Star Trek ohne Star Trek: Was tun, wenn Sendepause im All ist?

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Star Trek ohne Star Trek: Was tun, wenn Sendepause im All ist?
Quelle: Paramount

Star-Trek-Guru Sebastian Göttling (Trek am Dienstag) stellt die Frage aller Fragen: Was tun, wenn im All gerade tote Hose ist?

Als 2009 der erste neue Kinofilm von J. J. Abrams erschien, gab es einen Dämpfer für Pocket Books. Denn neben der Romanumsetzung des Films wurden auch vier eigenständige Romane mit den neuen Reboot-Charakteren geschrieben, dann jedoch auf Anweisung von Paramount zurückgehalten. Sie verschwanden daraufhin in der Schublade und nur zwei von ihnen erschienen 2020 mit mehr als einem Jahrzehnt Verspätung.

Der Grund dafür war, dass man gar nicht wusste, was im zweiten oder dritten JJ-Kinofilm mit den Charakteren passieren sollte und so zog man die Carte blanche, die sämtliche Relaunches überhaupt erst möglich gemacht hatte, zumindest für das Kelvin-Reboot-Universum wieder zurück.

Und das, obwohl sich die unveröffentlichten Romane durchaus an die Status-Quo-Regel hielten, die in den 80ern und 90ern gegolten hatte. Von da an und nach dem Höhepunkt "Destiny" gingen die Romane in den gemächlichen Sinkflug.

Und in Deutschland? Na, da beendete der Heyne-Verlag, eigentlich seit jeher der deutsche Star-Trek-Verlag, seine Lizenz ausgerechnet im Jubiläumsjahr 2006.

Zwei Jahre lang war die Lizenz in der Schwebe, bis Cross Cult schließlich im Jahr 2008 übernahm. Die Bücher waren nun edler aufgemacht mit schönen, neuen Cover-Abbildungen, aber auch deutlich teurer. Ein Zeichen dafür, dass sich Star Trek ebenfalls in Deutschland vom Mainstream in die Nische begab.

1969 - Abschied (vorerst) von Captain Kirk und Beginn der ersten, großen Sendepause Quelle: Paramount 1969 - Abschied (vorerst) von Captain Kirk und Beginn der ersten, großen Sendepause Was für mich ab dem Jahr 2006 wieder zu meinem Fan-Leben gehörte, nachdem ich zuvor eine längere Pause eingelegt hatte - die Star-Trek-Müdigkeit eben - war mein jährlicher Besuch bei Deutschlands bedeutendster Star-Trek-Convention, der FedCon. Auch diese Veranstaltung befand sich in der großen Sendepause mehr oder minder in der Nische.

Man möge sich die Hochkarätigkeit der Stars im 45. Jubiläumsjahr auf der Zunge zergehen lassen: Die 20. FedCon im Frühjahr 2011 hatte unter ihren zahlreichen Gästen Scott Bakula aka Captain Archer aus Enterprise. Ein paar Monate später, im September, folgte eine Sonderausgabe der Convention, die sogenannte Captains Table, mit Patrick Stewart, Avery Brooks und Kate Mulgrew.

Wiederum acht Monate später dann die FedCon 21, bei der unter den sieben anwesenden Star-Trek-Schauspielenden niemand Geringeres als William Shatner der Headliner war. Innerhalb von etwas über einem Jahr also konnte man auf deutschen Convention-Bühnen sämtliche Captains sehen.

Doch waren die Veranstaltungen entsprechend überrannt und platzten so aus allen Nähten, wie beispielsweise meine erste Federation Con, die ich 1997 besuchte? Tatsächlich nicht. Die drei Veranstaltungen waren okay-ish besucht, doch auch hier hatte sich eine gewisse Gleichgültigkeit unter den Fans eingeschlichen.

Es schien nur noch ein harter Kern zu sein. Ich und meine Nerd-Freunde waren zwar stets begeistert am Start, doch wenn wir uns umblickten, kamen wir zu dem Schluss: immer die gleichen Gesichter. Und die dachten wahrscheinlich selbiges über uns. Bekannte Unbekannte, alle gemeinsam in der Nische. "Wir halten das gemeinsam durch, bis irgendwann neues Star Trek kommt."

Machen wir von 2011 aus eine Zeitreise, über vierzig Jahre zurück. In den 50ern und 60ern war das größte Fernseh-Genre in den USA der Western. "Wagon Train", "Rawhide" (Tausend Meilen Staub), "Gunsmoke" (Rauchende Colts), "Bonanza" und viele mehr, you name it. Und jetzt kommt's: Die Medienmüdigkeit wurde nicht erst für Star Trek im Jahr 2006 erfunden.

