Bargeld, Bigotterie, Berlinale: Wie Star Trek 6 Das unentdeckte Land in die Welt kam
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Es geht weiter mit unserem Rückblick auf Star Trek 6 Das unentdeckte Land: Autor Sebastian Göttling zeichnet die bizarre Entstehungsgeschichte des Filmes nach.
Der erste Teil dieses Artikels schilderte die Ursprünge des sechsten Star-Trek-Kinofilms und die schwierige Suche nach dem richtigen Drehbuch. Doch selbst, als das endlich fertig geschrieben war, wollten die Katastrophen nicht abreißen.
Um weitere Schwierigkeiten im Produktionsvorfeld zu beleuchten, zunächst ein Blick auf die geplante, aber niemals umgesetzte Eröffnungsszene des Films.
Wo sich die sieben Hauptcharaktere (abzüglich Sulu, denn der hat mittlerweile das Kommando der U.S.S. Excelsior) am Anfang des Films ziemlich schnell auf der Enterprise einfinden, da hätten sie eigentlich in alle Winde verstreut sein sollen, woraufhin man sie zu Filmbeginn eingesammelt hätte, frei nach den Blues Brothers: "Wir müssen die Band wieder zusammenbringen!"
Wo hätten wir die Recken vorgefunden, wenn nicht auf der Enterprise? Spock wäre Shakespeare-Schauspieler auf Vulcan gewesen, Jim Kirk ein mit seiner alten Flamme Carol Markus verheirateter Stubenhocker. Pille McCoy platzt besoffen in ein medizinisches Galadinner und fällt durch Pöbeleien unangenehm auf, während Kommunikationsoffizierin Uhura Moderatorin einer Call-in-Radiosendung ist.
Mittlerweile ziemlich abgegriffene Klischees hätten die beiden Jungs von den vorderen Konsolen bedient - Sulu als Taxifahrer auf einer subtropischen, heruntergekommenen Föderationskolonie und Chekov, ganz wie es sich für einen Russen geziemt, als Teilnehmer bei einem Schachturnier, wo er verständlicherweise gegen die Mannschaft der telepathisch begabten Betazoiden verliert.
Den coolsten Job aber hätte Scotty abbekommen, denn der Ingenieur wäre verantwortlich gewesen für die Bergung des klingonischen Bird of Prey, der im vierten Kinofilm in der Bucht vor San Francisco versunken war. So ulkig, unerwartet und farbenfroh wie diese Eröffnungssequenz gewesen wäre, sie allein hätte mit all den unterschiedlichen Locations stolze zehn Millionen Dollar des gesamten Budgets ausgemacht.
Quelle: Paramount
Hätte man das Drehbuch wie ursprünglich geschrieben verfilmt, wären in Summe ungefähr 50 Millionen Dollar angefallen, ein für damalige Verhältnisse ziemlich ordentliches Preisschild. Um die Kosten von vornherein auf 40 Millionen zu drücken, strich Nicholas Meyer diese gesamte Sequenz schweren Herzens und ersatzlos.
Heutzutage wäre das sicherlich kein Problem, denn die meisten Genrefilme und -serien, unter ihnen auch Star Trek, nehmen massiv viel Geld in die Hand, damit Inszenierung und Effekte mit modernen Superheldenstreifen mithalten können.
Doch damals, vor über dreißig Jahren, waren Genrefilme noch nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen, weswegen sich Star-Trek-Kinoabenteuer mit den finanziellen Mitteln eines hochkarätigen Fernsehfilms zufriedenstellen mussten.
An dieser Stelle schlug leider wieder die Tatsache zu, das Paramount zu dem Zeitpunkt finanziell ziemlich angeschlagen war. Als brandneuer Finanzchef, der bei der Sanierung mithelfen sollte, wurde David Kirkpatrick angestellt.
Der studierte eifrig die Bilanz des sechsten Kinofilms - bereits abzüglich der Blues-Brothers-Szenen - und kam zu dem Schluss, dass die Produktion noch nicht einmal 40 Millionen bekommen sollte. Rotstift und Schere sollten wo eben möglich angesetzt werden.
Eines der Resultate dieses Sparkurses: Viele Szenen des Films wurden auf den Kulissen der Next Generation gedreht, nicht nur auf den unschwer als solchen zu erkennenden Korridoren der Enterprise, sondern auch in der Bordkneipe Ten Forward, wo normalerweise Whoopi Goldberg als Guinan ihren Dienst tut.
Kaum umdekoriert, fungiert die Lounge in diesem Film als Büro des Föderationspräsidenten. So gut wie gar keine Änderungen wurden am Transporterraum der Next Generation vorgenommen - selbst das von Produktionsdesigner Herman Zimmerman eigenem Pullover abgeguckte Muster als Wandverkleidung (true story) stammt originalgetreu aus dem 24. Jahrhundert.
Als die klingonische Delegation an Bord beamt, fehlt eigentlich nur Chief O'Brien, um die versehentliche Zeitreise perfekt zu machen. An anderen Stellen wurden neu gebaute Sets einfach ohne Wände konstruiert, die Ränder stattdessen mit schwarzem, Licht schluckenden Stoff abgehängt, sodass sich die Außenbereiche der Szenerie im raumlosen Dunkel verloren.
Quelle: Paramount
Aus Kostengründen wird Guinans Kneipe auf der Enterprise-D zum Büro des Föderationspräsidenten umfunktioniert.
