Star Trek TNG Staffel 7: Ein verrücktes Sommermärchen und ein fantastisches Finale

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Star Trek TNG Staffel 7: Ein verrücktes Sommermärchen und ein fantastisches Finale
Quelle: Paramount

Alle guten Dinge gehen zu Ende: Haus-und-Hof-Star-Trek-Guru Sebastian Göttling (Trek am Dienstag) blickt zurück auf die letzte Staffel von Star Trek TNG. Was für ein Finale!

Darüber hinaus gab es 1994 einen dieser sogenannten Jahrhundertsommer. Heutzutage, wo man sich des Klimawandels und seiner Folgen umso bewusster ist, ist dieser Begriff nicht mehr so ausschließlich positiv besetzt, wie er es vor dreißig Jahren war. Auch da hätte man schon ahnen können, dass irgendetwas merkwürdig war.

Denn der Sommer 1994 war in unseren Breitengeraden nicht nur mediterran, er war nahezu subtropisch, mit, wie ich es in meinen damaligen Aufzeichnungen nannte, Saharahitze, immer wieder unterbrochen von ungewöhnlichen heftigen Unwettern.

Reisen wir nun also in der Zeit zurück an diesen ersten Ferientag, an dem SAT.1 die erste Folge der siebten Staffel Next Generation ausstrahlte. Ich zitiere aus meinen eigenen Aufzeichnungen ...

Donnerstag, der 23. Juni 1994: Heute morgen stand ich um 7.45 Uhr auf. Ich machte dies und das, duschte und überspielte mir die TNG-Episoden "The Hunted", "The High Ground" und "Allegiance", während ich frühstückte.

Hier muss ich direkt unterbrechen. Dieser Sommer war, wie hier klar wird, nicht nur von komplett neuen Folgen geprägt, sondern auch von "neuen alten Folgen". Denn: Bei der Erstausstrahlung der frühen Next-Generation-Staffeln hatte ich längst nicht jede Episode aus dem Fernsehen aufgezeichnet. Der Grund dafür war schlichtweg, dass mein frühjugendliches Budget es nicht erlaubte, mir so viele leere Videokassetten zu kaufen, wie dafür nötig gewesen wären.

Nun aber konnte ich mein Zeugnisgeld (Notendurchschnitt 1,77, mein bester aller Zeiten) dafür verwenden, mir Videokassetten zuzulegen. Also hatte ich mir die von meinem lieben Freund Thorsten aufgenommenen Episoden ausgeliehen, um sie mir nachträglich zu überspielen und so die Lücken in meiner Sammlung zu schließen. Doch damit nicht genug der Star-Trek-Verrücktheiten, zurück in meine Aufzeichnungen ...

Im Zweiteiler Gambit (Der Schachzug) geht Captain Picard unter die Weltraumpiraten. Quelle: Paramount Im Zweiteiler Gambit (Der Schachzug) geht Captain Picard unter die Weltraumpiraten. Während des Überspielens von "Allegiance" klingelte es wie wild an der Tür. Es war der Postbote; bereits nach vier Tagen war ein Teil der Bestellung angekommen. Von meinen Sachen waren bereits das TNG-Rißzeichnungs-Poster, die kleine TNG-Enterprise und die Langfassung von STTMP da, die TNG-Crew-Tasse und die STTUC-CD fehlte noch. Thorsten rief ich zuerst an und verkündete ihm, daß zwar die STTMP-CD noch fehlte, aber die STTSFS-CD da sei. Simon war auch erfreut zu hören, daß seine kleine Enterprise da war und sein STTUC-Video noch nicht. Der einzige, der alles bekommen hatte, war Christian, auch er eine kleine Enterprise. Wenig später kamen meine Eltern nach Hause. Während ich nach dem Mittagessen nachsah, ob STTMP wirklich länger ist, kam Simon. Wir fanden heraus, daß viel mehr neue Szenen da sind und machten darauf dies und das. Um 16 Uhr nahmen wir jeder die TNG-Episode "Descent Part Two" auf.

