Star Trek ohne Star Trek: Was tun, wenn Sendepause im All ist?

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Star Trek ohne Star Trek: Was tun, wenn Sendepause im All ist?
Quelle: Paramount

Star-Trek-Guru Sebastian Göttling (Trek am Dienstag) stellt die Frage aller Fragen: Was tun, wenn im All gerade tote Hose ist?

Doch was nach Chaos klingt, war ganz anders. Es gab keinen Streit, keine Zwischenfälle, "nur Liebe". Vom sechs Wochen jungen Baby-Fan bis zur nächsten 82 Jahre alten Oma. Wann immer einer der Organisatoren überfordert aussah, wurde sofort Hilfe angeboten.

Als Wunder bezeichnet Winston, dass sich das Organisationsteam nach diesem chaotischen Wochenende immer noch bestens verstand. Es kam in den Jahren darauf sogar zu zwei Eheschließungen.

Eine mittlere Katastrophe war jedoch, dass aus einer NASA-Ausstellung im Händlerraum der 2000 Dollar teure Original-Handschuh eines Apollo-Raumanzugs gestohlen wurde. Großes Aufatmen, als die NASA einen Brief schrieb: "Macht nichts, die Berichterstattung von eurer Veranstaltung ist uns Millionen wert."

Im Juni 1972 dann, einige Monate nach der Convention, bemerkte Dorothy Fontana, die auch Büroarbeiten für Roddenberry erledigte, einen sprunghaften Anstieg in Quantität und auch Qualität der Fanpost. In einem Memo stellte sie darauf hin zur Diskussion: Wie wäre es mit einer neuen Serie oder einem Film? Was am 8. September 1973 folgte, war immerhin die 22-teilige Star-Trek-Zeichentrickserie, für die Fontana federführend war.

Von nun an überschlugen sich die Ereignisse. Gene Roddenberry versuchte parallel, zahlreiche Nicht-Star-Trek-Pilotfilme an den Start zu bringen. Alles prima Science-Fiction-Stoff, doch aus keinem wurde etwas, denn die Fans wollten Star Trek von Roddenberry, nichts anderes.

Dabei kopierte er sich mitunter sogar selbst, denn unter diesen Pilotfilmen zeigten sowohl "Genesis 2" als auch "Planet Earth" eine dystopische Erde im Jahr 2133. (Von wegen "Roddenberry ist immer utopisch"). Außerdem erfand er in "The Quester Tapes" einen Androiden, dessen Konzept er ein Jahrzehnt später bei der Next Generation als Data recycelte.

1979 endete die erste, große Sendepause mit Robert Wises spektakulärem Kinofilm. Quelle: Paramount 1979 endete die erste, große Sendepause mit Robert Wises spektakulärem Kinofilm. Bei Paramount hingegen hatte Charlie Bluhdorn, einer der CEOs, ab 1974 aufgrund der Syndication-Ausstrahlung immer mehr Dollarzeichen vor Augen. Intern bat er darum, einen Star-Trek-Film in Prä-Produktion zu nehmen. Das war gerade einmal auf halber Strecke der Sendepause zwischen 1969 und 1979.

Es begannen unterschiedlichste Fehlstarts und Planänderungen: Ein Fernsehfilm, dann doch eine Fernsehserie mit dem Titel "Star Trek: Phase 2", die einen Paramount-eigenen Sender vom Stapel lassen sollte, dann ein Kinofilm. Viele unterschiedliche Story-Konzepte wurden hin und her geworfen.

Als dann im Jahr 1976 das zehnte Jubiläum der Serie war, fand keine offizielle Feier statt. Zu dem Zeitpunkt war der Name des Kinofilms "Planet of the Titans" - eine sehr düstere und brutale Geschichte aus der Feder von Philip Kaufman, der das 1978er-Remake von "Invasion of the Body Snatchers" (Die Körperfresser kommen) inszenierte. Man sollte noch mehrere Male den Kurs ändern.

Wie konnten in dieser ersten, großen Sendepause die Fans eigentlich die Star-Trek-Folge ihrer Wahl konsumieren, wenn sie nicht just an dem Tag in Syndication lief?

Es gab immerhin keine Videorekorder - die ersten Geräte erschienen zwar Ende der 1970er-Jahre, waren aber unfassbar kostspielig - von DVD-Playern und Streaming ganz zu schweigen. In diesem analogen und vorsintflutlichen Zeitalter war man angewiesen auf die von James Blish als Kurzgeschichten in Buch-Sammelbänden veröffentlichten Novelizations der originalen 79 Episoden.

Außerdem gab es zwölf ausgewählte Episoden als sogenannte Foto-Novels. Das waren viele tolle Originalfotos aus der Serie, zum Comic umgestaltet durch das Hinzufügen von Sprechblasen. Und na ja, zahllose Fans setzten sich mit Tonbandgerät und Mikrofon vor den Fernseher. Tag für Tag für Tag, um so nach 16 Wochen alle 79 Episoden wenigstens als dauerhafte Tonaufnahmen zu haben.

Apropos Ton: Im Jubiläumsjahr 1976 erschien die Schallplatte "Inside Star Trek", die das Convention-Gefühl in Fan-Wohnzimmer brachte. Darauf enthalten waren zahlreiche Interviews mit Gene Roddenberry und den Schauspielenden, die salbungsvolle Worte über das Phänomen Star Trek verloren.

Außerdem entwickelten sich Roddenberry und seine Sekretärin/Geliebte Susan Sackett nicht nur zu Dauergästen auf Conventions und in College-Hörsälen, sie hielten auch unermüdlich die Kommunikation mit den Fans aufrecht. Komplett analog, versteht sich. Abertausende Briefe, die auch heute immer noch im Roddenberry-Nachlass lagern, wurden damals beantwortet.

Alle persönlich, viele mit erfüllten Autogrammwünschen. Das legendäre Buch "Letters to Star Trek", das nur wenige Jahre vor dem ersten Kinofilm erschien, gibt einen wunderbaren und humorvollen Querschnitt durch die Einsendungen und Antworten. Eine bunte Mischung, die zeigt, wie begeistert die Fans waren und mit wie viel Freude Roddenberry und Sackett reagierten. Und immer die Ermutigung: "Star Trek wird zurückkehren!"

Das Schwesterbuch davon ist ein Band, dessen Titel er gemeinsam hat mit den restlichen Conventions der 1970er. Eine Parole, die die Stimmung der Sendepause zwischen 1969 und 1979 bestmöglich beschreibt: "Star Trek Lives!". In zahlreichen langen Essays wurde die Faszination der Serie von den professionellen Fans des WelCommittee genau untersucht.

Unter anderem wurde die immer heißer kochende Begeisterung auf mehrere Effekte zurückgeführt, denen jeweils eigene Kapitel gewidmet waren. Da gab es den Entdeckungseffekt und den Optimismus-Effekt - und sogar den Spock-Charisma-Effekt. Ein spannendes Zeitdokument und ein tiefer Einblick in die Fan-Seele der damaligen Zeit. Eigentlich das erste Mal, dass untersucht wurde, warum eine Fernsehserie zum Medienphänomen wurde.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk