Mister Spock und jede Menge Politik - Staffel 5 von Star Trek TNG

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Mister Spock und jede Menge Politik - Staffel 5 von Star Trek TNG
Quelle: Paramount

In Staffel 5 von Star Trek TNG wird es politisch - und ein geliebtes Gesicht kehrt zurück. Wir zeichnen eine der aufregendsten Seasons von The Next Generation nach!

Zum Glück auch für die Serie, denn in ihrer allerletzten Episode sollte die Enterprise noch einmal umdekoriert werden auf den Zustand des Pilotfilms. Das wäre ohne die Schiffe nur halb so schön geworden. Die Schiffe nahm Ron Moore anschließend übrigens wieder an sich und nach eigenen Angaben befinden sie sich auch heute, im Jahr 2024, immer noch in seinem Besitz.

Nur zwei Wochen später wurde es in Ensign Ro (Fähnrich Ro) schon wieder äußerst politisch. Der Heimatplanet der Bajoraner ist seit vielen Jahrzehnten besetzt von den faschistischen Cardassianern. Seit Jahr und Tag wehrt man sich dort gegen die Unterdrücker durch Widerstand und terroristische Angriffe, doch erstmals wird die eigentlich nicht involvierte Föderation Opfer einer solchen Attacke.

Auch hier spielen die Schurken - ganz wie in Redemption - wieder ein doppeltes Spiel, haben doch die Cardassianer die Angriffe fingiert und einen verräterischen Sternflotten-Admiral auf ihre Seite gezogen, um sich so von der Föderation Hilfe beim Sprengen eines Terroristenrings zu ergaunern.

Als Missionsspezialistin nimmt die Enterprise die junge bajoranische Offizierin Ro an Bord, die vor einigen Jahren eine nicht näher erklärte Fehlentscheidung auf einer Mission traf, welche zum Tod einiger Offizierinnen und Offiziere führte. Dementsprechend ist auch die Enterprise-Crew, allen voran die Chefs Riker und Picard, alles andere als begeistert, mit einer Quasi-Verbrecherin zusammenarbeiten zu müssen.

Doch die hitzköpfig-leidenschaftliche Ro gewinnt zunächst das Vertrauen und die Zuneigung der Barkeeperin Guinan und hat am Ende der Folge sogar die Freundschaft, den Respekt und vor allem das Herz des stoischen Captain Picard im Sturm erobert.

Hier zeigt sich, wie der Einfluss des mittlerweile schwer kranken Gene Roddenberry auf seine Serie praktisch nicht mehr existent war. In den ersten Produktionsjahren achtete der Star-Trek-Schöpfer penibel darauf, dass stets "sein" perfektes 24. Jahrhundert dargestellt wurde, wo es innerhalb der Sternenflotte keine moralisch fragwürdigen Charaktere, keine nachtragenden Vorgesetzten und erst recht keinen Zwist untereinander geben durfte.

Unter anderem deswegen war die Enterprise jetzt schon mehrere Jahre mit der brav-biederen Bordärztin Dr. Beverly Crusher und der gleichermaßen entrückten wie zu wenig verwendeten Psychologin Deanna Troi durchs All gedüst.

Im Staffelauftakt Redemption 2 wird endlich Worfs Familienehre wiederhergestellt. Quelle: Paramount Im Staffelauftakt Redemption 2 wird endlich Worfs Familienehre wiederhergestellt. Ein Charakter wie Ro, eine kernige Frau, die im Gegensatz zu den beiden genannten Kolleginnen den "Boys Club" auf der Enterprise ganz schön aufmischt, hätte es zur Hochphase von "Papa Gene" nicht gegeben, sosehr sich auch das Autorenteam diese Möglichkeit, Konflikte zu erzählen, herbeigesehnt hatte. Nun aber schien all das auf einmal möglich.

Als Schauspielerin der Ro engagierte man Michelle Forbes, die bereits gegen Ende der vierten Staffel in der Episode Half a Life (Die Auflösung) die Dara gespielt und das Produktionsteam damit völlig überzeugt hatte. So gut machte sie auch hier wieder ihre Sache, dass der neue Charakter in sechs Folgen der fünften Staffel und in je einer Folge in den beiden Folgestaffeln auftreten würde.

Eigentlich sollten es auch hier wieder die Romulaner sein, welche die Bajoraner unterdrücken, doch der damals unter Gene Roddenberry für das Tagesgeschäft des Franchise zuständige Chef Rick Berman fand völlig zu Recht, dass die Romulaner in letzter Zeit etwas überstrapaziert worden waren, nicht zuletzt in dem erst wenige Wochen zurückliegenden Klingonen-Zweiteiler.

