Star Trek ohne Star Trek: Was tun, wenn Sendepause im All ist?

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Star Trek ohne Star Trek: Was tun, wenn Sendepause im All ist?
Quelle: Paramount

Star-Trek-Guru Sebastian Göttling (Trek am Dienstag) stellt die Frage aller Fragen: Was tun, wenn im All gerade tote Hose ist?

Das wohl erschreckendste Beispiel dafür war ein kulturelles Event, das oberflächlich betrachtet eher positiv wirkte. Denn pünktlich zum 40. Jubiläum ging eine Ausstellung auf Weltreise, die zuallererst in Deutschland Halt machte, genauer gesagt im Mai 2006 auf der FedCon in Fulda.

Zu sehen waren jede Menge Kulissen, Kostüme und Requisiten, nicht nur aus 18 Jahren Berman-Trek, sondern auch aus allen bisher entstandenen zehn Kinofilmen und sogar aus der Originalserie. Historisches Material, für Fans zum Greifen nahe.

Klingt toll, nur waren diese wunderbaren Schätze mit einem Hintergedanken unterwegs. Ihre Endstation war New York, genauer gesagt das Auktionshaus Christie's, wo alles akribisch fotografiert, mit Beschreibungstexten versehen und preislich abgeschätzt wurde. Die zwei dicken Auktionskataloge, die all das füllte, sind ein Schatz für sich.

Ja, richtig gelesen: An drei Tagen im Oktober 2006 kam ganz Star Trek unter den Hammer. (Avery "Captain Sisko" Brooks, von dem just zu der Zeit ein Interview in Manhattan gedreht wurde, stattete der Veranstaltung auch einen raschen Besuch ab.) Was einst eine stolze, gehegte und gepflegte Sammlung in den Paramount-Lagerhallen war, das hatte in den Augen von CBS keinen erhaltenswürdigen Status über den Sammlerwert hinaus.

Man wollte Star Trek so schnell wie möglich loswerden, alles ausverkaufen. Alle Assets liquidieren, die zu liquidieren waren. Nahezu der gesamte Fundus wechselte den Besitz von den Schöpfern hin zu privaten Sammlern, für immer verborgen vor der Öffentlichkeit. Ein anderer Paramount-Held, Indiana Jones, hätte gesagt: "Das gehört in ein Museum!"

Ausverkauf des kompletten Star-Trek-Fundus beim Auktionshaus Christies Quelle: Repro Sebastian Göttling Ausverkauf des kompletten Star-Trek-Fundus beim Auktionshaus Christies Im nahezu selben Atemzug, im Juni 2006, verkaufte CBS "Star Trek: The Experience" in Las Vegas an die Firma Cedar Fair. Bei der Experience handelte sich um einen Indoor-Freizeitpark im Stile von Star Trek, speziell gebaut für das Hilton-Hotel.

Ein millionenschweres und preisgekröntes Projekt, bestehend aus zwei interaktiven Fahrgeschäften - "Klingon Encounter", ein Motion-Ride komplett mit einer Enterprise-Brücke der Next Generation, und eine an Voyager angelehnte Kino+-Erfahrung namens "Borg Invasion 4-D" - sowie einer Mall, die gestaltet war wie die Promenade von Deep Space Nine.

Entlang der Warteschlangen und in der Mall waren ebenfalls viele Originalrequisiten und Kostüme zu sehen. Zwei Jahre nach dem Aufkauf schloss Cedar Fair die Experience im Hilton, wollte sie renovieren und an anderer Stelle wieder eröffnen, doch die globale Banken- und Finanzkrise der späten Nuller Jahre vereitelte dies.

Irgendwann war Cedar Fairs Lizenz abgelaufen und die Reste der Experience waren nichts als unnütze Möbel für den Investor. Die Enterprise-D-Brücke ging zurück an Paramount, und was mit allem anderen geschah, ist unbekannt.

Genug Schauergeschichten. In diesen äußerst düsteren Jahren existierte Star Trek doch in gewisser Weise weiter. Denn ab Ende 2005 gab es, wie bereits erwähnt, Star Trek komplett auf DVD. In der langen Wartezeit bis zur nächsten Fernsehserie im Jahre 2017 sollte sich Streaming entwickeln und durchsetzen, wo ebenfalls alles verfügbar ist.

