Mister Spock und jede Menge Politik - Staffel 5 von Star Trek TNG

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Mister Spock und jede Menge Politik - Staffel 5 von Star Trek TNG
Quelle: Paramount

In Staffel 5 von Star Trek TNG wird es politisch - und ein geliebtes Gesicht kehrt zurück. Wir zeichnen eine der aufregendsten Seasons von The Next Generation nach!

Ja, im Pilotfilm hatte DeForest Kelley einen Auftritt als stark gealterter Pille McCoy, doch der Name des Charakters wurde dort nicht genannt und ebenso unbedeutend war er für die Handlung. Dieser Cameo-Auftritt war lediglich als Staffelstab-Übergabe gemeint, eine beglückwünschende Handreichung zwischen den Generationen.

Als schließlich gegen Ende der dritten Staffel der Next Generation Spocks Vater Sarek auftrat, war das schon eine kleine Sensation. Allerdings stritt das Autorenzimmer zu der Gelegenheit mit Berman darüber, ob der Name Spock überhaupt genannt werden durfte - und wenn ja, wie oft. Ergebnis dieser Verhandlungen war eine zähneknirschend einmalige Namensnennung.

Doch nun war es plötzlich möglich und beschlossene Sache: Spock höchstpersönlich sollte in der Next Generation auftreten. Sicherlich war die Serie nun auf der höchsten aller Erfolgswellen angekommen, weswegen man keine Angst mehr um die Selbstständigkeit haben musste und eine solche Entscheidung mit großer Souveränität treffen konnte.

Zudem schien so ein Deal à la "eine Hand wäscht die andere" einfach nur vernünftig, wenn man sich auf diese Weise Zuschauer zwischen Fernsehschirm und Kino gegenseitig zuschustern konnte. Der große Diplomat Leonard Nimoy richtete an die Fans eine wiederum äußerst politische Erklärung: "Das ist doch super, wir geben den Fans hiermit einen engen Zusammenhang in der Story."

Passend zum sechsten Kinofilm, der das Tauwetter zwischen West- und Ostblock ins Weltall verlegte und Frieden zwischen Föderation und Klingonen anbahnte, bedient sich Star Trek im Zweiteiler Unification ein weiteres Mal brandaktueller Schlagzeilen vom Ende des Kalten Krieges, in dieser Geschichte des Mauerfalls und der deutsch/deutschen Wiedervereinigung.

Pate im Star-Trek-Universum standen dafür die Vulkanier und Romulaner, zwei Spezies mit gemeinsamen Wurzeln, die sich vor Jahrtausenden entzweit hatten. Und genauso, wie Spock derjenige war, der im Kino diplomatische Fühler in Richtung der Klingonen ausstreckte, ist er jetzt verdeckt auf Romulus unterwegs, um eine Underground-Friedensbewegung zu unterstützen, die beide Völker wieder zusammenführen möchte.

Doch auch hier funken politische Widersacher dazwischen, erneut angeführt von Tasha Yars romulanischer Tochter Sela, weswegen der große Friedensstifter vom Radar verschwindet. Niemand Geringeres als Captain Picard und Data werden geschickt, um nach Spocks Verbleib zu sehen.

Michelle Forbes als Ensign Ro - ein wiederkehrender Charakter, der den "Boys Club" auf der Enterprise ordentlich aufmischt Quelle: Paramount Michelle Forbes als Ensign Ro - ein wiederkehrender Charakter, der den "Boys Club" auf der Enterprise ordentlich aufmischt Dabei wird in der ersten Hälfte dieser zweiteiligen Geschichte eine Hinhaltetaktik gefahren, denn Unification 1 besteht ausschließlich aus der turbulenten Suche nach dem prominenten Vulkanier.

Ein Trauerflor liegt gleichzeitig über dieser Episode, denn auf ihrer Queste besuchen Picard und Data ein letztes Mal Spocks Vater Sarek auf Vulcan, der bereits bei seinem ersten Auftritt in der Next Generation gesundheitlich stark angeschlagen war. Hier stirbt Sarek wahrhaftig und ist damit der erste bedeutende Charakter der Originalserie, der dem Filmtod zum Opfer fällt.

Tragischerweise imitierte das Leben die Kunst, denn gerade einmal neun Tage vor Ausstrahlung des ersten Teils von Unification starb der Schöpfer und Vater von Star Trek, Gene Roddenberry, im Alter von siebzig Jahren.

In letzter Minute trug das Produktionsteam dafür Sorge, dass vor beiden Teilen von Unification eine Texttafel eingeblendet wurde: "GENE RODDENBERRY 1921-1991", begleitet von einer gedämpft dargebotenen Version der Star-Trek-Fanfare. Über das Ableben des Gene Roddenberry ausgerechnet im Jubiläumsjahr wird noch an anderer Stelle berichtet werden.

Und apropos Zweiteiler: Kurioserweise bricht Staffel 5 der Next Generation aus der normalerweise vorherrschenden Betitelungslogik heraus. Anstatt mit Part 1 und Part 2 zu arbeiten (bzw. oft auch nur mit Part 2, denn bei staffelübergreifenden Geschichten wird an den Cliffhanger selbst kein Part 1 angehängt), verzichtete man ausschließlich in diesem Produktionsjahr auf das Wort Part und verwendete stattdessen nur die (im Original römischen) Ziffern, Unification 1 und Unification 2 also.

Zu Unification gibt es einen ganzen Batzen Fun Facts: Weil die Zeit zwischen Dreh und Ausstrahlung bzw. Uraufführung - der sogenannte Turnaround - im Fernsehen viel kürzer ist als bei Kinofilmen, wurde Unification lange nach dem Begleitfil "Star Trek 6: The Undiscovered Country gedreht, allerdings einen Monat vorher ausgestrahlt.

Und weil Leonard Nimoy ein dermaßen vielbeschäftigter Mann war, musste man sich seinem Terminkalender anpassen und die beiden Episoden in umgekehrter Reihenfolge drehen. Zuerst also Teil 2, wo Spock im Mittelpunkt steht, und dann die Neuauflage von Auf der Suche nach Mr. Spock aka Unification 1.

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