Vampire: The Masquerade - Bloodlines - Rückblick mit Video: So gut war das Blutsauger-Rollenspiel!
Special
Schon fünfzehn Jahre alt und einfach nicht totzukriegen: Dank seiner Community ist Bloodlines immer noch ein Pflichttitel für Rollenspieler. In unserem Retro-Special blicken wir zurück auf großartige Quests, finstere Atmosphäre und jede Menge Bugs!
Auf dieser Seite
Kinder der Nacht, wie die Zeit vergeht! Schon in diesem November wird Vampire: The Masquerade - Bloodlines (jetzt kaufen 51,93 € ) seinen fünfzehnten Geburtstag feiern. Ein stolzes Alter für ein Rollenspiel, das auch heute noch von vielen Fans gespielt und mit selbst erstellten Patches gepflegt wird! Seinen Kultstatus hat sich Bloodlines aber auch redlich verdient - immerhin finden Vampir-Fans selbst nach so vielen Jahren kaum etwas Besseres auf dem Markt. Grund genug für uns, das atmosphärische Blutsauger-Abenteuer noch einmal zu installieren und ins nächtliche L.A. abzutauchen.
Hinweis: Dieser Artikel erschien bereits 2014 zum zehnjährigen Jubiläum von Vampire: The Masquerade - Bloodlines. Da in Kürze höchstwahrscheinlich ein neues Spiel im Vampire-Universum enthüllt wird, haben wir unser Retro-Special nochmals überarbeitet, mit schöneren Screenshots versehen und als erweiterte Fassung neu veröffentlicht. Zusätzlich zeigen wir hier unseren Video-Rückblick, der ebenfalls 2014 entstanden ist. Bis auf die Zeitangaben und die Versionsnummer des Fan-Patches ist der Beitrag inhaltlich nach wie vor korrekt und heute genauso aktuell wie vor fünf Jahren.
Amerikanischer Albtraum
Quelle: PC Games
In den großartigen Dialogen spielen wir unsere Stärken aus, sofern wir die nötigen Skills gelernt haben.
Bloodlines ist nach Redemption schon das zweite PC-Rollenspiel, das auf der Tabletop-Lizenz Vampire: The Masquerade basiert und im World of Darkness-Universum angesiedelt ist. Spielerisch geht es aber in eine etwas andere Richtung als sein Vorgänger: Anstelle eines eher klassischen Party-Rollenspiels erwartet uns hier ein storylastiges Solo-Abenteuer, das wir wahlweise aus der Ego- oder Verfolgeransicht erleben. Vampire: Bloodlines entführt uns in ein düsteres, atmosphärisch umgesetztes Los Angeles und lässt uns in die Rolle eines frischgebackenen Vampirs schlüpfen.
Haben wir uns erst mal mit dem Blutsaugerdasein angefreundet, lernen wir die zwielichtige Vampirgesellschaft der Stadt kennen und erleben eine wendungsreiche, bitterböse Story, die wir immer wieder durch unsere Entscheidungen beeinflussen. Rollenspieler kommen schon bei der Charaktererstellung auf ihre Kosten: Zu Beginn suchen wir uns einen von mehreren Vampirclans aus, was sich stark auf das Spielerlebnis auswirkt. Blutsauger der Tremere sind beispielsweise als Magier bekannt und werden darum oft misstrauisch von anderen Vampiren beäugt. Malkavianer hingegen sind von Natur aus ziemlich irre - wer diesen Clan wählt, darf sich auf urkomische Dialoge freuen, in denen man sich auch mal ausgiebig mit einem Fernseher oder einem Straßenschild unterhalten kann. Sehr zu empfehlen!
Auf blanke Ablehnung stoßen dafür die Nosferatu, denn die wurden durch den Vampirfluch so grässlich entstellt, dass sie sich nicht mehr auf offener Straße zeigen können - sonst riskieren sie, die wichtige Tarnung der Vampirgesellschaft auffliegen zu lassen. Diese sogenannte Maskerade muss jeder Vampir aufrechterhalten, sonst rücken uns die Ordnungshüter oder schlimmstenfalls sogar Vampirjäger auf den Hals!
