Star Trek ohne Star Trek: Was tun, wenn Sendepause im All ist?

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Star Trek ohne Star Trek: Was tun, wenn Sendepause im All ist?
Quelle: Paramount

Star-Trek-Guru Sebastian Göttling (Trek am Dienstag) stellt die Frage aller Fragen: Was tun, wenn im All gerade tote Hose ist?

Raumschiff-Enterprise-Fans der ersten Stunde mussten in Deutschland nicht bloß 16 Wochen, sondern 16 Jahre lang darauf warten, überhaupt einmal alle Folgen ihrer Lieblingsserie mit nur drei Staffeln zu sehen.

Das alles war vor meiner Zeit und ich kann mir kaum ausmalen, wie schrecklich es gewesen sein muss, denn mir kamen schon die ZDF-Sendepausen der Next Generation von Juni 1991 bis Februar 1992, aber auch die von November 1992 bis August 1993, wie eine halbe Ewigkeit vor. Also alles Ansichtssache, denn obwohl ich analog aufwuchs, gab es trotzdem andauernd neues Star Trek. Ich hatte nie Mangel.

Zurück in die USA. Dort führten die Syndication-Wiederholungen dazu, dass komischerweise nicht von Durchlauf zu Durchlauf weniger Leute die längst bekannten Folgen einschalteten, sondern immer mehr. Das erzeugte jede Menge ständigen Ertrag für Paramount - und als die Geldhaufen immer größer wurden, kam man auf die Idee, doch mal die eigene Star-Trek-Buchhaltung zu auditieren.

Dabei kam man Gene Roddenberry auf die Schliche, der das nicht lizensierte Versandhaus Lincoln Enterprises betrieb, welches Star-Trek-Material, was noch in seinem Besitz war, an Fans verschickte, zum Beispiel Original-Filmschnipsel. Hinter den Kulissen aber schlossen das Studio und Roddenberry einen gütlichen Deal; es kam nie zu Regressansprüchen.

Eine kleine, buchgewordene Auswahl von tonnenweise beantworteter Fanpost aus den 1970ern Quelle: Repro Sebastian Göttling Eine kleine, buchgewordene Auswahl von tonnenweise beantworteter Fanpost aus den 1970ern Die Syndication-Ausstrahlung führte dazu, dass bis zum 25. Jubiläumsjahr 1991 jede einzelne der 79 Episoden ihre ganz eigene Million Dollar Gewinn erwirtschaftet hatte.

Dieser Betrag stand ursprünglichen Produktionskosten von weniger als 200.000 Dollar gegenüber. Verrückterweise profitierte von dieser Gelddruckmaschine Paramount und eben nicht der Sender NBC, der Star Trek in den 60ern ausgestrahlt und dafür Paramount einen Großteil des Budgets bezahlt hatte. Für NBC brachte der verspätete Erfolg niemals einen Return on Investment.

Und weil all diese Einnahmen für Außenstehende eine Blackbox darstellten, wurde Schöpfer Gene Roddenberry im falschen Glauben gelassen, sein Star Trek wäre immer noch in den roten Zahlen. Doch irgendwann wurde er argwöhnisch und beauftragte seinen berüchtigten Anwalt Leonard Maizlish zu überprüfen, wie es wirklich stand um die vornehmlich schlechte finanzielle Situation von Star Trek.

Maizlish muss der Gelddruckmaschine auf die Schliche gekommen sein, denn 1994 wurden die Bücher öffentlich und es kam heraus, dass sich Paramount und Roddenberry darauf geeinigt hatten, dass zwischen 1984 und 1987 in mehreren Portionen insgesamt 5,3 Millionen Dollar an ihn gezahlt wurden. Wenige Jahre vor seinem Tod im Jahr 1991 war der Erfinder von Star Trek also noch steinreich geworden.

Beispielhaft für den kometenhaften Aufstieg von Star Trek in der Pause der 1970er war die allererste Star-Trek-Convention, die vom 21. bis 23. Januar 1972 in New York im Statler-Hilton abgehalten wurde. Kick-off dieser Veranstaltung war ein Telefonanruf zwischen zwei der weiblichen Star-Trek-Fans, die das Fandom aktiv mitgestalteten, genauer gesagt rief Elyse Pines bei Joan Winston an, die damit auf ein verrücktes

Unterfangen geschickt wurde, über das sie einerseits sagte, sie "hätte nie ans Telefon gehen dürfen", andererseits waren es ihre Aufzeichnungen des legendären Wochenendes, die der Nachwelt erhalten blieben.