Nicht nur ich, sondern gewiss auch Abertausend andere Fans, unternahmen in diesen Jahren ohne neues Star Trek im privaten Rahmen einen Rewatch nach dem anderen. Nur: Dabei handelte es sich um Fans, nicht aber um die Normalsterblichen, welche die Next Generation in den frühen 90ern genauso begeistert hatte. Für den Rest der Welt geriet Star Trek immer und immer mehr in Vergessenheit. Eine Reise in die Nische.

Was nicht heißt, dass Star Trek in dieser Nische nicht florierte. Ein gutes Beispiel dafür waren die von Pocket Books veröffentlichten Star-Trek-Romane. Noch während Enterprise lief, war CBS schon auf Distanzkurs zu den abgeschlossenen Serien.

Diese Gleichgültigkeit ging sogar so weit, dass man dem Verlag Unglaubliches gestattete und de facto sagte: "Wir werden mit diesen Charakteren nie wieder irgendetwas machen, also dürft ihr deren Lebensgeschichten in Buchform weitererzählen." Eine erstaunliche Entscheidung, die in den Jahrzehnten davor ein großes No-Go gewesen war.

Ausverkauf des kompletten Star-Trek-Fundus beim Auktionshaus Christies Quelle: Repro Sebastian Göttling Ausverkauf des kompletten Star-Trek-Fundus beim Auktionshaus Christies Da hatte noch jeder Roman dafür Sorge tragen müssen, dass keinem Charakter Bleibendes zustieß. Nach Zuklappen des Buchdeckels hatte der Status Quo wieder hergestellt zu sein.

Diese Sicherheit gab es nun nicht mehr. Hauptcharaktere durften sich verändern und sogar sterben. Welten, Raumschiffe und -stationen waren vor nichts mehr sicher. Diesen Freifahrtschein nutzte Pocket Books, um nach und nach alle möglichen Serien zu relaunchen, also zu erzählen, was mit dem Universum in den Jahren nach Berman-Trek weiter geschah.

Der Deep-Space-Nine-Relaunch begann 2001 als Erster, es folgte Voyager im Jahr 2003 und gewissermaßen die Next Generation im Jahr 2004. Dort jedoch zunächst mit der A-Time-to-Serie (Zeit des Wandels), welche in neun Büchern die Ereignisse zwischen dem neunten und zehnten Kinofilm aufrollte, um so den Teppich zu legen für weitere Abenteuer, die dann nach "Star Trek: Nemesis" stattfanden.

Außerdem lief mit "Star Trek: Vanguard" bereits seit 2005 eine eigenständige Serie mit völlig neuen Charakteren in der Ära der Originalserie als Mischung aus Politthriller und Action. Und nun, im 40. Jubiläumsjahr, kam schließlich Enterprise mit Relaunch-Romanen hinzu.

Doch da endete das Jubiläumsverlagsprogramm nicht. Der allererste eigenständige Pocket-Books-Roman, "The Entropy Effekt" (Der Entropie-Effekt) von 1981, wurde ebenso wieder aufgelegt wie drei weitere TOS-Evergreens aus dem umfangreichen Katalog.

Die Originalserie wurde zudem gebührend gefeiert mit der Roman-Trilogie "Crucible" (Feuertaufe), welche die Auswirkungen der wohl legendärsten Episode "The City on the Edge of Forever" (Griff in die Geschichte) auf die drei Hauptcharaktere McCoy, Spock und Kirk erzählte.

Und sogar dem allerersten Enterprise-Captain des gescheiterten Pilotfilms "The Cage" (Der Käfig), Captain Christopher Pike, wurde mit "Burning Dreams" von Margaret Wander Bonanno ein anrührendes Denkmal gesetzt.

Ein Hardcover mit dem Titel "Ships of the Line" veröffentlichte die wunderschönen Raumschiffbilder der gleichnamigen, jährlichen Kalenderserie und ein besonders dicker Schinken namens "Voyages of the Imagination" katalogisierte und kommentierte die 25-jährige Geschichte der kompletten Romanreihe.

Man kann sagen, dass in gedruckter Form nie mehr los war mit Star Trek als rund um das 40. Jubiläum. Selbst die goldene 50 geriet diesbezüglich zu einer ruhigeren Veranstaltung. Die gesammelten Relaunches gipfelten im Jahr 2008 im Mega-Cross-over "Destiny", das sämtliche Serien zusammenführte und ein für alle Mal die Geschichte der kybernetischen Borg - zumindest in Buchform - apokalyptisch zu Ende erzählte.

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