Also wagte man den Rückgriff auf die Episode The Wounded (Der Rachefeldzug) aus Staffel 4 und holte die eigentlich nur für diese eine Episode geplanten Cardassianer wieder zurück. Was für einen Grundstein man mit dieser Episode legte, das war im Sommer 1991 noch nicht abzusehen.

Nicht nur war es der erste Auftritt der jahrzehntelang unterdrückten, aber dennoch tapferen Bajoraner, die Episode etablierte außerdem die Cardassianer als eine starke antagonistische Macht im Alpha-Quadranten.

Als bald darauf aufgrund des großen Erfolgs der Next Generation eine Spin-off-Serie gedreht werden sollte, setzte man die Prämisse für Deep Space Nine auf ebendieser Episode Ensign Ro auf. In dem Zusammenhang wurde Michelle Forbes als Ro eine tragende Rolle bei der neuen Serie angeboten, doch Forbes schlug diese aus und machte so den Weg frei für den Charakter der Major Kira, gespielt von Nana Visitor.

Als Jugendlicher fand ich diese Geschichte von Unterdrückung, politisch doppeltem Spiel und wehrhaften Flüchtlingen übrigens eher langweilig, doch heute ist die Episode Ensign Ro eine meiner allerliebsten. Sie ist deutlich reifer und charaktervoller geschrieben als manch andere und geht, wo viele Trek-Geschichten an der Oberfläche einer politischen Situation bleiben, deutlich beherzter in die Tiefe.

Spoiler-Alarm für die dritte Staffel der relativ neuen Picard-Serie. Genau wie Commander Shelby aus dem Borg-Zweiteiler ist auch Ro Laren ein unangepasster Frauencharakter, der vor allem William Riker ein Dorn im Auge ist.

Für diesen Frevel müssen sie spät büßen, denn die im Jahr 2023 ausgestrahlte Serienstaffel überleben beide Charaktere nicht. Sie kommen jeweils in der Folge ums Leben, in der sie erstmalig seit Jahrzehnten wieder auftreten.

Der Ausflug Star Treks in die Politik endet vorerst mit dem nächsten Paukenschlag. Um dessen Ursprung nachzuzeichnen, geht es noch einmal zurück in die Entstehungsgeschichte des sechsten Kinofilms Star Trek 6: The Undiscovered Country (Das unentdeckte Land).

Der Paramount-Executive Frank Mancuso Sr. war einer der Grundsteinleger dieses Films gewesen, denn er hatte als einziges hohes Tier schon früh genug auf dem Schirm, dass im Jahr 1991 das silberne Jubiläum des Franchise anstehen würde und hatte deswegen einen neuen Kinofilm in vorauseilendem Gehorsam in Vorproduktion gegeben.

Eine Entscheidung, die ihm auf die Füße fiel, weil bei Paramount aufgrund finanzieller Schieflage einige Köpfe rollten, unter anderem der dieses Mannes, der ohne Einbeziehen seiner noch höheren Vorgesetzten ein großes Star-Trek-Kinoprojekt ins Rollen gebracht hatte.

Noch vor seiner Kündigung aber, ebenfalls in der frühen Planungsphase des Kinofilms, äußerte Mancuso Sr. auch für die Next Generation den Wunsch, zum 25-jährigen Jubiläum etwas Besonderes zu machen. Schnell hatte man die Idee, hieraus eine Cross-Promotion zwischen dem neuen Film mit der alten Crew und der laufenden Fernsehserie zu machen.

Zu diesem Zweck trafen sich Leonard Nimoy - Spock-Darsteller, Ideengeber und Produzent des sechsten Kinofilms -, Nicholas Meyer - Nimoys Kompagnon, Co-Autor und Regisseur - und Rick Berman - oberster Produzent der Fernsehsparte von Star Trek. Bei diesem Meeting baldowerten die drei etwas aus, das zuvor ein absolutes No-Go bei der Serie war: die Wiederkehr eines Hauptcharakters der Originalserie.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich Rick Berman im Auftrag von Gene Roddenberry stets quergestellt, wenn irgendein engerer Bezug zwischen alter und neuer Serie hergestellt werden wollte. Die Next Generation sollte, so fand Roddenberry, vollkommen auf eigenen Füßen stehen, weswegen er diese strikte Regel eingeführt und knallhart durchgesetzt hatte.

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