The Invincible im Test: Diese 10 Stunden kriege ich nie wieder
Test
Das Sci-Fi-Abenteuer The Invincible lockt mit einem unerforschten Planeten, einem einzigartigen Atompunk-Look und einer Menge Entscheidungsfreiheit. Ob diese ganzen Sachen auch gut umgesetzt wurden, erfahrt ihr bei uns im Test.
Am Boden der Schlucht angelangt, kommt eine weitere Mechanik der Marke "Wie gestaltet man mundane Dinge so nervig wie möglich" ins Spiel. Ich stehe nicht mehr mit beiden Beinen im Leben, sondern liege einfach da, was nach so einem Sturz wohl verständlich ist. Um mich aufzuraffen, betätige ich eine Taste zum Bewegen. Im Spiel richte ich mich in einer wesentlich zu langen Animation auf. Ich betätige die Taste erneut, ich richte mich etwas weiter auf. Das Ganze mache ich dreimal, bis ich endlich weiterspielen darf. Und leider ist diese Stelle nicht die einzige im Spiel, in der ich diese Farce mitmachen muss und 30 Sekunden lang einfach auf meinen Bildschirm starre, während eigentlich nichts passiert.
Meine Crewmitglieder habe ich mittlerweile zwar erfolgreich aufgespürt, damit ist die Gefahr aber noch nicht vorbei. Schließlich gibt es noch das Problem mit der Besatzung der Invincible, die allem Anschein nach bereits auf Regis 3 angekommen ist.
Eine ganze Menge leere Luft
Da so langsam das Stockholm-Syndrom einsetzt, entscheide ich mich dafür, ihrer Basis einen Besuch abzustatten. Dort sind natürlich alle tot und das vermutlich schon sehr lange. Also verbringe ich den Rest - und den größten Teil - des Spiels damit, herauszufinden, was hier genau passiert ist.
Quelle: 11 bit studios
Leider wird das Spiel ab dieser Stelle auch nicht besser. Ich mache genau das gleiche wie zuvor, es kommen einfach noch mehr sehr irritierende Designentscheidungen dazu. In The Invincible interagiere ich mit den meisten Dingen per Linksklick. Damit öffne ich Autotüren, betätige Knöpfe und so weiter.
An manchen Stellen wollten die Entwickler ihre Designmuskeln zeigen und lassen mich die Maustaste gedrückt halten und danach die D-Taste betätigen, um etwa einen Schlüssel umzudrehen. In Bezug auf die ausgeführte Bewegung ergibt das auch durchaus Sinn. An anderer Stelle, wenn ich die gleiche Sequenz mit einer Art Hebel durchführe, drücke ich zweimal die linke Maustaste.
Es ist die genau gleiche Abfolge, das genau gleiche System hinter meinen Handlungen, aber aus irgendwelchen Gründen unterscheidet sich die Steuerung.
Diese kleinen Details haben mich fast schon in den Wahnsinn getrieben, als ich die Welt von The Invincible durchquerte. Leider schafft es dann auch die Geschichte nicht, das rudimentäre und äußerst langweilige Gameplay von The Invincible zu verbessern. Es ist einfach nicht sonderlich interessant, was da auf Regis 3 so vor sich geht.
Es gibt zwar einen "Plottwist", der ist aber weniger Twist, sondern eher eine natürliche Fortsetzung der Handlung. Es ließe sich mehr als Plottwist bezeichnen, wenn dieser gar nicht im Spiel wäre. Die Story des Spiels wirft aber eigentlich ein paar ziemlich interessante Punkte auf. So scheint unser Missionsleiter etwa mehr zu wissen, als er zugibt und wird vom Spiel fast wie ein Antagonist aufgebaut.
Das wurde dann aber schlichtweg nicht weiter behandelt, weswegen mich auch das Ende des Spiels (beziehungsweise die Enden, da es mehrere gibt) mich nicht überzeuge konnte, denn irgendwie hat das alles einfach keinen Sinn ergeben. Besonders frustrierend ist das, da eigentlich genug Potenzial existierte, um eine spannende Geschichte zu erzählen.
Die interessanten Handlungsstränge werden von der Narrative aber offen gelassen und nicht weiter verfolgt. Stattdessen fokussiert sich The Invincible eher auf das namensgebende Raumschiff, wodurch die gesamte Geschichte teilweise an Bedeutung verliert, wenn man das zugrundeliegende Buch kennt. Als nach etwa acht Stunden die Credits abgespielt wurden, war ich daher schlichtweg enttäuscht.
The Invincible ist ein Point and Click Adventure im "Choose your own Adventure"-Stil, nur ohne das Pointen, das Klicken, und wenn man genau ist: auch ohne das Adventure. Alternative Pfade, die keinerlei Mehrwert haben, interessante Handlungsstränge, die einfach nicht zu Ende verfolgt werden und coole Gadgets wie den Scanner, die kaum Verwendung finden. Das Spiel zeigt in einigen Bereichen durchaus Potenzial, das es dann aber schlichtweg verschenkt. Übrig bleibt nur noch eine recht enttäuschende Spielerfahrung.
