Müde Mitte und ein genialer Hattrick - Staffel 5 von Star Trek TNG

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Müde Mitte und ein genialer Hattrick - Staffel 5 von Star Trek TNG
Quelle: Paramount

Nachdem Star Trek in Staffel 5 extrem politisch wurde, ging es in der zweiten Hälfte klassischer zur Sache - mit schwachem Mittelteil und einem genialen Quasi-Dreiteiler.

Fun Fact: Die deutsche Synchronisation traf hier eine kuriose Entscheidung, die im Gegensatz zu vielen anderen ihrer Art nachträglich rückgängig gemacht wurde. Der Borg erhält im englischen Original den Namen Hugh, was Geordi La Forge aus dem englischen Wort "you" ableitet.

Bei der Erstausstrahlung im Jahr 1994 entschied man sich dafür, dem Borg hierzulande den Namen Du zu geben, dementsprechend hieß die Episode auch Ich bin Du. Als der Charakter eine Staffel später wiederkehrte, wurde er ohne Erklärung auf einmal auch im Deutschen mit dem ursprünglichen Namen Hugh angesprochen.

Um dies nachträglich anzugleichen, wurde die frühere Episode in Teilen nachsynchronisiert, eben mit Hugh, und der Titel analog geändert zu "Ich bin Hugh". Doch sogar im englischen Original unterläuft dem Charakter ein Patzer, denn obwohl sich selbst individuelle Borg als Kollektiv sehen und deswegen in der Wir-Form von sich sprechen, rutschte Autor Echevarria versehentlich ein "ich", also ein "I", aus Hughs Mund ins Drehbuch.

Denn eigentlich sollte es erst deutlich später in der Folge eine große Sensation darstellen, als der Borg auf einmal in der ersten Person Singular von sich spricht. Bedauerlicherweise fiel dies niemandem auf, bis die Folge bereits fertig im Kasten war.

Weniger fun ist der Fact, dass es sich auch bei Hugh, genau wie bei Ro und Shelby, um einen wiederkehrenden Charakter handelt, der die jüngste Picard-Serie nicht überlebt. Es muss irgendwie ansteckend sein, was auch Icheb und Bruce Maddox bezeugen können.

Wer dort als bekannter Charakter wiederkehrte und in den 90ern nicht im Vorspann zu lesen war (denn diese Charaktere sind ausnahmslos und mittlerweile vorhersehbar sicher), der sollte besser sein Testament gemacht haben.

Kracher Nummer 2: The Next Phase (So nah und doch so fern). Schon wieder darf Geordi ran! Eigentlich war diese Episode als ein Vehikel für ihn und Deanna Troi geplant gewesen, doch dankenswerterweise wollte man hier den noch frischen Charakter der Ro so behandeln wie einen der Hauptcharaktere.

Durch einen hoch komplizierten Unfall mit dem Transporter und einer romulanischen Tarnvorrichtung hält die Enterprise-Crew die beiden für tot, dabei stecken sie lediglich in einer anderen Phase, sind unsichtbar und können durch Wände gehen.

So müssen sie als Gespenster auf sich aufmerksam machen, den Weg zurück in die Realität finden und zudem auch noch den fiesen Plan der Romulaner vereiteln, die Enterprise in die Luft zu jagen.

Die Havarie eines romulanischen Schiffes stürzt Crewmitglieder in die "Next Phase". Quelle: Paramount Die Havarie eines romulanischen Schiffes stürzt Crewmitglieder in die "Next Phase". Eine Episode ohne jeden tieferen, philosophischen Sinn, aber mit großer Lust auf spaßige Science-Fiction und zu keiner Sekunde langweilig inszeniert. Eigentlich war The Next Phase als eine kostensparende sogenannte Bottleshow geplant, die ausschließlich auf vorhandenen Kulissen gedreht wurde, doch aufgrund zahlreicher aufwendiger Spezialeffekte schoss das Budget durch die Decke.

Dennoch empfahl sich Regisseur David Carson, der bereits Yesterday's Enterprise und die zweite Hälfte des jüngsten Klingonen-Zweiteilers inszeniert hatte, auf diesem Wege erneut nicht nur für den Pilotfilm der Spin-off-Serie Deep Space Nine, sondern auch für den ersten Kinofilm der Next Generation.

Oftmals wird an dieser Episode kritisiert, dass die "Gespenster" Ro und Geordi doch eigentlich durch den Boden fallen müssten, doch das finde ich zu kurz gedacht, weil die theoretisch-physikalischen Probleme noch deutlich schlimmere sein dürften.

Denn die künstlichen Schwerkraftgeneratoren an Bord der Enterprise, welche die beiden durch den Boden ziehen würden, befinden sich ebenfalls in der falschen Phase und dürften keinerlei Einfluss auf sie ausüben.

Allerdings gehört zur Fortbewegung zu Fuß auch - ganz egal, ob auf der Erde oder an Bord eines Raumschiffs -, dass man sich praktisch am Boden nach vorn abstößt und durch die Schwerkraft einen Schritt weiter vorn wieder fallen lässt. Doch wenn man weder mit der Schwerkraft noch mit dem Fußboden interagieren kann, dann müsste man hilflos an der Stelle schweben bleiben, an der man materialisiert wurde.

Und wenn dann irgendwann einmal die Enterprise weiterfliegt, dann hat man ein ganz anderes Problem, denn sie fliegt einem praktisch unterm Hintern weg und man findet sich im eiskalten und sauerstofflosen Weltraum wieder.

Macht aber nichts, denn sowohl die Sauerstoffmoleküle als auch die Wärmeenergie der Enterprise befinden sich ja von der ersten Sekunde an in der falschen Phase, sodass die beiden unglücklichen Charaktere eigentlich innerhalb kürzester Zeit erstickt, erfroren oder beides gleichzeitig wären, ohne sich von der Stelle bewegen zu können.

Zum Glück gilt in der nächsten Phase mehr als nur eine Ausnahme, was die Physik angeht - doch in einem dermaßen großen Jux, denn diese Folge ohnehin darstellt, macht das gerade gar keinen Unterschied für mich.

Kracher Nummer 3: The Inner Light (Das zweite Leben). Autor Morgan Gendel hatte eigentlich die Idee einer Kriegssimulation, die von einer fremden Macht unfreiwillig in die Köpfe der Enterprise-Crew übertragen wird, um ihnen auf drastische Art und Weise die Schrecken eines bewaffneten Konflikts so darzustellen, dass sie sich anschließend als pazifistische Missionare betätigen.

Das Autorenteam der Next Generation nahm dieses Konzept und veränderte es in etwas gar Zauberhaftes, indem man Gendels Idee stark vereinfachte und viel persönlicher machte. Statt der gesamten Enterprise-Besatzung ist ausschließlich Captain Picard betroffen.

Auch erlebt er keine Schreckensvision, sondern bekommt innerhalb weniger Minuten erlebbar etwas in sein Gedächtnis hinein verpflanzt, was sich der einsame Chef der Enterprise stets verwehrt hatte: ein echtes Leben auf einem Planeten in einem kleinen Häuschen, mit einer Ehefrau, mit Freunden, bald schon mit Kindern, irgendwann mit Enkelkindern, dann der Abschied von der geliebten Gattin und schließlich der eigene Tod.

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