Ein Buch und gleichzeitig Parole der 70er: Star Trek Lives! Quelle: Repro Sebastian Göttling Ein Buch und gleichzeitig Parole der 70er: Star Trek Lives! Auf klassischen Science-Fiction-Conventions fühlten sich Star-Trek-Fans bestenfalls geduldet, deswegen kam ihnen die Idee einer eigenen Veranstaltung. Im November 1971 lagen 300 Anmeldungen vor, das schien respektabel.

Doch als der Jahreswechsel nahte, kamen immer mehr Briefe: "Können meine Freunde und ich mit dem Bus kommen?" - "Unser Club reist geschlossen an, wir sind 40 Leute." - "Wir kommen zu 70 Fans." Und so weiter. Das renommierte Entertainment-Magazin Variety führte ein Interview mit Winston und druckte einen Hinweis darauf sogar auf die Titelseite - ergo: noch mehr Anmeldungen.

Am Vorabend der Convention rückte das Fernsehen an, ABC und CBS. Fandom-Granden wie der spätere Roddenberry-Assistent Richard Arnold und Bjo Trimble reisten an - die Frau, deren Briefkampagne die Serie nach Staffel 2 vor der Absetzung bewahrt hatte. Es folgten die Eheleute Roddenberry und Serien-Skript-Editorin/Vulkanier-Spezialistin Dorothy Fontana.

Der nächste, frühe Morgen. Obwohl die Convention erst mittags losging, belagerten schon 200 Leute die Lobby; die herbeigerufenen Verantwortlichen erschienen schnell im Nachtpolter. Das Hotel hatte allen Anrufenden gesagt, 8:30 morgens sollte es losgehen. Doch komischerweise zeigten sich die wartenden Massen geduldig und verständnisvoll, selbst, als ein Ordner ein Megafon fand und benutzte.

Als die Roddenberrys die Räumlichkeiten zu betreten versuchten, erkannte das Hotelpersonal sie nicht. "Eintritt nur mit einem Badge oder als Veranstalter, oder wenn man etwas mit Star Trek zu tun hat." Roddenberrys legendäre Antwort: "Ich bin Star Trek."

Oscar Katz, der Produktionschef bei Paramount, als Star Trek gedreht wurde, fürchtete zunächst, dass niemand seinen Vortrag hören wollen würde - und war bass erstaunt, als vor ihm 800 Leute saßen. Als Roddenberry sprach, wuchs die Menge auf 1200 Leute an. Viele von ihnen wurden in einen Nachbarsaal gesetzt und dann kurzerhand die Tür dorthin geöffnet.

Bei seinem Vortrag war Roddenberry gerührt und sprach, dass er nicht gedacht hätte, dass Star Trek noch einmal wiederkommen könnte. "Keinesfalls als Fernsehserie. Aber nach der heutigen Veranstaltung vielleicht doch, als Film." Sogar Leute vom Sender NBC waren da, der Star Trek drei Jahre zuvor abgesetzt hatte.

Gerüchten zufolge schauten die Senderleute nur kurz rein und suchten aufgrund der Menschenmengen das Weite. Womöglich, weil sie vielleicht Angst hatten, gelyncht zu werden.

Während sich die Verantwortlichen am Samstagabend ein dringend benötigtes Abendessen gönnten, lief auf ABC der Horror-Sci-Fi-Fernsehfilm "The People" mit William Shatner.

Alle Fans saßen auf ihren Zimmern und guckten in zahllosen Gruppen gemeinsam - endlich ein Erfolgserlebnis für Shatner, dem es in den frühen 1970ern alles andere als gut ging; nach einer Scheidung und einem Karriereknick hauste er mittellos in einem Pick-up-Truck.

Drei Teenager-Mädchen reisten dann noch mitten in der Nacht an, völlig ausgehungert. Sie hatten von der Convention gehört und waren spontan in einen Zug gestiegen. Am nächsten Tag bekamen die drei von Gene Roddenberry ein Mittagessen ausgegeben, aber auch eine väterliche Ansage: "Ihr könnt doch nicht ohne Essensgeld losfahren! Wenn eure Eltern das wüssten!"

Aus dem Stegreif wurde diese erste Star-Trek-Convention die bis zu diesem Zeitpunkt größte Science-Fiction-Convention. 1200 Anreisende am Freitag, zusätzliche 1000 am Samstag. Am Ende waren es mehr als 3000. Irgendwann am letzten Tag gab man auf und ließ einfach nur noch alle Leute ohne Kontrolle rein.

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