Es gab sie bereits rund um 1970 in Form der sogenannten Western-Fatigue. Unter anderem ausgelöst durch das Rennen zum Mond wurden Cowboys immer uninteressanter für das Fernsehpublikum. Da sollte man meinen, dass unter diesen Bedingungen die Sterne günstig standen für Star Trek und eine so bahnbrechende Science-Fiction-Serie umarmt wurde, als Western auf dem absteigenden Ast waren.

Doch paradoxerweise endete die Originalserie am 3. Juni 1969, einen guten Monat vor der Mondlandung von Apollo 11. Das lag daran, dass Star Trek dem Produktionsstudio (zuerst Desilu, dann Paramount) zu teuer war, dass es einen schlechten Sendeplatz auf NBC hatte, dass es als sehr nischig wahrgenommen wurde. Zu dieser letzten Reise von Captain Kirk und der ersten Mondlandung schrieb ich letztes Jahr einen Artikel.

Die Syndication-Wiederholungen kurbelten das Phänomen Star Trek erstmals an. Quelle: Paramount Die Syndication-Wiederholungen kurbelten das Phänomen Star Trek erstmals an. Als klassisches Star Trek schließlich abgesetzt wurde, folgte die erste große Sendepause, eine Dekade lang von 1969 bis 1979, insofern man die Trickserie nicht berücksichtigt. Doch bereits Ende 1969 wurde Star Trek an Syndication verkauft, das heißt, dass die Senderechte an US-weit zahllose Lokalsender lizenziert wurden. Diese konnten die Serie für relativ kleines Geld senden und Werbeeinnahmen generieren.

Das ging nur langsam los, was dazu führte, dass Star Trek zu Beginn dieser Wiederholungen immer noch nicht sonderlich beliebt bei Paramount war. Das Studio bot deswegen im Jahr 1970 dem Erfinder Gene Roddenberry sogar an, die kompletten Rechte der Serie zu erwerben für einen Betrag irgendwo zwischen 100.000 und 150.000 Dollar.

Hätte Roddenberry dieses Geld damals in der Portokasse gehabt und somit die alleinige Kontrolle über seine Schöpfung erlangt, würden wir heute in einem Paralleluniversum leben, in der die Geschichte des Franchise komplett anders verlaufen wäre.

So aber blieb Star Trek aber bei Paramount und lief auf Lokalsendern in Dauerschleife, was dem Fandom allmähliche Beschleunigung verschaffte. Aktive und organisierte Fans gab es übrigens bereits, noch während die Originalserie gelaufen war.

Es gründete sich damals das sogenannte Star Trek WelCommittee, ein Informationszentrum und Netzwerk vornehmlich weiblicher Fans. Außerdem wurde das erste Fanzine Spockanalia herausgegeben, worin es vor allem Fanfiction zu lesen gab - die Relaunch-Storys der Vergangenheit, geschrieben von Amateuren.

Und während die Hardcore-Fans fleißig waren, damals übrigens in enger Zusammenarbeit mit Gene Roddenberry selbst, der auf diesem Wege die Flamme am Lodern hielt, gab es unablässig jeden Wochentag überall in den USA Star Trek zu sehen. Immer dieselben 79 Episoden, alle 16 Wochen wieder von vorn, niemals eine Sendepause in der Sendepause.

Eine gute Gelegenheit, um über die damaligen Sendepausen in Deutschland zu sprechen. Hierzulande lief alles viel, viel langsamer. Ab dem 27. Mai 1972 kam "Raumschiff Enterprise" auf dem ZDF im Kinderprogramm, allerdings bis März 1974 gerade einmal 39 Folgen, etwa die Hälfte der Serie.

Dann folgte 1976 auf dem ZDF die Zeichentrickserie, aber immer noch nicht die fehlenden "echten" Episoden. Die 39 bisher gezeigten wurden auf dem ZDF in drei Sendestaffeln wiederholt: 1978/79, 1979/80 und 1982.

Erst 13 Jahre, nachdem die letzte erstausgestrahlte Folge auf dem ZDF gelaufen war, übernahm SAT.1 die restlichen Serien der Originalserie und zeigte diese vom 27. Mai 1987 bis zum 13. Juni 1988 - alle bis auf die berüchtigte Nazi-Folge. Wohlgemerkt: Als die Ur-Serie in Deutschland endlich komplettiert wurde, gab es bereits vier Star-Trek-Kinofilme.

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