Super Meat Boy: Schwierig und schmierig
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Das Fleisch ist willig, doch es ist schwach - nur ein Treffer, und Super Meat Boy geht in diesem Kult-Platformer K.O.! Wieso trotzdem so viele das Indie-Game lieben, lest ihr in unserem Retro-Check.
Baranowksy hatte für Super Meat Boy die komplette künstlerische Freiheit und behielt auch alle Rechte an seinen Stücken. Für die Portierungen auf PS4, Wii U, Switch und PS Vita wurde er sich mit McMillen wegen der Lizenzierung nicht einig. So zumindest die offizielle Geschichte - auch bei The Binding of Isaac: Rebirth wurde nicht der Baranowsky-Soundtrack des Flash-Originals genutzt, sondern McMillen suchte neue Musiker. Was genau hinter den Kulissen los war, werden wir wohl nie erfahren, eine weitere Zusammenarbeit gab es bislang jedenfalls nicht mehr.
Auf Switch und Co. gibt es also neue Musik, die von mehreren Komponisten verfasst wurde. Und so ein Soundtrack ist natürlich meistens Geschmackssache. Auf dem PC habt ihr in der Steam-Fassung die Wahl und könnt einfach zwischen dem neuen und dem alten Soundtrack umschalten. In Rock Band 3, das wir eingangs als einen der Titel von 2010 erwähnt haben, den Super Meat Boy verkaufstechnisch in die Tasche steckte, konnte man übrigens drei Baranowsky-Stücke zum Nachspielen herunterladen.
Hardcore Mario
Um die 2010er-Jahre herum gab es einige anspruchsvolle Indie-Spiele; zu dieser Zeit erfreute sich auch Kaizo Mario World (das könnt ihr hier spielen) großer Beliebtheit. Die ROM-Hacks von Super Mario World auf SNES stellten selbst Profi-Zocker vor unglaubliche Herausforderungen. Wer das nicht selbst meistern wollte, lachte beim Anschauen von Let's Plays über die Wut und Tränen (oder auch den Erfolg) derjenigen, die sich an den Levels versuchten. Super Meat Boy ist kein einfaches Spiel, aber es versteht viel besser, seine Kundschaft bei der Stange zu halten.
Die unendlichen Versuche haben wir bereits erwähnt. Dazu kommt, dass die Levels in Super Meat Boy kompakter sind als bei seinen sadistischen Verwandten, von Ausnahmen und den Herausforderungen in den letzten Welten mal abgesehen. Mit anderen Charakteren sind manche Levels viel einfacher zu bewältigen. Und zu guter Letzt gibt es in Super Meat Boy wenige Momente, in denen das Spiel auf sogenannte Fake Difficulty setzt.
Darunter versteht man, wenn Spiele euch absichtlich Steine in den Weg legen, nur, um das Erlebnis anspruchsvoller zu machen. Das kann bedeuten, dass die Steuerung besonders umständlich ist, oder wenn man dem Spieler Informationen vorenthält. Wenn ihr eure Gegner in Rennspielen dank Gummibandeffekt nie abhängt, egal, wie gut ihr fahrt, wenn ihr in Dark Souls vom Capra-Dämon erschlagen werdet, weil die Kamera mit der kleinen Arena nicht klarkommt, wenn die KI in Starcraft cheatet - all das ist Fake Difficulty.
Quelle: Team Meat
Und die ist nicht per se schlecht und kommt auch in guten Spielen vor. Aber es fühlt sich immer besser an, wenn man Herausforderungen ganz allein durch Skill meistert. In dieser Hinsicht brilliert Super Meat Boy. Wenn ihr sterbt, dann ist das in einem Großteil der Fälle eure Schuld. Okay, es gibt auch in Super Meat Boy Negativbeispiele. Der Bosskampf gegen Little Horn zum Beispiel, der auf Trial and Error setzt, also das Auswendiglernen der Attacken und deren Abfolgen.
Aber bei den zig anderen Levels ist es eine reine Freude, am Ende bei Bandage Girl anzukommen und noch einmal im Replay all die gescheiterten Versuche gleichzeitig zu sehen. Es werden immer weniger Meat Boys, bis am Ende ein einziger beim Ziel ankommt - das habt ihr geschafft! Statt Fake Difficulty setzt Super Meat Boy vorwiegend auf einen Schwierigkeitsgrad, der in einschlägigen Internetkreisen als Nintendo Hard bekannt ist.
