The Outer Worlds - Preview: Fallout im Weltall

Special Felix Schütz
The Outer Worlds - Preview: Fallout im Weltall
Quelle: PC Games

Obsidian bricht zu den Sternen auf, bleibt spielerisch aber auf vertrautem Terrain: The Outer Worlds bedient sich großzügig bei Fallout: New Vegas, garniert das Sci-Fi-Rollenspiel aber mit jeder Menge Humor. Ob das Spaß macht, konnten wir kürzlich selbst rausfinden: Alle Infos und ein großes Preview-Video in 4K gibt's in unserer Hands-on-Vorschau!

Für jedes Teammitglied gibt es auch eigene Quests, in denen ihr sie besser kennenlernt und die Beziehung zu ihnen vertieft. Erwartet hier allerdings kein Mass Effect oder Dragon Age: Romanzen und Sex spielen in The Outer Worlds nämlich keine Rolle - sowas hätte laut Obsidian einfach zuviele Ressourcen verschlungen. Die Entwickler wollen sich stattdessen lieber aufs Wesentliche konzentrieren und ihre ganzen Stärken als Geschichtenerzähler ausspielen.

Lügen, feilschen, drohen

Typisch Obsidian: Die Charaktere sind interessant, die Dialoge witzig geschrieben und voller Möglichkeiten. Quelle: PC Games Typisch Obsidian: Die Charaktere sind interessant, die Dialoge witzig geschrieben und voller Möglichkeiten.

Das merke ich spätestens, als ich Fallbrook erkunde, ein kleines, stimmungsvoll designtes Dörfchen voller Bars und Shops, in denen ich viele NPCs anquatschen kann. Obsidians Handschrift ist hier nicht zu übersehen: Die flott geschriebenen Dialoge mit den schrulligen Charakteren machen einfach Spaß, auch weil es praktisch immer mehrere Antwortmöglichkeiten gibt, von nett und verschlagen bis hin zu gemein und aggressiv. Schön: Auch Attribute und Perks kommen hier zum Einsatz und ermöglichen weitere Dialogoptionen. Dadurch habe ich oft mehrere Möglichkeiten, um ein Problem zu lösen - man kann sein Gegenüber beispielsweise um den Finger wickeln, bedrohen, bestechen, überlisten oder einfach mal dreist anlügen.

Deutsche Sprachausgabe gibt's leider nicht, die Charaktere wurden ausschließlich auf Englisch vertont. Die Sprecher machen aber zumindest in meiner Spielzeit einen prima Job und auch die deutschen Untertitel scheinen den Humor des Originals gut einzufangen. Eure Hauptfigur ist allerdings nicht vertont! Das dürfte vielleicht nicht jedermanns Sache sein, mir persönlich gefällt die Entscheidung aber gut - schon allein weil die Dialoge dadurch viel mehr an Fallout 3, Fallout: New Vegas oder Vampire: The Masquerade Bloodlines erinnern, die ich allesamt deutlich fand als das vollvertonte Fallout 4. Aber das ist natürlich auch eine Geschmacksfrage - mein Kollege Matthias sieht das zum Beispiel in seiner E3-Vorschau zu The Outer Worlds anders.
Auf Monarch treffen wir jede Menge riesige, gefräßige Aliens. Freundliche Exemplare gibt's dafür nicht. Quelle: PC Games Auf Monarch treffen wir jede Menge riesige, gefräßige Aliens. Freundliche Exemplare gibt's dafür nicht.

Charakterbau ohne Überraschungen

Ein Blick in den Charakterbogen zeigt: Das Charaktersystem von The Outer Worlds ist ziemlich simpel gehalten und konzentriert sich auf eine Handvoll Basisattribute, darunter beispielsweise Stärke, Intelligenz oder Charisma. Dazu gibt es auch passive Fertigkeiten, die ihr bei jedem Levelaufstieg steigern könnt. Diese unterteilen sich in sieben Kategorien und umfassen mehrere Untertalente, darunter beispielsweise Schusswaffenexpertise, Ausweichchance, Schleichen, Schlossknacken, Heilung und so weiter. Habt ihr eine Talentgruppe erst mal auf Rang 50 hochgelevelt, könnt ihr die spezialisierten Fertigkeiten anschließend auch einzeln steigern und euren Charakter so noch stärker auf eure Spielweise zuschneiden.
Fertigkeiten müssen wir zunächst als Gruppe hochleveln, erst später dürfen wir einzelne Fertigkeiten steigern. Quelle: PC Games Fertigkeiten müssen wir zunächst als Gruppe hochleveln, erst später dürfen wir einzelne Fertigkeiten steigern.

