Star Trek TNG Staffel 3: Zwei neue Michaels und eine alte Enterprise

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Star Trek TNG Staffel 3: Zwei neue Michaels und eine alte Enterprise
Quelle: Paramount

Star-Trek-Guru Sebastian Göttling blickt im neuen Teil seiner Retrospektive auf die erste Hälfte von Staffel 3 von Star Trek The Next Generation.

Eine weitere Personalie: Damals war es noch üblich bei Star Trek, dass sogenannte Spec-Scripts akzeptiert wurden, das sind von Privatleuten vorgeschlagene Story-Ideen. Von diesen erreichten pro Jahr im Durchschnitt 5000 Stück säckeweise das Autorenzimmer von Star Trek: The Next Generation. Der Job, diese Einsendungen zu sichten, war kein sonderlich beliebter. Einer dieser Einsender war im Frühjahr 1989 ein gewisser Trent Christopher Ganino. Er schickte die erste Version der Geschichte, aus der Yesterday's Enterprise werden sollte.

Doch bevor wir in die unterschiedlichen Versionen der Geschichte eintauchen, die sich im Laufe ihrer turbulenten Entstehung ergaben, folgt als Gedächtnisauffrischung eine kurze Zusammenfassung der fertigen Episode: Unerklärlicherweise öffnet sich vor der Enterprise-D ein Zeitstrudel, aus dem die Enterprise-C auftaucht - ein Schiff, das 22 Jahre zuvor eigentlich bei einer kriegerischen Konfrontation zerstört wurde. Durch diese Zeitreise verändert sich die Realität Star Treks dramatisch und dennoch unbemerkt für die Charaktere, aber durchaus auffällig für das Publikum. Statt der normalen utopischen Zukunft des 24. Jahrhunderts finden wir uns in einer kriegerischen Sternenflotte wieder, die seit Jahrzehnten im verbitterten Clinch mit den Klingonen liegt.

Irgendwo ist die Geschichte falsch abgebogen und zum Glück bekommt das außer den Zuschauerinnen und Zuschauern auch die mysteriöse Barkeeperin Guinan mit, denn sie verfügt über nicht näher definierte, übersinnliche Fähigkeiten. Dank ihrer sachdienlichen Hinweise und dem heroischen Opfer der Enterprise-C-Crew lassen sich selbige wieder zurück durch die Zeit schicken in ihren sicheren Tod, um auf diese Weise die Geschichte zu reparieren.

Mit auf Himmelfahrtskommando in die Vergangenheit reist Tasha Yar, die in dieser alternativen Zeitlinie nicht in der ersten Serienstaffel einer mordlustigen Teerpfütze zum Opfer fiel. Von Guinan erfährt Tasha, dass sie in der korrekten Version der Geschichte einen sinnlosen Tod starb, doch nun kann sie als taktische Offizierin des aus der Zeit gefallenen Schiffes ihrem Ableben wenigstens eine Art Bedeutung geben. Am Ende der Episode ist die Geschichte repariert und niemand weiß genau, was vorgefallen ist, außer der geheimnisvoll lächelnden Guinan.

Nun aber Ganinos erste Version der Geschichte. Die ging so: Durch den Zeitriss gerät die Enterprise-C in die Zukunft, es entsteht jedoch keine alternative Zeitlinie, ergo kommt Tasha Yar nicht vor. Die Helden um Captain Picard stellen sich lediglich die Frage: Dürfen diese 600 Menschen zurückgeschickt werden in ihren sicheren Tod?

Fast hätte er mehr zu tun gehabt im Episodenklassiker Yesterday's Enterprise: Klingone Worf Quelle: Paramount Fast hätte er mehr zu tun gehabt im Episodenklassiker Yesterday's Enterprise: Klingone Worf Bordärztin Pulaski, die eigentlich nur in Staffel 2 zur Crew gehörte (daran zeigt sich auch der Entstehungszeitpunkt dieses ersten Entwurfs), argumentiert pro Leben und gegen die Mission. Außerdem findet ein junger Offizier der alten Enterprise heraus, welches Schicksal ihm droht, woraufhin er durchdreht und einige Geiseln nimmt.

Dieser Story-Entwurf lag im Büro von Paramount herum. Und herum. Von Stab Autor Richard Manning bekam sie irgendwann den knappen Vermerk: "Die Geschichte ist nicht schrecklich, aber auch nicht originell - sie hat gute und lausige Stellen."

Autor Ganino hakte gelegentlich nach, wie denn der Stand der Dinge war, bekam aber keine Antwort. Genau wie Eric Stillwell wurde er zu dieser Zeit Studioführer bei Paramount. Es kam, wie es kommen musste: Die beiden ambitionierten Herren trafen aufeinander, ausgerechnet bei der Premierenfeier von William Shatners unrühmlichem Star Trek 5: Am Rande des Universums.

Da saßen Stillwell und Ganino nebeneinander im Kino, lernten sich kennen und waren anschließend einigermaßen unzufrieden mit dem Film, den sie soeben gesehen hatten. Kurzerhand gingen sie gemeinsam noch einen Burger essen und quatschten im Diner bis spät in die Nacht, was in dem Entschluss mündete, zusammenzuarbeiten.

Gemeinsam reisten Stillwell und Ganino bald darauf zu einer Star-Trek-Convention in San José, wo Stillwell seine frühere Arbeitgeberin Denise Crosby wiedertraf. Die trauerte ihrem Ausstieg aus der Serie mittlerweile nach und warb bei Stillwell für sich, damit dieser daheim bei Paramount eine Rückkehr der Tasha Yar ins Gespräch bringen könnte. Unabhängig von alledem diskutierte die Chefetage Star Treks, ob man nicht den allseits beliebten Charakter des Spock in einem Gastauftritt wiederbringen sollte.

Chef Gene Roddenberry war jedoch dagegen, weil er immer noch wollte, dass sich die neue Serie von der Originalserie emanzipierte - und auch die beiden ausführenden Produzenten waren nicht unglücklich ob dieser Entscheidung, denn Leonard Nimoy war seinerzeit ganz schön teuer. Etwas günstiger und deshalb denkbarer war es aber, Mark Lenard als Spocks Vater Sarek zurückzuholen.

Dieses Vorhaben kam auch Stillwell und Ganino zu Ohren, woraufhin sie gemeinsam und unaufgefordert eine zweite Version von Ganinos Geschichte schrieben, die das bereits Vorhandene verquickte mit Tasha Yar, dem vulkanischen Botschafter Sarek und zwei legendär beliebten Episoden der Originalserie: Zum einen The City on the Edge of Forever (Griff in die Geschichte), in welcher ein alter Steinring als Zeitportal in die Vergangenheit dient, und zum anderen Mirror, Mirror (Ein Parallel-Universum), worin es Captain Kirk in eine finster-verzerrte Anti-Version seiner Realität verschlägt.

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