Rückblick auf Star Trek TNG Staffel 7: We Are Family - ein trauriger Abschied
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Alles hat ein Ende, auch die vielleicht beste Star-Trek-Serie aller Zeiten. Star-Trek-Guru Sebastian Göttling macht den Vorhang zu und sagt, was Staffel 7 so besonders gemacht hat. Teil 2!
In Staffel 7 löste sich aber auch endgültig die Beziehung zu Captain Picard in Wohlgefallen auf (oder tat sie dies wirklich?). In der Episode Attached (Kontakte) konnten sich die beiden, während sie sich auf der Flucht auf einem fremden Planeten befanden, nicht weiter als zehn Meter voneinander entfernen, weil ihre Gefangennehmer dafür gesorgt hatten, dass sie psychisch miteinander eng verbunden waren.
Das führte dazu, dass sie beide nun erstmalig via telepathischem Link mitbekamen und daraufhin auch thematisieren mussten, dass die Gefühle, die sie schon so lange insgeheim hegten, auf Gegenseitigkeit beruhten - aber auch, dass diese Emotionen mittlerweile eigentlich abgekühlt waren und es seine Richtigkeit hatte, dass man sieben Jahre lang getrennte Wege gegangen war. Also war die Devise auch hier wieder: loslassen.
Kommen wir nun aber endlich zum Hauptcharakter. Captain Jean-Luc Picard, gespielt von Sir Patrick Stewart. Als dieser im Jahr 1987 für diese neue Science-Fiction-Serie angeheuert wurde, war er ein unbekannter Theatermann von der Royal Shakespeare Company, welcher diesem Projekt namens Star Trek: The Next Generations kaum Überlebenschancen einräumte und sich schon wieder als Hamlet auf Londoner Bühnen wähnte.
Dementsprechend gerierte sich Stewart im ersten Jahr sowohl vor der Kamera als auch unter den Schauspielkollegen einigermaßen steif. Solange, bis er sich irgendwann einmal aufregte, dass man sich doch nicht benehmen sollte "wie die Kinder", und daraufhin schallend ausgelacht wurde.
Glücklicherweise erwies sich Stewart nach diesem Zwischenfall nicht als Sturkopf, sondern entwickelte sich ebenfalls zu einem eher ausgelassen-verrückten Mitglied des Ensembles. Was tatsächlich auch Stewarts eigentlichem Naturell eines Lebemanns, der selten etwas anbrennen lässt, deutlich mehr entspricht.
Quelle: Paramount
Die ungewöhnliche Episode "Lower Decks" (Beförderung) konzentriert sich auf niedrigrangige Offizierinnen und Offiziere.
Im Kontrast dazu Captain Picard auf der Brücke: kühl, sachlich, philosophisch, immer tief in Gedanken verloren, manchmal vielleicht sogar ein bisschen zu tief. Anfangs sollte er sogar, wie bereits erwähnt, aus Personenschutzgründen dauerhaft auf der Brücke verbleiben, während sein XO Riker die Action übernahm.
Doch das passte Sir Patrick ganz und gar nicht; irgendwann in Staffel 3 trat er ans Produktionsteam heran und sagte wortwörtlich, er möchte in seinen Drehbüchern erheblich mehr "fighting & scewing" bekommen, also faustfliegende Action und Frauengeschichten. Daraufhin wurde die charakterliche Lücke zwischen Patrick Stewart und Jean-Luc Picard verkleinert; sie schrumpfte in den letzten fünf Serienjahren zusehends. Alles auf Kosten der Einbeziehung des Charakters William T. Riker.
Zu diesem hatte Captain Picard noch im Pilotfilm sinngemäß gesprochen: "Ich mag keine Kinder, bitte halten Sie sie mir vom Leib." Das war abermals sinnbildlich dafür, dass sich der Captain stets in seinem Elfenbeinturm aufhielt und alles andere als ein Familienmensch war. Zweifelsohne der vorbildlichste Vorgesetzte im gesamten Alpha-Quadranten, aber als solcher auf den ersten Blick weder warm noch väterlich.
Und so war es kaum überraschend, dass das Familien-Leitmotiv, mit dem in Staffel 7 häufig gearbeitet wurde, in Bezug auf Picard die Möglichkeiten und verpassten Chancen einer Vaterschaft betraf.
In der vergleichsweise außergewöhnlichen Episode Lower Decks (Beförderung), die aus Sicht einiger niederrangiger Offizierinnen und Offizieren erzählt wurde, kam es zur indirekten Fortsetzung einer Wesley-Crusher-Episode aus Staffel 5. Denn eine der jungen Offizierinnen war die Bajoranerin Sito Jaxa, die genau wie Wesley seinerzeit Rang und Ansehen verloren hatte, als sie einen Flugunfall versucht hatte zu vertuschen.
Ihr gegenüber zeigte sich Captain Picard nun in dieser Episode ganz besonders streng, nur um kurz vor Ende durchscheinen zu lassen, dass sie ihm sehr wohl viel bedeutete, dass er großes Potenzial in ihr sah und dass er sie durch die strenge Behandlung lediglich wie ein maximal autoritärer Vater hatte herausfordern wollen. Diese Herausforderung nahm Sito letztendlich auch an, leider mit für sie fatalen Folgen. Und als der trauernde Captain Picard am Ende der Episode ihres Schicksals gedachte, sah er tatsächlich so aus, als hätte er eine Tochter verloren.
