Rückblick auf Star Trek TNG Staffel 7: We Are Family - ein trauriger Abschied

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Rückblick auf Star Trek TNG Staffel 7: We Are Family - ein trauriger Abschied
Quelle: Paramount

Alles hat ein Ende, auch die vielleicht beste Star-Trek-Serie aller Zeiten. Star-Trek-Guru Sebastian Göttling macht den Vorhang zu und sagt, was Staffel 7 so besonders gemacht hat. Teil 2!

In Teil 1 dieses Artikels über die siebte und letzte Staffel von Star Trek: The Next Generation (1993/94) ging es um meine ganz persönliche, unvergessliche Sommergeschichte des Jahres 1994 sowie die zahlreichen verrückten High-Concept-Episoden, die in der Ehrenrunde der Enterprise-D mehr Raum einnahmen als jemals zuvor - mit Ausnahme vielleicht von Staffel 2, die ähnlich weird geraten war.

Doch da wäre noch dieser andere große Bestandteil von Staffel 7, den ich bisher vollkommen vernachlässigt habe - und um diesen herzuleiten, müssen wir uns noch einmal vor Augen führen, dass das Jahr 1994 in mittlerweile fast 60 Jahren Franchise-Geschichte das größte aller Star-Trek-Jahre war.

Nicht bloß in Deutschland, wo die restlichen Episoden der Next Generation auf SAT.1 fünfmal pro Woche regelrecht verheizt wurden und daraufhin ein regelrechtes Star-Trek-Fieber ausgebrochen war, sondern auch in den USA, dem Herkunftsland des Science-Fiction-Phänomens.

Die Next Generation hatte ihr siebtes und letztes Jahr als eine Art Verlängerung bekommen. Eigentlich waren nur sechs Staffeln geplant gewesen, so besagten es die 1987 geschlossenen Verträge. Doch mit dem Versprechen an das Produktionsteam und vor allen Dingen an die Hauptdarstellerinnen und Hauptdarsteller, dass es unmittelbar nach dem Verlängerungsjahr auf die Kinoleinwand gehen würde, konnten sie alle für ein letztes Hurra geködert werden.

Franchise-Chef Rick Berman, der vom mittlerweile verstorbenen Erfinder Gene Roddenberry zum Thronfolger auserkorene Lenker von ganz Star Trek, wendete also einen Großteil seiner Arbeit auf den kommenden, heiß erwarteten, siebten Kinofilm auf. Ebenso waren bereits viele der technischen Abteilungen mit dem Film beschäftigt.

Produzent Michael Piller, der die Next Generation ab Staffel 3 aufgegleist und zu einer Erfolgsgeschichte gemacht hatte, hatte sich bereits in Jahr 5 von Captain Picard & Co. zurückgezogen, um der Spin-off-Serie Star Trek: Deep Space Nine seinen eigenen Stempel aufzudrücken.

Doch auch auf der Raumstation war Piller nur derjenige, der Stadthilfe gab. Bei ihm handelte es sich zeitlebens nie um jemanden, der lange Jahre nach der Gründung einer neuen Serie oder ihrer Neudefinition auf dem bequemen Stuhl sitzen blieb, sondern den es immer wieder zu neuen, herausfordernden Projekten zog.

Star-Trek-Chef Rick Berman musste sich nicht nur um den Kinofilm kümmern, denn es war nun klar, dass die Next Generation im Sommer 1994 enden würde und für die Zeit danach ein passender Ersatz gefunden werden musste. Das Experiment zweier parallel laufender Serien galt als geglückt, und so richtig sah man Deep Space Nine nicht als kommende Nummer 1.

Ein neues Flaggschiff musste her. Dieser neue Stern am Serienhimmel sollte Star Trek: Voyager heißen und so saß bereits seit Sommer 1993 nach Feierabend Rick Berman in streng geheimen Meetings zusammen mit Michael Piller, der für die Voyager nun Raumstation und Wurmloch hinter sich ließ.

