Müde Mitte und ein genialer Hattrick - Staffel 5 von Star Trek TNG

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Müde Mitte und ein genialer Hattrick - Staffel 5 von Star Trek TNG
Quelle: Paramount

Nachdem Star Trek in Staffel 5 extrem politisch wurde, ging es in der zweiten Hälfte klassischer zur Sache - mit schwachem Mittelteil und einem genialen Quasi-Dreiteiler.

Was ist Staffel 5 also für ein merkwürdiges Gebilde? Und das ausgerechnet nach der sehr einheitlichen Staffel 4, die man mit Fug und Recht als die "Familienstaffel" bezeichnen kann? Hier mag sich kein erkennbares Muster einstellen - zuerst ein dichter Politik-Block, dann eine eher maue Staffelmitte auf verzweifelter Suche nach Spannung, dann zum Ende hin konzentrierte und sensationelle Science-Fiction.

Aus dieser Dreiteilung vermag selbst ich keinen Zusammenhang herbeizufabulieren. Doch für hübsche Symmetrie könnten immerhin die zweite und auch die vorletzte Episode der Staffel herhalten.

Sowohl in Darmok als auch in The Inner Light ist Captain Picard alleine auf einem Planeten gestrandet, beide Male liefert Patrick Stewart beste darstellerische Leistungen in eindringlichen, emotionalen und atmosphärischen Geschichten, die den stolzen Captain aus seiner gewohnten Umgebung herausholen, um ihn dort herauszufordern. Dann ist es eben der einsame, aber starke Picard, der eine Klammer um eine ansonsten eher uneinheitliche Staffel legt.

Doch eine solche Klammer möchte auch ich um diesen zweiteiligen Artikel legen, indem ich am Ende eine weitere meiner uralten VHS-Geschichten auspacke. Neben Spoilerboy Thorsten hatte ich noch weitere Schulfreunde, mit denen ich mich oft und gerne in den großen Pausen über Star Trek unterhielt.

Star Trek TNG Staffel 5 Quelle: Paramount Einer von ihnen war Christian, der im Gegensatz zu Thorsten und mir nicht über Kabelfernsehen verfügte, sondern dessen Eltern eine Satellitenanlage auf dem Dach installiert hatten. So konnte Christian auch einige fremdländische Sender empfangen, darunter den britischen Sender Sky One.

Dort gab es im Jahr 1993 einen großen Block von 130 Tagen, an denen dieser Fernsehsender die deutsche Ausstrahlung von Star Trek überholte und Christian somit Episoden anschauen konnte, welche die meisten anderen deutschen Fans noch lange nicht sehen würden. Warum waren es nur 130 Tage?

Weil Sky One danach verschlüsselt wurde, ähnlich wie damals der Pay-TV-Sender Premiere in Deutschland. Unser aller Schulenglisch war im Jahr 1993 noch ein bis zwei Jahre davon entfernt, so gut zu sein, dass wir Star Trek im Original vorbehaltlos verstehen konnten, aber dennoch konnten wir uns - von einigen allzu dialoglastigen Episoden mal abgesehen - halbwegs zusammenreimen, worum es jeweils ging.

Es war wie ein Wunder, dass wir über Christian die Episoden von Mitte Staffel 4 bis zur vorletzten Episode von Staffel 6 viele Monate vor ihrer deutschen Erstausstrahlung auf SAT.1 erleben durften - wenn auch oftmals nur in Form der Augenzeugenberichterstattung unseres Freundes.

Zu meinem fünfzehnten Geburtstag im Hochsommer 1993 machte Christian mir ein einmaliges Geschenk, indem er mir eine handverlesen selbst aufgenommene Videokassette mit den Episoden I Borg, The Next Phase und dem Cliffhanger Time's Arrow überreichte.

Meine allererste von später zahllosen englischsprachigen Star-Trek-Videokassetten und immerhin gleich zwei Drittel des hier von mir beschriebenen Hattricks. Hervorragend ausgewählt. Danke, Christian.


Sebastians bisherige Star-Trek-Retrospecials


Alle Staffeln von Star Trek: The Next Generation sind im Streaming verfügbar auf Paramount+, außerdem auf Blu-Ray und DVD.

Sebastian Göttling, Jahrgang 1978, ist Co-Moderator von Deutschlands beliebtestem Star-Trek-Podcast "Trek am Dienstag". Er forscht beharrlich auf den Retro-Gebieten Film und Fernsehen im Allgemeinen, Star Trek im Besonderen, Kultur- und Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts zwischen Space-Race und Mauerfall, Medienentwicklung, Kunst und Kommerz.

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