Rückblick auf Star Trek TNG Staffel 7: We Are Family - ein trauriger Abschied

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Rückblick auf Star Trek TNG Staffel 7: We Are Family - ein trauriger Abschied
Quelle: Paramount

Alles hat ein Ende, auch die vielleicht beste Star-Trek-Serie aller Zeiten. Star-Trek-Guru Sebastian Göttling macht den Vorhang zu und sagt, was Staffel 7 so besonders gemacht hat. Teil 2!

Zuerst lernten wir in Staffel 1 seinen bösen Zwillingsbruder Lore kennen, der die Enterprise trickreich ins Verderben führen wollte. Im Folgejahr wurde Datas Status als eigenständige, unter Menschenrechte fallende Lebensform verhandelt. Außerdem trafen wir mit Ira Graves einen der Pioniere der Kybernetik, der sich kurzerhand - und ebenfalls mit bösen Absichten - als Datas Großvater gerierte.

Das Thema Fortpflanzung folgte in Staffel 3, wo Data sich in einer außergewöhnlich tragischen Geschichte eine eigene Tochter namens Lal konstruierte, die jedoch nicht älter als wenige Wochen wurde - und dann am Ende von ihrem "Vater" lapidar und doch mit einer versteckten Roboter-Träne im Augenwinkel als Erinnerung abgelegt wurde.

Im nächsten Jahr begegneten wir Datas längst verschollenem Vater und Erbauer, dem greisen Dr. Noonien Soong. Zu dieser Familienwiedervereinigung erschien auch der böse Zwillingsbruder Lore ein zweites Mal und der Schöpfer der beiden überlebte die Begegnung nicht. In Data zerbrach hier möglicherweise etwas, denn nun war sein Vater verstorben, seine Tochter nicht sonderlich alt geworden, sein Bruder unverbesserlich und auch sein Großvater kein gerade netter Zeitgenosse.

Ebenso waren Data längere Liebesbeziehungen nicht vergönnt. In Staffel 4 durfte er eine solche führen, in die sich eine junge Offizierin der Enterprise so sehr hineinsteigerte, dass sie fatalerweise annahm und sich so verhielt, als hätte sie es mit einer echten Person zu tun, doch auch dies war für Data lediglich ein programmatisches Experiment.

Dabei hatte er schon zuvor zwei Frauengeschichten gehabt; eine rein sexuelle mit der längst verstorbenen Sicherheitschefin Tasha Yar, außerdem bekam er ein züchtiges Küsschen von einer Koloniebewohnerin zu Beginn der dritten Staffel.

Es folgten Datas erstes eigenes Kommando, bei dem er sich gegen einen sturen ersten Offizier durchzusetzen hatte, sowie sein fürsprecherisches Eintreten für die Rechte primitiverer künstlicher Lebensformen, den sogenannten Exocomps. Schließlich dann entwickelte Data ein psychologisches Innenleben mit Neurosen, Träumen, aber auch Alpdrücken.

Datas Schöpfer Dr. Noonien Soong versucht, seinem Sohn die komplizierte Familiengeschichte zu erklären. Quelle: Paramount Datas Schöpfer Dr. Noonien Soong versucht, seinem Sohn die komplizierte Familiengeschichte zu erklären. Im Auftakt von Staffel 7, dem zweiten Teil der Doppelfolge Descent (Angriff der Borg), musste Data dann endgültig einsehen, dass sein böses Spiegelbild Lore nicht mehr zu retten war. Durch das Einpflanzen von brutalen Emotionen in seinen Bruder hatte Lore versucht, den unschuldigen Data auf seine Seite zu ziehen und dann auch noch dessen besten Freund Geordi La Forge foltern lassen.

Zu Datas Reise gehörte es hier, dass er nicht nur seine zerstörerischen Tendenzen, sondern auch den fiesen Lore endgültig überwinden musste, einsah, dass dessen Programmierung beendet werden musste, obwohl Lore genauso wie Data oder die Exocomps eine KI war, deren Rechte eigentlich zu verteidigen waren. Der Doppelgänger wurde ein für alle Mal abgeschaltet und demontiert.

In der Episode Inheritance (Dr. Soongs Vermächtnis) wurde es ähnlich kompliziert für Data, denn er lernte seine "Mutter" kennen, Dr. Juliana Tainer (klingt wie Taylor), die ehemalige Lebensgefährtin seines Vaters und Erbauers Dr. Noonien Soong.

Doch, wie sich herausstellte, war die echte Dr. Tainer Jahre zuvor ums Leben gekommen, woraufhin Soong eine perfekte und nicht von einem Menschen zu unterscheidende Androiden-Kopie gebaut hatte, also noch deutlich komplexer als Data selbst, die zudem nichts von ihrem Androiden-Wesen wusste und sich selbst für einen Menschen hielt.

So handelte es sich bei der Tainer-Androidin nicht bloß um seine Mutter, sondern in gewisser Weise auch um Datas Schwester. Das klingt inzestuös, obwohl es das nicht war, und ein letztes holografisches Zusammentreffen mit seinem Vater, der Data diese komplizierten Zusammenhänge erklärte, konnte den Logikbug nicht entwirren.

Data entschied sich dazu, auch diese Beziehung ad acta zu legen und Dr. Tainer am Ende in dem Glauben zu lassen, sie wäre ein Mensch aus Fleisch und Blut. Obwohl Data eigentlich nicht mehr der einzige Soong-Android war, war er nun doch wieder alleine. Dr. Tainer war übrigens nur eine von zahlreichen überraschenden Verwandten, die vorher niemals aufgetreten waren, die Staffel 7 wie ein Zauberer aus dem Hut zog.

Blicken wir nun auf Datas besten Kumpel, den Chefingenieur Geordi La Forge. Eigentlich war dessen Darsteller LeVar Burton bereits vor Beginn der Serie einer der beiden großen, bekannten Stars, die sich die Next Generation geangelt hatte, war er doch in seiner Rolle als Kunta Kinte Hauptdarsteller des klassischen 1977er TV-Mehrteilers Roots (Wurzeln) gewesen.

In der Next Generation war der Ingenieur mit dem Visor eher ein unbeschriebenes Blatt, wohl der langweiligste unter den Hauptcharakteren, mit dem über die Jahre hinweg am wenigsten bemerkenswerte Storys erzählt wurden. Zudem wurde Geordi - damals womöglich eher versehentlich - zu einem Charakter geschrieben, der die meiste Zeit, wie die jungen Leute es heute nennen würden, "socially awkward" rüberkam.

Daraus resultierte auch, dass Geordi grundsätzlich romantisch glücklos blieb. Doch damit nicht genug, er erlaubte sich in der Interaktion mit möglichen Partnerinnen auch eine Überschreitung von Persönlichkeits- und Datenschutzrechten nach der anderen. Freilich war das von den Autoren nicht so intendiert, aber diese Lesart drängt sich heute auf.

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