Staffel 2 von Star Trek TNG: Streiks, Sturköpfe und Sternen-Storys

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Staffel 2 von Star Trek TNG: Streiks, Sturköpfe und Sternen-Storys
Quelle: Paramount

Teil 7 unserer Star-Trek-Retrospektive führt Autor Sebastian Göttling zurück auf den Fernsehbildschirm und in die zweite Staffel von The Next Generation!

Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt, denn einen Teil ihres schlechten Rufes hat die zweite Staffel der Next Generation tatsächlich verdient. Episoden wie "The Outrageous Okona" (Der unmögliche Captain Okona), in der ein 50-Pfennig-Han-Solo die Enterprise besucht und Data sich als Stand-up-Comedian betätigt, oder aber auch "Up the Long Ladder" (Der Planet der Klone), in welcher die Crew eine irische Bauernkolonie aufgabelt, die klischeebeladener kaum sein könnte, sind wirkliche Tiefpunkte der Staffel.

Den absoluten Qualitätsnadir erreichte man allerdings zum Staffelende. Maurice Hurley hatte die Nase endgültig voll von Gene Roddenberry und Konsorten, war komplett ausgebrannt und schmiss eine Episode vor Schluss hin. Hurley hinterließ aber noch eine Episodenidee, die man besser hätte sein lassen. Um den 22. und letzten Programmslot zu füllen, aber gleichzeitig so gut wie überhaupt kein Geld mehr auszugeben - denn spektakuläre Episoden wie das Borg-Debüt oder auch das viktorianische London, welches für eine Sherlock-Holmes-Episode aufgebaut wurde, hatten unstopfbare Löcher ins Budget gefressen -, war Hurleys Abschiedsgeschenk an die Next Generation eine Sparnummer, eine sogenannte Clipshow, wie man sie hauptsächlich von Sitcoms kennt: Charaktere sitzen um einen Tisch und erinnern sich an alte Episoden - "weißt du noch, als Lucky weglief und wir alle Alf beschuldigten?" -, und das wird zum Anlass genommen, um zahlreiche Ausschnitte aus vorangegangenen Folgen einzuspielen.

Die dürftige Rahmenhandlung von "Shades of Gray" (Kraft der Träume) ist, dass Will Riker lebensgefährlich verletzt wird und man ihn nur heilen kann, indem man in ihm gute oder aber auch schlechte Erinnerungen hervorruft.

Wie sehr über die Szenenzweitverwertung hinaus hier gespart wurde, erkennt man daran, dass die Handlung nur auf einem mickrigen Dschungelplaneten-Set, im Transporterraum und auf der Krankenstation spielt. Nicht einmal die Brücke oder der Maschinenraum wurden für die Filmaufnahmen dieser Episode in Betrieb genommen.

Auch Hauptcharaktere wie Worf und Wesley Crusher fehlen gänzlich, der einzige Gaststar ist Colm Meaney als Transporterchief O'Brien. Eigentlich ist die Episode eine Unverschämtheit - und doch hatte sie für mich damals einen gewissen Wert, als das ZDF sie am 26. Juni 1992 erstmals ausstrahlte.

Denn ich war ja erst zu Ende der ersten Staffel Fan geworden und hatte es mir auch nicht vor Mitte der zweiten Staffel zur Gewohnheit gemacht, die Episode der Woche auf Videokassette aufzunehmen. So "schenkte" mir "Shades of Gray" also etliche Ausschnitte aus verpassten Folgen. Das feierte ich damals ziemlich ab, doch diesen Wert hat die Folge selbstverständlich längst verloren.

Obwohl: "Shades of Gray" führte auf verschlungenen Umwegen ebenfalls dazu, dass ich mir meine allererste eigene, englische VHS-Kaufkassette von Star Trek besorgte.

Eine irische Bauernkolonie mit allem Drum und Dran übernimmt den Enterprise-Frachtraum. Quelle: Paramount Eine irische Bauernkolonie mit allem Drum und Dran übernimmt den Enterprise-Frachtraum. Doch diese Geschichte ist kompliziert und verworren, gehört hier nicht hin und kann als Videovortrag mit dem Titel "Die beste schlechteste Star-Trek-Episode" auf dem YouTube-Kanal von "Trek am Dienstag" angeschaut werden, dem Star-Trek-Podcast, den ich wöchentlich mit meinem Co-Podcaster Simon Fistrich moderiere.

Ein letztes Mal blicken wir zurück in die 1989er Paramount Studios. Nachdem fast alle anderen Autoren gegangen waren, war nun also auch Häuptling Maurice Hurley fort. Gene Roddenberry blieb in seinem Büro sitzen, war aber leider von Monat zu Monat zu weniger zu gebrauchen.

Die einzige überlebende Autorin der zweiten Staffel, die sich in die dritte hinüberrettete, war Melinda Snodgrass. Statt eines Autorenstreiks drohte der Next Generation beim Weg in Staffel 3 nun die Führerlosigkeit.

In den Einschaltquoten und in der Gunst der Fans wurde "Star Trek: The Next Generation" zum Einstieg in die Sommerpause noch immer sehr wechselhaft gesehen und auch William Shatners qualitativ durchwachsener Kinofilm "Star Trek 5: The Final Frontier", der kurz vor Ende von Staffel 2 in die Kinos kam, änderte nicht viel an der negativen Grundeinstellung dem Franchise gegenüber. Ein neuer Chef musste her, der das Ruder herumriss. Dringend! Fortsetzung folgt.

Sebastian Göttling, Jahrgang 1978, ist Co-Moderator von Deutschlands beliebtestem Star-Trek-Podcast "Trek am Dienstag". Er forscht beharrlich auf den Retro-Gebieten Film und Fernsehen im Allgemeinen, Star Trek im Besonderen, Kultur- und Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts zwischen Space-Race und Mauerfall, Medienentwicklung, Kunst und Kommerz.

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