Quelle: PC Games
Die finsteren Straßen von L.A. bieten zwar keine große Spielwelt, aber massenhaft Quests und Geheimnisse.
Als hübscher Vampir des Toreador-Clans nutzen wir dagegen unsere hohen Charismawerte, um NPCs zu beeinflussen, so lösen wir viele Probleme einfach gekonnt im Dialog. Außerdem können wir durch Manipulation und Verführung bestimmte Charaktere so um den Finger wickeln, dass wir gefahrlos von ihnen Blut trinken können - und das müssen wir häufig, immerhin ist der rote Lebenssaft unsere einzige Energiequelle im Spiel.
Vielseitige Spielweisen
Quelle: PC Games
Wenn wir entsprechend geskillt sind, können wir auch schleichend vorgehen und Schlösser knacken.
Unsere Fähigkeiten bauen wir Stück für Stück in einem durchdachten Talentesystem aus. Upgrade-Punkte gibt's nicht für besiegte Gegner, sondern nur für gelöste Quests, darum müssen wir uns genau überlegen, welche Fähigkeiten wir lernen und verbessern wollen. Neben verschiedenen Vampirzaubern wie Schnelligkeit und Unsichtbarkeit können wir auch ganz praktische Dinge lernen, beispielsweise Computer hacken oder Schlösser knacken. Viele Levels in Bloodlines sind nämlich so gestaltet, dass wir alternative Pfade nutzen und auch mal lautlos und schleichend vorgehen können. Deus Ex lässt schön grüßen!
Natürlich können wir unsere Gegner auch einfach windelweich prügeln, sofern wir uns nicht an den hölzernen, ungenauen Nahkämpfen und der dämlichen Gegner-KI stören: Das Kampfsystem ist Entwickler Troika gründlich misslungen, zweifellos einer der größten Schwachpunkte des Spiels. Ähnlich verhält es sich beim Einsatz von Schusswaffen: Vampire: Bloodlines sieht zwar aus wie ein Ego-Shooter, spielt sich aber arg unpräzise, da Trefferchance und Durchschlagskraft nicht nur von der Waffe, sondern auch von unseren Talenten abhängen. Oft hat man das Gefühl, ins Leere zu ballern, von Wucht und Durchschlagskraft ist wenig zu spüren. Immerhin: Haben wir die Kampftalente unseres Charakters ein wenig ausgebaut, fühlen sich die Gefechte zumindest ein bisschen druckvoller an.
Quelle: PC Games
Viele Situationen lassen sich ohne Gewalt lösen. Ein Glück! Die Schießereien fühlen sich nämlich ziemlich schwammig an.
Abwechslungsreiche Quests
Quelle: PC Games
Wo die Polizei anrückt, ist ein Tatort nicht weit - dort wartet die nächste Quest auf uns.
Zum Glück hat Bloodlines aber weit mehr zu bieten als nur holprige Kämpfe: In den Levels stecken so viele Geschichten, Geheimnisse, Entscheidungen und bitterböse Gags, dass man damit locker 30 Stunden und mehr zubringen kann. Die Quests sind hübsch verschachtelt und bieten oft mehrere Lösungswege. Da müssen wir beispielsweise eine unheimliche Villa erkunden und uns vor einem Poltergeist in Acht nehmen, während wir Schritt für Schritt ein Verbrechen aufklären - ein toller Gruselabschnitt ganz ohne Kämpfe. An anderer Stelle hacken wir uns in die Datenbank einer Klinik, um so wichtige Informationen aus den Patientenakten zu stehlen. Und dann jagen wir wieder eine böse Vampirdame, die ihre Opfer mit einer tödlichen Krankheit infiziert. Bei so viel Abwechslung kommt nie Langeweile auf!
