Rückblick auf Star Trek TNG Staffel 7: We Are Family - ein trauriger Abschied

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Rückblick auf Star Trek TNG Staffel 7: We Are Family - ein trauriger Abschied
Quelle: Paramount

Alles hat ein Ende, auch die vielleicht beste Star-Trek-Serie aller Zeiten. Star-Trek-Guru Sebastian Göttling macht den Vorhang zu und sagt, was Staffel 7 so besonders gemacht hat. Teil 2!

Seinen Quasi-Sohn Wesley Crusher verabschiedete Picard dann in der Episode Journey's End (Am Ende der Reise). Eigentlich hätte das auch eine Beverly-Crusher-Episode sein sollen, immerhin war Wesley ihr leiblicher Sohn, doch die Beziehung zwischen Mutter und Wes war die ganze Serie über immer merkwürdig linkisch, mit wenig Chemie inszeniert worden.

Sie wirkten niemals so, als wären sie wirklich miteinander verwandt. Die Vater-Sohn-Beziehung zwischen Picard und dem Filius seines verstorbenen Kumpels Jack war stets die wichtigere und - nach anfänglichen Schwierigkeiten - wärmere. Möglicherweise war Picard ja sogar der eigentliche Vater von Wesley, denn streng genommen konnte man sich nur bei der Mutter hundertprozentig sicher sein - und immerhin kannten sich Beverly und Jean-Luc bereits seit mehreren Jahrzehnten.

Auch in Journey's End musste Wesley losgelassen werden, denn seine Zukunft lag nicht bei der Sternenflotte, er war zu Überdimensionalerem berufen und folgte dem mysteriösen Reisenden, mit dem er bereits in Staffel 1 Kontakt hatte, auf eine höhere Bewusstseinsebene. Ratlos musste Picard sich eingestehen, dass sein Zögling Wesley wahrscheinlich nie gemacht war für diese Galaxie.

Neben LeVar Burton war übrigens Wesley-Darsteller Wil Wheaton der andere Schauspieler, der bereits vor der Next Generation überaus bekannt war, denn er war ein Kinderdarsteller in der Stephen King-Verfilmung Stand By Me (Das Geheimnis eines Sommers) gewesen.

Ferengi Bok will Rache - doch ist Jason Vigo wirklich der Sohn des Captain Picard? Quelle: Paramount Ferengi Bok will Rache – doch ist Jason Vigo wirklich der Sohn des Captain Picard? Auch die Episode Bloodlines (Boks Vergeltung) war die Fortsetzung einer Geschichte aus Staffel 1 und zog abermals die Verbindung zur Stargazer, Picards Kommando vor der Enterprise - just das Schiff, auf dem es zum Tod von Jack Crusher kam, doch das war hier eher Nebensache. Der bereits vor sechs Jahren rachsüchtige Ferengi Bok kehrte abermals zurück, um seinem Erzrivalen Jean-Luc Picard eins auszuwischen.

Sein wahnwitziger Plan war es, dem Sohn einer ehemaligen Liebschaft von Picard, genauer gesagt dem jungen Jason Vigo, Picardsche DNS einzupflanzen und ihn dann genau so umzubringen, wie Picard seinerzeit bei der Schlacht von Maxia den Sohn Boks unabsichtlich aus dem Leben befördert hatte. Im Set-up und in der Ausführung war die Episode genauso merkwürdig, wie ihre Beschreibung klingt.

Kein besonders gelungener Eintrag in der siebten Staffel, aber auch hier sahen wir in den abschließenden Szenen wieder einen Picard, der angesichts des jungen Vigo, der sich nun doch nicht als sein Sohn herausgestellt hatte, darüber sinnierte, dass er möglicherweise niemals eigenen Nachwuchs haben würde.

Wann immer ihm eine Tochter oder ein Sohn auch nur im übertragenen Sinne in Aussicht gestellt wurde, da wurden sie ihm wieder genommen, und ihm blieb nichts weiter übrig, als nachdenklich-traurig in seinen Earl Grey zu starren.

Die letzte der Picard-Vaterschaftsepisoden und zugleich auch die vorletzte der gesamten Staffel war Preemptive Strike (Die Rückkehr von Ro Laren). Hier kehrte das überaus beliebte, gerne mal unbequeme Crewmitglied der Enterprise-D, erstmalig eingeführt in Staffel 5, zum letzten Mal zurück in die Serie.

Genau wie ihre Mit-Bajoranerin Sito Jaxa war auch Ro eine junge Offizierin, in der Captain Picard großes Potenzial erkannt und als deren Förderer und Mentor er sich über alle Maßen eingesetzt hatte; nur, dass die Vater-Tochter-Gefühle in dieser Episode noch viel stärker zutage traten.

Die Episode setzte allerdings keinen sonderlich großen Fokus auf Picard, sondern begleitete vielmehr Ro Laren, die auf geheime Mission ging und sich im Laufe der 45 Minuten mit denen anfreundete, die sie eigentlich hatte unterwandern sollen: den rebellischen Maquis - hier also schon eine Vorbereitung für Star Trek: Voyager.

Ro, deren Volk ohnehin jahrzehntelang Freiheitskämpfende gegen die Cardassianer gewesen waren, sympathisierte auch hier mit den nicht immer legal agierenden Underdogs und lief schließlich zum Maquis über; eine herbe Enttäuschung für Übervater Picard, der daraufhin abermals seine Stirn in Sorgenfalten leben durfte.

Ziemlich viel Introspektion also über alle Seriencharaktere hinweg, ziemlich viel Hadern mit der Vergangenheit und Loslassen von Möglichkeiten. Vielleicht war das auch die mit einer Midlife-Crisis verbundene Angst, die sämtliche, langsam in die Jahre kommende Charaktere in einer siebten Serienstaffel zwangsläufig plagen musste.

All diese Story-Fäden sollten natürlich noch kumulieren - nicht bloß die Familiengeschichten mit versprengten Anverwandten, die noch niemand zuvor gesehen hatte, sondern auch der Familienzusammenhalt der glorreichen sieben Hauptcharaktere untereinander, aber auch die Zuspitzung sämtlicher Science-Fiction-Verrücktheiten.

Die Rede ist vom zweistündigen Serienfinale, in dem die Next Generation noch einmal full circle gehen würde. Doch All Good Things... ist eine Geschichte für einen anderen Tag.


Sebastians bisherige Star-Trek-Retro-Specials


Verfügbarkeitshinweis zu den in diesem Artikel behandelten Serien: Alle Staffeln von Star Trek: The Next Generation"sind im Streaming verfügbar auf Paramount+, außerdem auf Blu-Ray und DVD. Alle Staffeln von Star Trek: Deep Space Nine sind im Streaming verfügbar auf Paramount+, außerdem auf DVD.

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