Müde Mitte und ein genialer Hattrick - Staffel 5 von Star Trek TNG, Teil 2

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Müde Mitte und ein genialer Hattrick - Staffel 5 von Star Trek TNG, Teil 2
Quelle: Paramount

Nachdem Star Trek in Staffel 5 extrem politisch wurde, ging es in der zweiten Hälfte klassischer zur Sache - mit schwachem Mittelteil und einem genialen Quasi-Dreiteiler.

Teil 1 dieses Artikels erzählte davon, mit welchen politischen Schwergewichten Star Trek: The Next Generation in die fünfte Staffel durchstartete. Doch zwischen klingonischen Intrigen und bajoranischen Flüchtlingsdramen gab es an zweiter Stelle gleich eines von zahlreichen Science-Fiction-Highlights des Jahres: die Episode Darmok.

Dabei hatte diese Geschichte einen der längsten Entstehungsprozesse der Next Generation überhaupt; ganze zwei Jahre lag der Story-Entwurf von Joe Menosky auf dem Stapel "könnte man mal machen, aber keiner hat so richtig Bock darauf". Menoskys Geschichte war eine Star-Trek-urtypische Mär von Kommunikationsschwierigkeiten, die am Ende in intergalaktischer Völkerverständigung münden.

Im Zentrum dieser Prämisse stand eine neue Spezies, die Kinder von Tama, die sich ausschließlich in Metaphern verständigten - oder besser gesagt: in Bezügen aus ihrer eigenen Geografie und Historie voller Eigennamen.

Um zarte Bande mit der Föderation zu knüpfen, entführt der Chef-Tamarianer kurzerhand Captain Picard in die Wildnis eines fremden Planeten, wo die beiden Lagerfeuer machen, ein ortsansässiges Energiewesen bekämpfen und über all das ein wenig die gegenseitigen Vokabeln und Lebenseinstellungen lernen sollen.

Das klingt einigermaßen sperrig und so brauchte es einen veritablen Kinohit mit stammesspezifischem Verständigungsbezug. Als Kevin Costner als Der mit dem Wolf tanzt an den Kinokassen und bei der Oscar-Verleihung abräumte, griff man endlich Menoskys alten Entwurf auf.

Als tamarianischen Captain engagierte man Paul Winfield - kein unbekanntes Gesicht in Star-Trek-Hausen, hatte er doch schon im Kinofilm Star Trek 2: The Wrath of Khan (Der Zorn des Khan) den Captain Terrell gespielt. Seine darstellerische Leistung in Darmok ist ebenso hervorragend wie die das Patrick Stewart, der hier in Folge 2 gleich zu Höchstform aufläuft.

Die nächtliche Szene, in der Picard seinem Kompagnon die Legende des Gilgamesch erzählt, deren Wortsinn der Tamarianer zwar nicht erfassen kann, doch deren Essenz dennoch bei ihm ankommt und so ein erster, wahrhaftiger Dialog zwischen zwei Völkern geschaffen ist, ist gleichermaßen atmosphärisch wie anrührend.

Nur zwei Schönheitsfehler stören mich ein wenig. Zwar sind die Metaphern und alle geografisch-historischen Bezüge tatsächlich nur schwer in verständliche Sprache zu übertragen, wenn man sie geschrieben vor sich sieht. Doch die Mimik, Körpersprache und Betonung der Tamarianer ist nicht nur äußerst menschlich, sondern sogar theatralisch übertrieben.

So ist für das Publikum eigentlich die ganze Zeit überdeutlich, worauf die Tamarianer hinaus möchten, weswegen das Unverständnis der Enterprise-Crew unfreiwillig komisch wirkt - ein wenig so, als hätten sie eine verdammt lange Leitung. Außerdem wird nie erklärt, warum zur Kommunikation unbedingt der Kampf gegen ein unsichtbares Energiewesen nötig ist.

Captain Picard und der Chef der Tamarianer üben sich in Völkerverständigung. Quelle: Paramount Captain Picard und der Chef der Tamarianer üben sich in Völkerverständigung. Picard hinterfragt zu keinem Moment, ob es sich dabei wirklich um ein "böses Alien" handelt oder lediglich um eines, das sein Territorium oder vielleicht sogar seine Brut verteidigt, ganz wie einst die Horta in der Originalserie.