15 Jahre später: Ein Leben nach der Bug-Katastrophe
Vampire: Bloodlines erschien im November 2004, zeitgleich mit Valves Kult-Shooter Half-Life 2. Neben dem Termin teilen sich die Spiele auch die Source-Engine als Grafikmotor. Die sorgte nicht nur für hübsche Beleuchtung und nette Physik-Spielereien, sondern begeisterte damals vor allem mit toll animierten Charakteren, die eine lebensechte Mimik draufhatten. Zusammen mit den fabelhaft geschriebenen Dialogen und den guten Sprechern sorgt das auch heute noch für eine dichte Atmosphäre, obwohl die Grafik schon längst in die Jahre gekommen ist.
Die brandneue Source Engine bereitete den Entwicklern aber auch Kopfzerbrechen: Vampire: Bloodlines war zum Release brutal verbuggt und verkaufte sich auch darum nur schleppend. Die bittere Folge: Entwickler Troika Games sah sich schon kurz nach Release gezwungen, seine Pforten zu schließen.
Darum machten sich einige treue Fans daran, die gröbsten Fehler eigenhändig zu beseitigen und das Spiel mit Community-Patches auf Vordermann zu bringen. Mittlerweile hat Bloodlines schon die Versionsnummer 10.3 erreicht! Dadurch wurden nicht nur zig alte Fehler behoben, sondern auch neue Inhalte ins Spiel eingebaut, die noch im Programmcode verborgen lagen. Patch für Patch, Jahr für Jahr wurde Bloodlines so zu einem runderen, besseren Spiel, das auch heute noch eine echte Empfehlung ist - trotz seines hohen Alters!
Bildergalerie
Vampire und Paradox: Kommt endlich ein Bloodlines 2?
Auf eine Fortsetzung durften sich die Fans allerdings für lange, lange Zeit keinerlei Hoffnungen machen: Die Pen-and-Paper-Vorlage The Masquerade wird 2004 zugunsten einer anderen Rollenspielreihe (Vampire: Requiem) eingestellt. Zwei Jahre später wird der White-Wolf-Verlag, der für die Vampire-Spiele verantwortlich zeichnete, vom MMO-Entwickler CCP Games gekauft. CCP arbeitet danach jahrelang an dem Online-Rollenspiel World of Darkness, das in eine ähnliche Kerbe wie Bloodlines schlagen sollte. Am 14. April 2014 verkündet CCP jedoch, dass man das vielversprechende Projekt eingestellt habe. Nach dieser Enttäuschung schöpfen einige Vampire-Fans aber auch wieder neuen Mut, denn schließlich ist nun wieder der Weg frei für ein neues Singleplayer-Rollenspiel.
Ein Jahr später dann der nächste Hoffnungsschimmer: Paradox handelt einen Deal mit CCP aus und kauft White Wolf sowie das World of Darkness-Universum, inklusive der Vampire: The Masquerade-Lizenz. Obwohl Paradox bislang vor allem für seine komplexen Strategiespiele bekannt ist, scheint es, als würde das schwedische Studio tatsächlich zu neuen Genre-Ufern aufbrechen wollen: Erste Artworks deuten eine Rückkehr in das Vampire-Universum an, zuvor heizte bereits eine mysteriöse Dating-App entsprechende Gerüchte an. Am 21. März 2019 soll das noch unangekündigte Spiel während der GDC 2019 in San Francisco enthüllt werden. Ein Remake von Bloodlines? Oder ein Vampire: The Masquerade 3? In Kürze wissen wir mehr!
Lust auf die Vorgänger bekommen? Hier gibt's beide Vampire-Rollenspiele (Affiliate Links):
- Vampire: The Masquerade - Redemption - Für 5,29 Euro auf GOG
- Vampire: The Masquerade - Bloodlines - Für 17,69 Euro auf GOG
Meinung
Habt ihr Vampire: Bloodlines gespielt oder haben euch die vielen Bugs damals abgeschreckt?
