Müde Mitte und ein genialer Hattrick - Staffel 5 von Star Trek TNG

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Müde Mitte und ein genialer Hattrick - Staffel 5 von Star Trek TNG
Quelle: Paramount

Nachdem Star Trek in Staffel 5 extrem politisch wurde, ging es in der zweiten Hälfte klassischer zur Sache - mit schwachem Mittelteil und einem genialen Quasi-Dreiteiler.

Beweggrund der außerirdischen Macht ist, dass ihre Zivilisation vor vielen Jahrtausenden von einer Klimakatastrophe dahingerafft wurde - und so schickten sie eine Sonde ins All, die wahrhaftige Lebenserfahrungen vermitteln und dadurch die Erinnerung an ein untergegangenes Volk bewahren soll.

Eine zarte Geschichte ohne jegliche Bedrohung, ganz melancholisch für Jean-Luc Picard, der in seiner großen Vision zunächst widerwillig und später von ganzem Herzen und liebend einen anderen Lebensentwurf schmecken darf, abermals vortrefflich einfühlsam gespielt von Patrick Stewart.

Störend ist bloß, das Picards alternatives Leben immer wieder unterbrochen wird von Szenen auf der Brücke der Enterprise, wo die anderen Charaktere besorgt über ihrem bewusstlosen Captain stehen. So weiß das Publikum viel zu früh, dass es sich lediglich um ein Hirngespinst handelt, anstatt dass die Illusion und somit das Ratespiel bis zum Ende der Folge aufrechterhalten wird.

Außerdem bringt Picard zumindest im Kopf viele Jahrzehnte auf dem fremden Planeten zu - ein Vielfaches der Zeit, die er Captain der Enterprise war. Anscheinend korrigiert sich diese mentale Erfahrung nachträglich auf eine bloße Erinnerung und nicht auf tatsächliche wahrgenommene Lebenszeit, denn sonst wäre es erschreckend, wie wenig Konsequenzen diese Episode hat.

All diese Jahre müssten dem Captain nachgehen, prinzipiell würde er sogar eine langwierige Wiedereingliederung in die Sternenflotte benötigen. Doch das soll nicht das letzte Mal sein, dass Star Trek eine derart einschneidende Erfahrung von einer Woche zur nächsten vergessen haben möchte.

Die Fun Facts: Autor Morgan Gendel ist ein großer Fan der Beatles und der Episodentitel The Inner Light ist der Songtitel der B-Seite der Hitsingle Lady Madonna.

Und apropos Musik: Auf dem fremden Planeten lernt Picard das Flötespielen und pfeift eine anmutige Weise, geschrieben von einem der Star-Trek-Hauskomponisten, in diesem Fall Jay Chattaway, was zu einem der größten Soundtrack-Momente des Franchise avancierte. Bis heute ist diese Melodie ein vor allem auf Trekkie-Hochzeiten gerne und oft gespieltes Musikstück.

Guinan und Data im 19. Jahrhundert - im Cliffhanger "Time's Arrow", der die Staffel beendet Quelle: Paramount Guinan und Data im 19. Jahrhundert – im Cliffhanger „Time’s Arrow“, der die Staffel beendet Doch auch die Flöte selbst wurde zum Kultobjekt. Als die Berman-Ära Star Treks im Jahr 2005 endete, wurde die Sammlung aufgelöst und zahllose Kostüme und Props dem großen Auktionshaus Christie's übergeben, wo all die Kostbarkeiten im Jahr 2006 unter den Hammer kamen. Darunter auch die Pennywhistle aus der Episode The Inner Light.

Angesetzt war der Auktionswert auf 800 bis 1200 $, doch da hatte Christie's den tatsächlichen Wert immens unterschätzt, denn ein anonymer Fan ersteigerte das Instrument für stolze 48.000 $.

Irgendwann muss der Höchstbieter in Geldnöte gekommen sein, denn im Jahr 2021 tauchte dieselbe Flöte wieder bei einer Versteigerung auf, diesmal in Hollywood bei der Entertainment Memorabilia Live Auction. Der Wert vervielfachte sich abermals und die Flöte wurde für sagenhafte 237.500 $ verkauft.

Unmittelbar nach diesem Hattrick kam dann das Staffelfinale. Eigentlich war im Gegensatz zu den beiden letzten Jahren nicht ein drittes Mal ein Cliffhanger geplant, doch Berichterstattung über die geplante Spin-off-Serie Deep Space Nine warf bereits ihre Schatten voraus.

Und so machten in Hollywood Gerüchte die Runde, dass die zwar immer erfolgreiche, aber auch immer teurer werdende Serie Star Trek: The Next Generation zugunsten des Ablegers abgesetzt werden könnte.

Was erwiesenermaßen nicht stimmte, denn die Serie sollte noch zwei volle Jahre weiterlaufen. Um aber auch dem Publikum zu vermitteln, dass eine Wiederkehr nach der Sommerpause absolut geplant war, gab es mit Time's Arrow (Gefahr aus dem 19. Jahrhundert) dann doch wieder einen dramatischen Cliffhanger, diesmal in Form einer zünftigen Zeitreise-Folge.

Zur Handlung: In einem alten Stollen unter San Francisco wird Datas abgetrennter Kopf entdeckt, der dort bereits seit mehreren Jahrhunderten zu lagern scheint.

Aufgrund aberwitziger Handlungssprünge, die ich hier nur unter Sprengung des Rahmens wiedergeben könnte, landet Data im 19. Jahrhundert, wo er verblüffenderweise Enterprise-Barkeeperin Guinan begegnet, die ja bekanntermaßen uralt ist und schon damals der Erde eine Stippvisite abgestattet hatte.

Mit Autor Mark Twain ist außerdem eine historische Gestalt am Start und die besagte Gefahr aus dem deutschen Titel sind fiese Aliens, die den Menschen der Vergangenheit die Lebensenergie aussaugen, sich selbst daran nähren und das Ganze aussehen lassen wollen wie das Resultat der Beulenpest.

Wenn das für unbedarfte Leserinnen und Leser jetzt verwirrend, merkwürdig und ein wenig überladen klingt, kann ich zur Beruhigung nur sagen: Ja, exakt so ist diese Folge.

Genau wie der Zweiteiler Unification eine Event-Folge war, die um die Rückkehr des Spock herum konstruiert wurde, ist Time's Arrow ebenfalls der Versuch eines solchen Events, rückwärts geschrieben von dem dramatischen Bild des uralten, schmutzigen und abgetrennten Data-Kopfes. Im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen Staffelfinalen leider kein sonderlich großer Wurf.

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