Star-Trek-Guru Sebastian Göttling (Trek am Dienstag) stellt die Frage aller Fragen: Was tun, wenn im All gerade tote Hose ist?
Es ist Anfang November 2005 und ich sitze mit einem seltsamen Gefühl in meinem Jugendzimmer zwischen lauter prall gefüllten Kartons, denn ich bin kurz davor, auszuziehen in meine erste eigene Wohnung. Dieser Schritt ist tatsächlich mehr als überfällig, und meine Eltern liegen mir diesbezüglich mit sanftem Druck schon lange in den Ohren.
Vor ein paar Monaten habe ich es endlich eingesehen und jetzt ist es unausweichlich. Selbst ein Gewohnheitstier wie ich, das Veränderung scheut und eine einmal eingenommene Ruheposition nur ungern verlässt, muss irgendwann erwachsen werden - und sei es mit neun Jahren Verspätung.
Doch das Gefühl des Abschieds ist für mich ein Doppeltes, denn ich sitze zwar inmitten leerer Regale, doch auf einem Schrank steht immer noch mein Fernseher und im Fach darunter mein DVD-Player.
Es läuft der Abspann der allerletzten Episode von "Star Trek: Enterprise" mit dem Titel "These Are the Voyages..." (Dies sind die Abenteuer). Eine Episode, die ein Zeitalter beendet.
Das letzte, neue Star Trek. Ich habe sämtliche Folgen meines Lieblingsuniversums komplett in diesem zuerst Kinder- und dann Jugendzimmer gesehen. Mein Habitat, seit ich denken kann. Nun, wo auf dem Bildschirm Feierabend für meine Heldinnen und Helden ist, heißt es auch für mich, die Reise ins unentdeckte Land anzutreten.
Eigentlich endete die Serie Enterprise schon etwa ein halbes Jahr vor meinem Auszug. Allerdings leben wir anno 2005 noch im analogen Zeitalter und so bin ich angewiesen auf Home-Video-Veröffentlichungen, in diesem Fall die DVD-Staffelboxen aus England, deren Enterprise-Ausgaben dort tatsächlich Monate vor ihren deutschen Pendants erscheinen und nur die Hälfte kosten.
Ich ungeduldiger Sparfuchs komme also gerade noch im Jahr 2005 in diesen Genuss - nur jetzt ist es aus und vorbei. Zeit, die Kombi Fernseher/DVD-Player abzubauen. Doch genauso wie meine Trägheit mich in meinem alten Jugendzimmer halten möchte, denke ich bei mir: "Star Trek ist mittlerweile wieder ganz schön in Form, einfach toll! Eigentlich könnte es nach so einer Staffel 4 immer weitergehen ..."
Blicke ich aus 2025 auf diesen Tag, muss ich sagen, dass ich damals erst seit einem guten Jahr wieder voll an Bord war, was Star Trek anging. Zuvor hatte mich eine mehrjährige Star-Trek-Müdigkeit überkommen. Ein Phänomen, das nicht nur mich betroffen hatte, sondern große Teile des gesamten Fandoms, was unter anderem zur Sendepause des Jahres 2005 geführt hatte.
Quelle: Paramount
2006 - Abschied von Enterprise und Beginn der zweiten, großen Sendepause
In gewisser Weise fühle ich mich bis heute mitschuldig dafür, dass Star Trek 2005 beendet war. Der letzte Vorhang für sogenanntes Berman-Trek - also die vier von Rick Berman produzierten Serien Next Generation, Deep Space Nine, Voyager und Enterprise - fiel im US-Fernsehen am 13. Mai 2005. Nach nunmehr 18 Jahren ununterbrochener Produktion, in denen 25 Serienstaffeln entstanden waren, endete eine Ära.
Eigentlich war der Run sogar länger als 18 Jahre gewesen, denn die Erfolgsgeschichte der Wiederbelebung Star Treks begann bereits im Jahr 1979 mit dem ersten Kinofilm. Der wurde so erfolgreich, dass ein Zweiter kam. Und noch einer. Und immer so weiter, bis Star Trek auf die Fernsehbildschirme zurückkehrte.
Man könnte also von über 25 Jahren sprechen, wobei die letzten paar Jahre bereits gezeichnet waren von Misserfolg und Ermüdungserscheinungen. Die sogenannte Franchise-Fatigue, die letztendlich zur Absetzung führte, begann sechseinhalb Jahre eher.
