Rückblick auf Star Trek TNG Staffel 7: We Are Family - ein trauriger Abschied

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Rückblick auf Star Trek TNG Staffel 7: We Are Family - ein trauriger Abschied
Quelle: Paramount

Alles hat ein Ende, auch die vielleicht beste Star-Trek-Serie aller Zeiten. Star-Trek-Guru Sebastian Göttling macht den Vorhang zu und sagt, was Staffel 7 so besonders gemacht hat. Teil 2!

Die charaktervollste Geordi-Episode der vergangenen Jahre war wohl die gewesen, in der er sich selbst beinahe verloren hätte, weil er aufgrund eines außerirdischen Virus drohte, zu einem Chamäleonwesen zu mutieren und als solches spurlos zu verschwinden. Nur die Freundschaft zu einer ehemaligen Arbeitskollegin - hier ausnahmsweise also mal eine Person des anderen Geschlechts, mit der Geordi gut umgehen konnte - war seine letzte Rettungsleine.

Geordis Familienepisode in Staffel 7 war eine besonders frühe, Interface (Das Interface). Nach langer Abstinenz wurde hier Geordis futuristische Sehhilfe, der Visor, endlich wieder zu einem Handlungselement, denn dieser stellte die titelgebende Schnittstelle zu einer Sonde dar, mit der Geordi in einer Art Virtual-Reality-Anzug völlig lebensfeindliche Umgebungen erkunden konnte.

Auf einem solchen VR-Ausflug begegnete er dann unverhofft seiner Mutter, ebenfalls eine Captain der Sternenflotte, die verrückterweise zeitgleich zu dieser Episode mit ihrem Schiff, der Hera, verschollen ging. Aus der anfangs sehr technischen Geschichte der Schnittstelle wurde nun ein menschliches Gleichnis über das Abschiednehmen.

Denn in der Virtual-Reality-Umgebung begegnete Geordi immer wieder dem geisterhaften Abbild seiner verstorbenen Mutter und war daraufhin besessen von dem Gedanken, er könnte sie noch irgendwie retten. Die Moral der Episode war, dass die Akzeptanz eine der entscheidenden Trauerphasen ist.

Auch hier also wieder, genauso wie bei Data, ein Loslassen. In einer Nebenrolle als Geordis Vater - ja, wir lernten hier erstmals beide Elternteile gleichzeitig kennen - war Ben Vereen zu sehen, der ebenfalls eine Hauptrolle bei Roots gespielt hatte, interessanterweise Chicken George, den Enkel von LeVar Burtons Charakter.

Geordi hängt am Interface und begegnet in der Virtual Reality seiner verschollenen Mutter. Quelle: Paramount Geordi hängt am Interface und begegnet in der Virtual Reality seiner verschollenen Mutter. Nun zu William T. Riker, dem ersten Offizier der Enterprise, eigentlich zu Beginn der Serie als Action-Man vorgesehen, der das Publikum begeistern und die erste Geige spielen sollte. Der Mann der Tat, der die Außenmissionen anführte und so die Kontinuität eines James T. Kirk in die Next Generation trug. Doch statt der ersten Geige wurde Riker dann nach Picard und Data die dritte.

Warum das so kam - dazu später mehr. Rikers Darsteller Jonathan Frakes hatte mit dieser Degradierung glücklicherweise keinerlei Probleme. Denn Frakes war stets ein Sonnyboy, der sich von solchen Rückschlägen nicht beirren ließ und beste Laune auf dem Set verbreitete.

Außerdem war es Frakes viel wichtiger, durch die Hintertür der Riker-Darstellung seine Regie-Karriere zu starten. Da interessierte es ihn nicht, dass der erste Offizier im Laufe der Jahre zunehmend schwächere und weniger Geschichten abbekam.

Für das Publikum bedauerlicherweise verkam Riker dadurch ein wenig zum "Erklärbär". Wann immer die Enterprise einem Phänomen begegnete, war Riker derjenige, der beinahe, aber dann doch nicht direkt in die Kamera schaute und dem Publikum durch redundante Aussage kurz und allgemein verständlich wiederholte, was genau man dort vor sich hatte.

Was Riker von Kirk geblieben war, war die Anzahl der Frauengeschichten. Der Captain der originalen Enterprise hatte gar nicht so viele Liebhabereien, wie ihm immer klischeehaft angedichtet werden. William T. Riker brachte es diesbezüglich auf ein Vielfaches, wenn auch mit weniger schmachtender Melodramatik als Kirk, stattdessen mit immer einem Augenzwinkern im Anschlag.

Doch welche familiäre Beziehung musste Riker in Staffel 7 der Next Generation loslassen? Nun, er wurde mit seinem Ziehvater konfrontiert, den er vor seinem aktuellen Übervater Picard hatte, genauer gesagt mit seinem ersten Captain, Eric Pressman, in der Episode The Pegasus (Das Pegasus-Projekt).

Der hatte sich mittlerweile zu einem waschechten "Badmiral" entwickelt und wollte mit Riker gemeinsam ein streng verbotenes Stückchen Technologie bergen, dessen tödliche Fehlfunktion die damals letzte, gemeinsame Mission beendet hatte. Doch was Pressman dabei übersah, war, dass Riker während seiner Jahre auf der Enterprise tatsächlich ein Gewissen gewachsen war.

Es hieß nun abzuwägen: Vater Picard gegen Vater Pressman und so, wie sich Riker bereits in Staffel 2 mit seinem leiblichen Vater auseinandergesetzt, Frieden geschlossen und gleichzeitig auch von ihm gelöst hatte, so musste er sich jetzt hier von seinem zweiten, falschen, durchtriebenen Vater trennen, um voll und ganz an der Seite von Captain Picard stehen zu können. Darüber hinaus handelte es sich hierbei um eine äußerst aufregende und effektgeladene Spionagegeschichte rund um Romulaner und Tarnvorrichtungen.

Das ständige "Vielleicht" am romantischen Horizont des Riker, off-screen möglicherweise auch der ewige Booty-Call, war stets Counselor Deanna Troi, die Betazoidin und Psychiaterin an Bord der Enterprise-D. Sie hatte sich über die Jahre als der am schwierigsten greifbare Charakter für die Autoren erwiesen, weil die Idee einer Geisteswissenschaftlerin an der Seite des Captains in der Konzeptphase der Serie deutlich vielversprechender erschien als in der tatsächlichen Ausführung.

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