Mister Spock und jede Menge Politik - Staffel 5 von Star Trek TNG

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Mister Spock und jede Menge Politik - Staffel 5 von Star Trek TNG
Quelle: Paramount

In Staffel 5 von Star Trek TNG wird es politisch - und ein geliebtes Gesicht kehrt zurück. Wir zeichnen eine der aufregendsten Seasons von The Next Generation nach!

Für die letzte Szene des ersten Teils, in welcher Spock in einer Höhle unter Romulus aus den Schatten tritt, rückte in der ersten Drehwoche bereits der Regisseur vom später gefilmten Teil 1 an - denn bei Star Trek musste alles seine Ordnung haben und Drehteams waren strikt zu trennen.

Im Cold Open des zweiten Teils wird schließlich der klingonische Friede angesprochen, um so eindeutig auf den Kinofilm zu verweisen. Dass die liebste Musikrichtung der stolzen Krieger die Oper ist, erfährt man hier zum ersten Mal in einer Szene, in der Worf eine Verbrecherspelunke aufsucht und dort die "Arie der Melota" schmettern darf.

Und obwohl die durchtriebenen Romulaner schon seit Dezember 1966 Teil des Franchise waren, ist dies nach einem knappen Vierteljahrhundert der allererste Besuch auf ihrem Heimatplaneten. Eine weitere, wenn auch verstecktere Handreichung an die Originalserie ist der Auftritt von Malachi Throne als romulanischer Senator Pardek.

Throne hatte bereits im allerersten Pilotfilm der Originalserie - The Cage (Der Käfig), der 1964 gefilmt und dann erst einmal beiseitegelegt wurde - die Stimme eines Talosianers gesprochen, das sind die androgynen, telepathiebegabten Aliens mit den Riesengehirnen. Als The Cage im Zweiteiler The Menagerie (Talos 4 - Tabu) der Originalserie dann endlich verwertet wurde, ersetzte man Thrones Stimme durch eine andere.

Dafür tauchte er in dem Zweiteiler nicht nur stimmlich, sondern auch vor der Kamera auf als Commodore José Mendez. Und ach, Sela, die eigentlich als wiederkehrende Antagonistin angelegt war, sollte nach ihrem Auftritt in diesem Zweiteiler nie wiederkehren; ihr weiteres Schicksal ist ungewiss.

Besonders kurios aber ist ein wunderschöner Filmfehler, hervorgerufen durch eine höchst dekorative Glaspyramide, die im Büro eines hochrangigen romulanischen Politikers drapiert ist. In einer ihrer hochglänzenden, prismenartigen Flächen ist für einen Augenblick ein Mann mit Brille zu sehen, der ein Kaugummi kaut - ein völlig unpassender Anblick in der Zukunft Star Treks - und dann auch noch auf Romulus.

Großes Crossover zum sechsten Kinofilm - Mister Spock ist wieder da! Quelle: Paramount Großes Crossover zum sechsten Kinofilm - Mister Spock ist wieder da! Dabei handelte es sich um jemanden, der normalerweise hinter der Kamera stand, genauer gesagt um Bill Gocke, den Mann an der Mikrofonangel. Leider wurde dieser charmante Patzer im Jahr 2013 herausretuschiert, als die Serie auf Blu-Ray veröffentlicht wurde.

Die leitende Next-Generation-Autorin Jeri Taylor schrieb den ersten Teil von Unification, der mein persönlicher Favorit ist - paradoxerweise, obwohl die Hauptattraktion Spock dort noch gar nicht auftaucht. 1991 gab es viele zeitgenössische Kritikerstimmen, die es als großen Schwindel empfanden, eine monumentale Spock-Story anzukündigen und dann eine ganze erste Episode ohne denjenigen zu zeigen, um den es eigentlich ging.

Doch die Frage, ob der Vulkanier gefunden werden kann oder nicht, hält für mich die Spannung aufrecht, während sich unsere Helden in abwechslungsreiche Detektivarbeit stürzen, die sie nicht nur in die kriminelle Halbwelt führt, sondern auch einen tragischen Zwischenstopp bei Sarek auf Vulkan erlaubt.

Es entsteht so erstmalig das Gefühl, dass sämtliche großen Völker im Alpha-Quadranten wirklich koexistieren und aufeinander Einfluss nehmen - erstklassiges Worldbuilding - während die Crew auf wilder und vergnüglicher Hatz unterwegs sind, um den berühmtesten aller Vulkanier aufzuspüren.

Unification 2 stammt aus der Feder des ausführenden Produzenten Michael Piller. Er nahm sich vor, Spock im Gegensatz zum sechsten Kinofilm als einen deutlich reiferen, älteren Charakter darzustellen, dem man die 85 Jahre Zeitunterschied anmerkt. An der bedeutungsschweren Last dieses Vorhabens scheiterte Piller dann auch - und er war der Erste, der das zugab.

Unification ist ein Zweiteiler, aus dem von dem Moment an, in dem Spock auftaucht, jegliche Spannung und Luft zu entweichen scheint. In Teil 2 spielt sich die gesamte Handlung gefühlt in denselben zwei romulanischen Büros ab.

Es wird unglaublich viel Dialog vorgetragen, vollkommen sachlich und ohne die Emotionen, die eine Hoffnung auf Wiedervereinigung mit sich bringen könnte. An dieser Trockenheit und auch an einer sehr nüchternen Inszenierung erstickt für mich dann leider Unification 2, wäre da nicht die letzte, hochemotionale Szene, in welcher Spock eine Gedankenverschmelzung mit Captain Picard vornimmt.

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