Denn nur vier Jahre nach 1994, dem größten und erfolgreichsten aller Star-Trek-Jahre, lief gegen Ende 1998 der neunte Film "Star Trek: Insurrection" (Star Trek: Der Aufstand) in den Kinos und wurde ein ziemlicher Flop. Der erste Film aus der Reihe, der seine Kosten nicht wieder einspielen konnte. Zuvor war das fälschlicherweise über den ersten und fünften Kinofilmen behauptet worden, nur diesmal stimmte es tatsächlich.
Ein halbes Jahr nach "Insurrection" endete Deep Space Nine und damit die siebenjährige Phase, in der wunderbarerweise zwei Star-Trek-Serien parallel liefen. Im Anschluss daran wurde noch Voyager über die Ziellinie in den Alpha-Quadranten gebracht und ein letzter Anlauf mit dem abgebrochenen Prequel Enterprise genommen.
Bei alledem sanken die Einschaltquoten von Jahr zu Jahr, daraufhin die Budgets und das gute Standing. Ein Sterben auf Raten. Die letzte Staffel Enterprise war eine verkürzte, mit lediglich 22 statt der gewohnten 26 Episoden.
In den 18 Produktionsjahren unter Rick Berman hatte sich eine gewisse Routine eingeschlichen. Vieles war mittlerweile erwartbar. Vor allem in den letzten sechs Jahren wusste man schon vor dem Einschalten ziemlich genau, was man zu erwarten hatte. Lediglich die allerletzte Staffel Enterprise wirkte ein wenig frischer, da sie den Prequel-Gedanken erstmals wirklich annahm und umsetzte.
Quelle: Paramount
Star Trek wird 40 - ohne, dass eine Serie läuft.
Aber das ist eine Geschichte für einen anderen Tag. Die späten Tage von Berman-Trek waren eine Art Wurstfabrik. Dummerweise hatten die Leute irgendwann keinen Appetit mehr auf Wurst.
Wenn Star Trek hiernach noch einmal wiederkommen sollte, dann musste es eine völlig frische Geschmacksrichtung bieten. So begann sie also, die große Sendepause von 2005 bis 2017, unterbrochen von drei Blockbuster-Kinofilmen. Aber sind wir mal realistisch: Star Trek gehört ins Fernsehen.
Beispielhaft für diese große Pause ist das Jahr 2006, in dem das 40. Jubiläum des Franchise gebührend gefeiert werden sollte. Selbstverständlich wurde ein Logo entwickelt. Außerdem gab es als besonderes Zückerli für die Fans das Projekt "Star Trek: The Original Series - Remastered".
Hierbei wurde die Originalserie aus den 60er Jahren erstmalig in High Definition neu abgetastet. Außerdem wurden die in grauer Vorzeit mit minimalsten Budget, allerdings auch mit maximalem Improvisationstalent erstellten Spezialeffekte komplett als CGI-Effekte neu gestaltet.
Dabei entfernte man sich mitunter weit von den originalen Kameraeinstellungen, denn immerhin waren in der Originalserie zahlreiche Effekte ständig wiederverwendet worden.
Nun wollte man mehr Abwechslung reinbringen, neue Perspektiven, neue Raumschiffe und dramatischere Spezialeffekte. Für Puristen sicherlich ein Ärgernis - und mittlerweile, 19 Jahre weiter in der Zukunft, sieht das 2006er CGI beinahe vorsintflutlicher aus, als es die Original-Effekte jemals taten. Immerhin: Auf der Blu-Ray-Veröffentlichung kann man bequem zwischen den ursprünglichen und den 2006 erstellten Effekten wechseln.
Die Spielszenen aber waren unverändert und sahen so spektakulär und farbenfroh aus wie nie zuvor. Wenn es also zum runden Jubiläum schon kein neues Star Trek im Fernsehen gab, dann wenigstens neu aufgemotztes, altes Star Trek. Ein schönes, aber eher kleines Projekt, das überschaubare Kosten verursachte.
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Das war auch gut so, denn bei CBS war man nach sechs dürren Jahren, in denen sich gefühlt ein Misserfolg an den nächsten gereiht hatte, gar nicht gut auf das Franchise zu sprechen. Was nun folgte, nannten Fans in Anlehnung an den Titel des zweiten Kinofilms auch "The Wrath of CBS". Star Trek war für das Studio Gift und so behandelte man es auch.