Immerhin engagierte man für die Effekte George Lucas' bewährte Schmiede Industrial Light and Magic. Eine gute Wahl, nachdem man sich beim fünften Kinofilm aus Kostengründen für das Studio von Bran Farren entschieden hatte, mit desaströs stümperhaftem Ergebnis. Allerdings wurden die Effekteinstellungen von etwa 100 heruntergeschraubt auf nur noch 51.
Wann immer sich eine visuell ansprechende Sequenz aus zwei oder drei Einstellungen zusammensetzte, wurden diese nach Möglichkeit auf lediglich eine Einstellung reduziert.
Außerdem erklärten sich die Hauptdarsteller William Shatner und Leonard Nimoy dazu bereit, auf einen großen Teil ihrer Gage zu verzichten, stattdessen einigten sie sich mit dem Filmstudio auf eine Gewinnbeteiligung. Wäre der Film wie der fünfte ein Reinfall gewesen, hätten sie mit deutlich niedrigeren Einkünften leben müssen.
Eine teure Ausgabe war jedoch unumgänglich und basierte auf einem Missgeschick. Das teure Set der Enterprise-Brücke hatte man zwar sorgsam zwischen den Filmen eingelagert, es jedoch bei Dreharbeiten zu einem anderen Film aus Platzgründen kurzfristig auf dem Parkplatz des Paramount-Geländes abgestellt.
Just in dem Moment kam es zu einem für Los-Angeles-Verhältnisse ungewöhnlichen und zugleich verheerenden Regenguss, der die gesamte Brücke der Enterprise unwiederbringlich zerstörte, sodass diese für den sechsten Kinofilm komplett neu gebaut werden musste.
Trotzdem zahlte sich der Sparkurs aus, denn Nimoy und Meyer schafften es, die Kosten von 40 auf nunmehr nur noch 30 Millionen Dollar zu drücken. Stolz klemmte sich Meyer das Bilanzbuch unter den Arm und ging damit ins Büro des Rechenschiebers Kirkpatrick. Der jedoch zeigte sich gänzlich unbeeindruckt von den Anstrengungen: "Nicholas, der letzte Film kostete insgesamt 25 Millionen Dollar und mehr bekommst du auch nicht."
Doch in den letzten Jahren waren, so ist der Lauf der Dinge, einige Dinge teurer geworden. Die sogenannten Above-the-Line-Kosten, das sind all diejenigen Ausgaben, die ohnehin anfallen, bevor auch nur eine einzige Filmrolle eingelegt wurde, betrugen mittlerweile 21 Millionen Dollar.
Quelle: Paramount
Auch der bekannte Transporterraum aus dem 24. Jahrhundert wird 1:1 wiederverwendet, um den klingonischen Kanzler Gorkon zu beamen.
Mit Tränen der Verzweiflung in den Augen hielt Meyer vor Kirkpatrick eine flammende Rede, um ihn davon zu überzeugen, dass gerade einmal vier Millionen Dollar für den laufenden Filmbetrieb schlicht und ergreifend nicht ausreichen würden.
Jahre später sagte ein abgeklärterer Meyer: "Ich hätte einfach sagen sollen, 'Ja, ja, ich mache den Film für 25 Millionen', und dann hätte ich das machen sollen, was jeder andere Hollywood-Regisseur in einer solchen Situation auch tut. In vollem Bewusstsein, dass das Budget gnadenlos überzogen wird, den Film so drehen wie ursprünglich geplant. Und hinterher sagen, 'Sorry, das ist mir aus dem Ruder gelaufen. Aber hey, immerhin nur fünf Millionen mehr!' Doch dummerweise war ich ehrlich."
Diese Ehrlichkeit wurde Meyer damals beinahe zum Verhängnis, denn nach nur knapper Bedenkzeit schaute Kirkpatrick von seinem Balance-Sheet wieder auf und sagte den Film kurzerhand ab. Nach einem halben Jahr Pre-Production wurde die Notbremse gezogen, alle Beteiligten nach Hause geschickt. Das war's für Star Trek 6.
Dieses Ungemach kam auch Frank Mancuso Sr. zu Ohren, obwohl dieser bereits vor einigen Monaten bei Paramount gegangen worden war. Als er eines Abends über das Gelände seines ehemaligen Arbeitgebers schlenderte, sah er dort den niedergeschlagenen Nicholas Meyer sitzen und hörte sich dessen traurige Geschichte an. Sein humorvolles Wort des Trostes war zunächst: "Nick, das hier ist Hollywood. Wenn du Liebe möchtest, musst du nach Hause zu deiner Frau gehen."
Trotzdem konnte Mancuso Sr. einfach nicht fassen, was passiert war, griff zum Telefon und rief seinen alten Freund Stanley Jaffe an, seines Zeichens der CEO von Paramount Communications und damit der allerhöchste Chef, noch oberhalb der gesamten Filmsparte.
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Jaffe hatte Erbarmen mit Star Trek und rief Nick Meyer an. "Du hast Probleme?" - "Ja, mir fehlen fünf Millionen." - "Du hast sie." Freudentränen. Die Produktion lief wieder an, doch zwei Monate waren verloren. Künftig musste wieder einmal alles ganz furchtbar schnell gehen, damit der Film noch im Jubiläumsjahr am Nikolaustag erscheinen konnte. Finanzchef Kirkpatrick erhielt wenige Tage später seine Kündigung.