Hinzu kommen noch die sogenannten Vorteile, die an die Perks aus Fallout erinnern und ziemlich starke passive Boni umfassen, beispielsweise eine deutlich höhere Kritische-Treffer-Chance für Begleiter, ein höherer Rüstungswert, ein Bonus auf Schwachstellentreffer oder bessere Händlerpreise. Damit ihr nicht zu stark werdet, dürft ihr nur auf jeder zweiten Levelstufe einen Vorteil freischalten. Wem das nicht reicht, kann sich noch mehr Vorteilspunkte auf anderem Wege verdienen: Wenn ihr beispielsweise besonders oft gegen einen Gegnertyp bestimmten kämpft, eine bestimmte Sorte Schaden erleidet oder etwas anderes häufiger schiefgeht, bietet euch The Outer Worlds manchmal an, einen Nachteil in Kauf zu nehmen! So wurde ich plötzlich nach einem Kampf gefragt, ob ich eine Schwäche gegen Plasmaschaden akzeptieren will - als Ausgleich habe ich dafür einen Vorteilspunkt bekommen, mit dem ich einen neuen Perk freischalten kann. Wie oft sowas passieren kann, ist übrigens vom gewählten Schwierigkeitsgrad abhängig - auf der höchsten Stufe könnt ihr zwar mehr Vorteile verdienen, müsst dafür aber auch Dinge wie Schlaf, Hunger und Durst berücksichtigen, also vergleichbar mit dem Hardcore-Modus aus Fallout: New Vegas.
Die Kämpfe erinnern an klassische Ego-Shooter. Quelle: PC Games Die Kämpfe erinnern an klassische Ego-Shooter.

Keine Minispiele

Besiegte Gegner dürfen wir wie in Fallout looten.  Quelle: PC Games Besiegte Gegner dürfen wir wie in Fallout looten.  Und auch das dürfte Fallout-Fans bekannt vorkommen: Die Levels sind vollgestopft mit Containern und Kisten, in denen man jede Menge Währung, Handwerksmaterial und Verbrauchsgegenstände looten darf. Manche Behälter und Türen sind natürlich verschlossen - doch anders als in Fallout oder Kingdom Come: Deliverance kommen weder beim Schlösser knacken noch beim Hacken von Computerterminals irgendwelche Minispiele zum Einsatz. Es genügt also, die erforderlichen Skills einfach hoch genug zu leveln.

Cool: Schon relativ früh im Spielverlauf erhaltet ihr euer eigenes Raumschiff, das dann so etwas wie eure Heimatbasis darstellt, hier könnt ihr mit euren Begleitern oder eurem (witzigen!) Schiffscomputer quatschen oder an eurer Ausrüstung rumschrauben. Es wird aber nicht möglich sein, das Schiff selbst zu steuern (Fahrzeuge sind grundsätzlich nicht geplant!) und auch Baller-Minispiele wie in Knights of the Old Republic wird es nicht geben. Auch hier gilt: Obsidian will einfach keine Ressourcen auf halbgare Features verschwenden, sondern sich auf den Kern der Spielerfahrung konzentrieren.

Die Grafik: Hübsch veraltet

Dass uns mit The Outer Worlds nicht direkt ein Grafikwunder bevorsteht, war schon seit der Ankündigung klar. Wer sich selbst ein Bild machen will, schaut sich mein Vorschau-Video in diesem Artikel an, das unverfälschtes PC-Gameplay in 4K-Auflösung zeigt. Darin seht ihr: Der Stil ist farbenfroh und - zumindest meiner Meinung nach auch ziemlich stimmungsvoll, aber er ist eben auch nichts Besonderes. Technisch ist man im Genre außerdem schon lange weiter: Zwar bieten die Charaktere eine ganz ordentliche Mimik, doch der Rest der Grafik - von den Waffeneffekten über die schlichte Landschaftsdarstellung bis hin zu den Animationen - wirkt schon jetzt ein wenig angestaubt.

Mir persönlich ist das aber ziemlich egal, solange die inneren Werte des Rollenspiels stimmen: Beim Anspielen haben mir vor allem die schrulligen Charaktere, die stark geschriebenen Dialoge und die Entscheidungsfreiheit gefallen, außerdem verspricht das abgewetzte Sci-Fi-Setting jede Menge Humor. Wenn beim Release im Herbst keine groben Bugs im Weg stehen (was ich bei Obsidian-Spielen leider nicht ausschließen würde), könnte The Outer Worlds also ein ausgesprochen launiger und motivierender Weltall-Trip werden, zwar nicht bahnbrechend, aber für Solo-Rollenspieler und New-Vegas-Fans womöglich genau das Richtige.

The Outer Worlds erscheint am 25. Oktober für PC, PS4 und Xbox One und zu einem späteren Termin auch für die Switch. PC-Käufer müssen das Rollenspiel anfangs über den Epic Games Store oder Microsoft Store beziehen, auf Steam erscheint es nämlich erst mit einem Jahr Verspätung.

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