Android Data und seine Mutter/Androiden-Schwester Dr. Juliana Tayner Quelle: Paramount Android Data und seine Mutter/Androiden-Schwester Dr. Juliana Tayner Weil es in der neuen Serie erstmals einen weiblichen Captain geben sollte und diese mit der "Stimme einer Frau" geschrieben werden sollte, hatten sie bei allen Meetings Jeri Taylor mit dabei, die Senior-Autorin aus dem Next-Generation-Autorenzimmer, die erst kürzlich im Oktober 2024 verstarb.

Wer blieb da überhaupt noch im Autorenzimmer der Next Generation? Diverse Jungautoren, die entweder als Praktikanten oder andere Glücksritter im Laufe der Serie hinzugestoßen waren. Man kann nicht oft genug sagen, wie bemerkenswert es war, dass diese eher unerfahrenen "Jungs" die Prestigeserie schlechthin, Königin aller Einschaltquoten, lenken durften. Nicht ganz unbeaufsichtigt jedoch.

Man musste ihnen dringend eine Stimme der Vernunft zur Seite stellen, damit sie nicht völlig freidrehten. Die Rede ist von besagter Jeri Taylor, die seinerzeit etwa dreißig Jahre älter war als alle anderen im Team und sich somit im doppelten Wortsinne um die nächste Generation kümmerte. Die Jungspunde sahen in Taylor stets ihre Mutter.

Bis heute bezeichnen sie sie als eine vollkommen untypische Hollywood-Executive, die niemals Ellbogen oder Rücksichtslosigkeit gebrauchte, um sich durchzusetzen, sondern die mit viel Geduld eine nährend-pflegende Atmosphäre schuf.

Auch für Jeri Taylor war dies eine wahnsinnige Doppelbelastung, denn - wie gesagt - verbrachte sie ihre Feierabende mit der Vorbereitung von Voyager. Und dennoch ließ sie so viel von sich ins Storytelling einfließen, dass das siebte Jahr der Next Generation nicht nur - wie im letzten Artikel gezeigt - das der irren Science-Fiction-Geschichten wurde, sondern auch das der einfühlsamen Jeri-Taylor-Storys.

Sie ließ ihre Lebenserfahrungen und ihren Familiensinn einfließen, sodass ziemlich genau die Hälfte der Staffel aus mehr oder minder Familien-Geschichten bestand. Interessanterweise war damit aber nicht die Familie gemeint, zu der die Enterprise-Crew untereinander im Laufe der Jahre zusammengeschweißt worden war, sondern die Familie jedes einzelnen der Hauptcharaktere noch einmal separat betrachtet.

Und obwohl es sich dabei größtenteils um Einzelfolgen handelte, die keinen inneren Zusammenhang bildeten, erstreckten sich die Verbindungen thematisch bis zum Beginn der Serie sechs Jahre zuvor. Daher möchte ich diese Geschichten nicht anhand der Episodenreihenfolge, sondern am Beispiel der einzelnen Hauptcharaktere näher beleuchten.

Als der Breakout-Charakter, also die beliebteste Figur der Serie, hatte sich schon vor Jahren der Androide Data herauskristallisiert. Er nahm die Rolle ein, die bei der Original-Serie der Vulkanier Spock gehabt hatte: Der Außenseiter, der auf den ersten Blick völlig anders ist als die restlichen Crewmitglieder, der aus dieser externen Warte heraus die menschlichen Eigenheiten kommentieren konnte und dabei doch - paradoxerweise - menschlicher war als die meisten anderen.

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Ihm wurden im Laufe der letzten Staffeln die meisten charakterbezogenen Episoden zuteil. Dabei wurde peu à peu vorangetrieben, wie sich der Charakter von einem ursprünglich naiven "Roboter" immer mehr Eigenschaften aneignete (bzw. diese immer schon hatte) von Leuten "wie du und ich", die aus Fleisch und Blut bestehen.

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