grafisch bleibt Unavowed dem typischen Retro-Stil von Wadjet Eye Games treu. Im Vergleich zu ihren früheren Adventures setzen die Entwickler diesmal allerdings auf eine doppelt so hohe Auflösung. Dadurch wirkt der pixelige Look deutlich detailreicher als beispielsweise in der Blackwell-Serie oder Shiva, die vom gleichen Team stammen. Fast alle Locations erkundet man bei Nacht und in strömendem Regen, dadurch zieht sich eine bedrückende Stimmung durch sämtliche Fälle. Auch die überwiegend gute englische Sprachausgabe kann sich hören lassen und trägt zur Atmosphäre bei. Aber Vorsicht: Es gibt keine deutschen Untertitel, das Spiel ist komplett in Englisch gehalten!
Quelle: Wadjet Eye Games
Unavowed im Test - Review des Mystery-Adventures
Es gibt allerdings auch Momente, in denen Technik und Stil von Unavowed unpassend gehen, nämlich in den "Kampfszenen". Keine Sorge, ihr müsst nicht von Hand gegen Dämonen und Geister kämpfen, all diese Szenen werden genauso wie jede andere Aufgabe in Rätselform gemeistert! Trotzdem will Unavowed in diesen Momenten für Spannung und Dramatik sorgen, was angesichts der groben Animationen und altmodischen Effekte aber zuviel verlangt ist.
Unavowed ist für 15 Euro auf Steam erhältlich. Der offizielle Soundtrack kostet 2,40 Euro.
Metacritic bewertet das Spiel mit 86%.