Ein wenig bleibt das unschöne Geschmäckle, dass sich unser nobler Captain hier völlig kritiklos auf eine Großwildjagd gegen eine noble Kreatur einladen lässt. Was ein ziemlich starkes Stück wäre in einer Geschichte, die eigentlich von Zugewandtheit und Achtsamkeit handelt.

Dennoch ein moderner Science-Fiction-Klassiker, der zudem mit zwei brandaktuellen Neuerungen aufwarten kann. Erstmalig wird in der Serie das schicke Shuttle vom Typ 6 gezeigt - eine gelungene Abwechslung, nachdem die Crew auf Shuttle-Missionen in den letzten Staffeln entweder in kleine Würfelzucker geklettert oder in edel geschwungenen Fähren aufgebrochen war, die eher nach Science-Fiction der 70er-Jahre als nach den 80ern oder 90ern ausschauten.

Außerdem zeigt sich Patrick Stewart hier erstmalig in einer brandneu-feschen, ihm eigenen Uniform aus einer weinrotem Wildlederjacke mit schwarzledrigen Schultern. Zwischen Bajor und Romulus gibt es dann mit Silicon Avatar (Das Recht auf Leben) eine ziemlich unerwartete Fortsetzung der Episode Datalore aus Staffel 1.

Mittlerweile hatte sich die Serie stilistisch so weit von ihren Anfängen entfernt, dass meine SciFi-Clique und ich damals ganz schön baff waren, dass die riesenhafte, kristalline Lebensform, die vor vier Jahren gemeinsame Sache mit Datas bösem Zwillingsbruder Lore machte, hier noch ein weiteres Mal zu sehen war.

In denselben Teil der Staffel fällt die ziemlich irre Episode The Game (Gefährliche Spielsucht), in welcher fiese Aliens die Enterprise-Crew unter ihre Kontrolle bringen wollen, indem sie ihnen ein süchtig machendes Virtual-Reality-Brillenspiel unterjubeln, mit rudimentärer CGI und einem Spielprinzip - Frisbees müssen in Trichter "gedacht" werden -, bei dem Gaming-kundigen Leserinnen und Lesern dieser Webseite die Haare zu Berge stehen dürften.

Immerhin gibt es zur Belohnung für jede gewonnene Spielrunde einen zünftigen Orgasmus. Dass ausgerechnet der junge Wesley, der eigentlich in Staffel 4 von Bord ging und hier nur für einen Gastauftritt wieder zurückkehrt, erneut den Tag rettet, ist wiederum noch eine Reminiszenz an die frühesten Tage der Serie.

Allerdings erzeugt die Episode eine überdrehte Horrorfilm-Atmosphäre à la "ein ganzes Dorf ist dem Okkultismus anheimgefallen und möchte dem jugendlichen Helden ans Leder", was aus The Game aller Cheesyiness zum Trotz einen großen, verrückten Spaß macht. Betroffener macht da schon, dass nur wenige Tage nach der Ausstrahlung dieser Episode Star-Trek-Schöpfer Gene Roddenberry am 24. Oktober 1991 starb.

Nach einem aufregenden, ersten Staffeldrittel voller Politik und großangelegten Science-Fiction-Ambitionen, fällt das fünfte Jahr für mich nun, wo dessen Mitte erreicht ist, in einen merkwürdig langweiligen Trott. Ein zeitreisender Historiker kommt in einer gleichnamigen Geschichte an Bord, woraufhin sich unsere Heldinnen und Helden allesamt fürchterlich dumm anstellen.

Gedacht war diese Episode eigentlich als Vehikel für Superstar Robin Williams, dessen komödiantisches Improvisationstalent immerhin für eine sehenswerte Folge gesorgt hätte.

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Doch Williams war verhindert und so wurde Max-Headroom-Schauspieler Matt Frewer engagiert, der sich für eine Darstellung voller übertriebener Manierismen entschied - also eigentlich ganz im Stile eines Robin Williams, nur ohne dessen Ausnahmetalent -, was ich selbst wohlwollend nur als Herumgekasper bezeichnen mag und was mir nach kürzester Zeit den letzten Nerv raubt.

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