Staffel 2 von Star Trek TNG: Streiks, Sturköpfe und Sternen-Storys

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Staffel 2 von Star Trek TNG: Streiks, Sturköpfe und Sternen-Storys
Quelle: Paramount

Teil 7 unserer Star-Trek-Retrospektive führt Autor Sebastian Göttling zurück auf den Fernsehbildschirm und in die zweite Staffel von The Next Generation!

Diese barsche Art vergrätzte aber auch einige Kollegen, so kam beispielsweise Script Editorin Hannah Louise Shearer überhaupt nicht mit Hurley klar und wird auch bis heute nicht müde, das zu erzählen. Ebenso stritten sich Jungautor Tracy Tormé und Hurley ständig, denn Tormé wollte gerne mehr freakige Horrorgeschichten erzählen oder auch Episoden mit zynischem Ende à la "Twilight Zone" - und das missfiel Hurley. Der größte Krach zwischen den beiden ereignete sich gegen Ende der ersten Staffel bei "Conspiracy" (Die Verschwörung), doch der Chef blieb auf Konfrontationskurs und pfuschte Tormé in jede seiner Episoden der zweiten Staffel hinein, entriss sie ihm und unternahm umfassende Rewrites, welche die Folgen deutlich harmloser ausfallen ließen. Entnervt kündigte Tracy Tormé schließlich.

Nach jahrzehntelanger Spekulation gilt es mittlerweile auch als erwiesen, dass ein weiterer großer Streit zwischen Maurice Hurley und Doctor-Crusher-Darstellerin Gates McFadden geherrscht hatte. Hurley konnte sie auf den Tod nicht ausstehen und ließ sie das bei jeder Gelegenheit spüren. Als feststand, dass Hurley zu Beginn der zweiten Staffel das Ruder übernehmen würde, kam es zum Bruch und McFadden verließ die Serie - auch, wenn immer noch nicht bekannt ist, ob sie gefeuert wurde oder kündigte. Damals dachte McFadden noch, es handelte sich um ihren endgültigen Abschied, doch es sollte nur eine einjährige Pause werden.

Ihre Ersatzfrau war Diana Muldaur als Doctor Katherine Pulaski - ein Charakter, der ähnlich grummelig angelegt wurde wie Chef Hurley selbst. Diese Charakterisierung war durchaus geplant, denn man wollte den griesgrämigen Spirit des Doctor McCoy aus der Originalserie wieder einfangen.

Konfliktpotenzial gab es dadurch jedoch hauptsächlich unter den SchauspielerInnen, denn Veteranin Muldaur, die bereits Gastrollen in zwei Episoden der Originalserie hatte, bekam als "Special Guest Star" ein wertvolleres Billing - so nennt sich die Hackordnung unter den Schauspielenden - als ihre Kolleginnen und Kollegen und damit verbunden auch eine deutlich höhere Gage. Sie fühlte sich als Außenseiterin und schloss lediglich mit Worf-Darsteller Michael Dorn etwas, was einer Freundschaft ähnelte.

Die Enterprise in einer fatalen Zeitschleife Quelle: Paramount Die Enterprise in einer fatalen Zeitschleife Unter Fans ist Doctor Pulaski vor allem umstritten, weil sie in ihren frühen Episoden sehr harsch und kritisch mit Data umgeht, eben um die ständigen Zankereien zwischen McCoy und Spock wieder aufleben zu lassen. Doch im Gegensatz zu Spock war Data kein mit allen Wassern gewaschener Vulkanier, sondern ein eher kindlich-unschuldiger Charakter, was die Sticheleien der Doctor Pulaski zu einem echten Sympathieproblem des Charakters werden ließ.

Die Autorinnen und Autoren, die eigentlich einen langsamen und sorgsamen Story-Arc erzählen wollten, in dem sich Pulaski und Data Schritt für Schritt aufeinander zubewegen, verloren aufgrund der Rückmeldungen die Nerven, hörten auf, das Long Game zu spielen, und ließen daraufhin Pulaski quasi über Nacht freundlicher agieren.

Doch da war es schon zu spät: Viele Fans hatten dem Charakter gegenüber bereits ein für alle Mal eine ablehnende Haltung eingenommen. Bis heute jedoch gibt es auch Fürsprecher, die den unbequemen Charakter der Pulaski für interessanter halten als die glatt gebügelte und mitunter etwas biedere Beverly Crusher - ein Eindruck, den ich durchaus teile.

Apropos Data-Ablehnung: Der beliebte Androide wird in Staffel 2 beinahe von einem fiesen Kybernetiker deaktiviert und auseinandergenommen, um eine ganze Armee von Datas zu konstruieren. Verhindern kann dies nur eine von Captain Picard spontan anberaumte Gerichtsverhandlung, in der die Persönlichkeitsrechte der kybernetischen Lebensform Data geklärt werden.

"The Measure of a Man" (Wem gehört Data?) ist eine Star-Trek-Episode, wie sie klassischer kaum sein könnte und in der die SciFi-Handlung verwendet wird, um gleichnishaft ethisch-moralische Fragestellungen zu diskutieren und so die Zuschauenden tatsächlich zum Nachdenken anzuregen.

Es ist eine dieser Episoden ganz ohne Raumschlachten und Spezialeffektgewitter, stattdessen ein knisterndes Courtroom Drama, das in der Lehrmeinung die erste Episode der Next Generation "für die Ewigkeit" darstellt. Heutzutage wirkt sie in manchen Details vielleicht etwas angestaubt, ist aber in der Frage, wie der Mensch mit künstlicher Intelligenz umzugehen hat, 2023 so brandaktuell, wie man sich im Februar 1989 nicht zu träumen gewagt hätte.

Doch auch damals ahnten manche aus dem TNG-Team bereits, dass sie eine wirklich wichtige Episode produziert hatten. Denn der Rohschnitt selbiger war 64 Minuten lang, deutlich zu umfangreich für das Next-Generation-Gardemaß von 45 Minuten inklusive Vor- und Abspann.

Doch bevor die notwendigen Schnitte vollzogen wurden, erstellte Grafikdesigner Michael Okuda klammheimlich einen VHS-Abzug dieser längeren Fassung und schenkte ihnen Melinda Snodgrass, der Autorin von "The Measure of a Man". Dieser exklusiven Director's Cut, von dem es anno 1988 nur diese eine einzige Version gab, lag ein knappes Vierteljahrhundert bei Snodgrass zu Hause im Schrank.

Als sie 2011 davon hörte, dass die Next Generation in High Definition remastered wurde, schickte sie ihre Privatkassette an Paramount, mit der Idee, dass man sie vielleicht als Blaupause benutzen könne, um die originale, über eine Stunde lange Fassung der Episode zu rekonstruieren.

Tatsächlich machte man in den Archiven Paramounts alle entsprechenden Original-Filmschnipsel ausfindig und so gibt es auf den Blu-Rays von Staffel 2 exklusiv - und bis heute bei keinem einzigen Streaming-Anbieter - die erstmals vollständig durchproduzierte Version dieser Langfassung. Ein echtes Geschenk - und dann auch noch bei einer solch bedeutenden Episode!

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