Jede Menge Star-Trek-Merchandise hatten meine Freunde und ich also bei unserem Händler des Vertrauens bestellt (per Brief!), mehr Zeugnisbelohnung - und das Riesenpaket ging an mich, um Versandkosten zu sparen. Neben Mini-Enterprises und Soundtrack-CDs war allem voran die berühmt-berüchtigte ABC-Cut-Langfassung von Star Trek: The Motion Picture, denn dafür steht STTMP, auf britischer VHS enthalten.

Warum die besonders ist? Unter anderem davon handelte mein allererster Star-Trek-Retro-Artikel hier auf pcgames.de. Dass an dem Nachmittag der Staffelauftakt Descent, Part 2 (In den Händen der Borg, Teil 2) auf SAT.1 kam, das ist inmitten all dieses anderen Star-Trek-Zeugs fast schon nur eine Fußnote wert. Nicht anders verhielt es sich am nächsten Tag, den ich ebenfalls früh damit begann, besagte Langfassung auf VHS anzuschauen ...

Freitag, der 24. Juni 1994: Heute morgen stand ich um 8,30 Uhr auf. Ich duschte, frühstückte und sah mit einigen Unterbrechungen (mein Vater saugte Staub, Björn rief an, ich hatte Hunger.) die Langfassung von STTMP! Die war absolut super! Dann programmierte ich schnell die TNG-Episode "Liaisons" für heute nachmittag vor und suchte dann meine Busfahrkarte.

Was soll das eigentlich heißen, dass ich die Next-Generation-Episode "vorprogrammierte"? Nun, liebe jüngere Generation, damit wies ich meinen Videorekorder an, dass er am Nachmittag automatisch SAT.1 aufnehmen sollte - großräumig von 15:50 bis 17:10. Das war zu der Zeit Usus, wann immer ich nachmittags unterwegs war.

Weil es mir - und übrigens auch all meinen Freunden - sehr wichtig war, die Episoden ohne Werbepausen auf Video zu haben, ließ ich einen großen Batzen SAT.1-Nachmittagsprogramm aufzeichnen. Meistens noch am selben Abend schleppte ich meinen Rekorder ins Wohnzimmer, schloss ihn an den meines Vaters an und nutzte eine Verbindung per Scart-Kabel dazu, mir die Episode zu überspielen und dabei standbildgenau die Werbepausen zu entfernen.

Dass bei einer solchen "Zweitgenerationsüberspielaktion" die Bildqualität deutlich litt, das war meinen Freunden und mir damals weniger wichtig als die Werbefreiheit (heutzutage bin ich videophil und schätze selbst den Unterschied zwischen HD und 4K). Warum aber war ich an diesem Nachmittag nicht zu Hause? Nun, meine Eltern und ich fuhren einige Städte weiter in ein großes Möbelhaus, wo ich mir die Einrichtung für mein erstes eigenes, wirkliches Jugendzimmer aussuchen durfte.

Die Episode des Tages, Liaisons (Indiskretionen), war die eine Folge aus Staffel 7, die nicht richtig in diesen Text und seine Fortsetzung passt, denn, wie ich zeigen möchte, lassen sich sämtliche Episoden des finalen Jahres Next Generation in zwei Kategorien unterteilen, doch diese gehört als einzige weder in die eine noch in die andere.

Sie handelte davon, wie die Enterprise-Crew eine offizielle, diplomatische Begegnungswoche mit außerirdischen Delegierten feierte, doch die Aliens waren nicht das, was sie vorgaben zu sein. Sie benahmen sich bewusst daneben, um die Helden aus der Reserve zu locken, und eines von ihnen wurde zu Jean-Luc Picards beinahe schon stalkerhafter Entführerin.

Doch die bösen Absichten trogen ebenfalls, sie waren eine Lüge in einer Lüge. Eigentlich ging es ihnen - ganz klassisch star-trekkig - nur um Verständigung; sie wollten hautnah und aus interpersonellem Konflikt heraus mehr über die Menschheit erfahren.

Am nächsten Tag ließen mich langsam meine Freunde in den Sommerferien im Stich, denn Christian fuhr mit seinen Eltern am 25. Juni weg auf Holland-Urlaub, kehrte erst am 11. Juli zurück. Damit entgingen uns beiden einige gemeinsame Unternehmungen, doch schlimmer noch: Der arme Kerl verpasste zehn neue Next-Generation-Episoden.

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