Eine Geschichte von Sex und Missverständnissen: Die faszinierende Welt der Star Trek-Romane
Special
Star Trek einmal in einem gänzlich anderen Medium: Auch in Buchform geht es bei Star Trek heiß her - und wird ab und an ganz schön schlüpfrig ...
Da stand ich nun also von den Star-Trek-Büchern und ein Titel sprang mich an: Das Netz der Remulaner! Dabei handelte es sich doch sicherlich um die Umsetzung dieser vortrefflichen Raumschiff-Enterprise-Folge, also fiel meine Wahl auf dieses Buch.
Zu Hause in meinem Jugendzimmer begann ich dann zu schmökern und war bald schon mächtig irritiert davon, dass die Geschichte zwischen den zwei Buchdeckeln ganz und gar nicht mit dem übereinstimmte, was ich wenige Monate zuvor auf Premiere gesehen hatte. Spoiler-Alarm: Es handelte sich hier um einen mehrfachen Irrtum.
Zum einen spann in dem Roman das bekannte Star-Trek-Volk der Romulaner ein Netz der Intrigen, aber der Heyne-Verlag hatte versehentlich "Remulaner" aufs Cover geschrieben. Was kurios war, denn auf der Erstauflage von einigen Jahren zuvor stand korrekterweise "Romulaner".
Dann hatte ich die "Remulaner" verwechselt mit den Tholianern, die in der eigentlichen Episode The Tholian Web (Das Spinnennetz) vorkamen. Doch das ist ein eher verzeihlicher Fehler als der von Heyne, denn ich hatte die Folge nur ein einziges Mal gesehen und besaß auch noch keinerlei Sekundärliteratur, in der ich hätte nachschlagen können.
Mein größtes Missverständnis aber wurde hervorgerufen von der schieren Existenz der Star-Trek-Filmromane. Als ich bei Eckhardt vor dem Regal stand, ging ich felsenfest davon aus, dass, genau wie Star Trek 2 und Star Trek 5 sämtliche Bücher Umsetzungen von tatsächlichen Film- oder Fernsehabenteuern der Enterprise waren. Die Möglichkeit eines originären Romans ohne verfilmte Vorlage, denn um einen solchen handelte es sich hier, zog ich gar nicht erst in Betracht.
So entsprach der Inhalt des Buches überhaupt nicht meinen Erwartungen und auch ansonsten war es abermals eine eher mühselige Leseerfahrung, wenn auch nicht ganz so zäh wie der Roman zum fünften Kinofilm. Ich nahm erst einmal resigniert Abstand von den Star-Trek-Schmökern - in meiner Erinnerung sogar ziemlich lange.
Quelle: Bantam Books
Für Bantam schrieb James Blish Umsetzung aller 79 Episoden der Original-Star-Trek-Serie.
Doch, wie ich gleich zeigen wird, trügt mich hier die jugendliche Zeitwahrnehmung. Außerdem muss noch das Missverständnis aufgeklärt werden, dass es sich bei allen Romanen um Episoden-Umsetzungen handeln könnte. "Bleiben Sie dran", wie es später bei SAT.1 heißen sollte.
Um Klarheit in die Situation zu bringen, müssen wir zurückgehen bis zum Anfang der Star-Trek-Buchveröffentlichungen. Bereits ab Januar 1967, also nach der ersten Hälfte von Staffel 1 der Originalserie, schrieb der Science-Fiction-Autor James Blish Kurzgeschichten-Versionen sämtlicher 79 Originalepisoden, wunderbar knackig und mit gut getroffenen Charakteren, von denen jeweils mehrere Storys zusammengefasst in Taschenbüchern des Bantam-Verlags herausgebracht wurden; insgesamt waren das zwölf Bände.
Diese erschienen auch ab 1986 mit großer Verspätung in Deutschland, jedoch nicht im Heyne-Verlag, sondern bei Goldmann. In meinem zweiten Jahr als Star-Trek-Fan sollte ich mir diese zulegen und kurioserweise zum Teil abermals während eines Ameland-Aufenthalts in den Sommerferien lesen - diesmal jedoch mit meinen Eltern, nicht mit der Schule.
Ebenfalls noch während der Serie erschien der allererste Originalroman mit dem Titel Mission to Horatius von Mack Reynolds. Dieser Roman wurde vom Whitman-Verlag herausgebracht und richtete sich an eine vorrangig jugendliche Leserschaft, Kategorie Young Adult. Dieser erste originäre Roman erschien übrigens auch 1970 als allererster deutscher Star-Trek-Roman im Verlag Schneider-Buch.
Der Titel dort lautete Notruf aus dem All und das Cover war sensationell merkwürdig, weil es ganz und gar nichts mit der Serie zu tun hatte. Zu sehen war eine Art UFO voller Antennen und Geschützkuppeln, dennoch freilich beschriftet mit dem Namen Enterprise, das über einer zerklüfteten Berglandschaft schwebte und sich ein wildes Laserfeuergefecht mit schattenhaften Figürchen lieferte, die am Boden auf einer Wiese umherliefen.
In gewisser Weise war es verzeihlich, dass Schneider-Buch ein dermaßen unpassendes Cover wählte, denn dieser Roman kam wohlgemerkt zwei volle Jahre vor der allerersten Folge Raumschiff Enterprise auf dem ZDF in den Buchhandel. Niemand konnte hierzulande wissen, wie das Raumschiff denn nun aussah, also musste man auch keine Original-Abbildung lizenzieren. Inhaltlich war Mission to Horatius übrigens kein sonderlich großer Wurf.
Quelle: Schneider-Buch
Der allererste deutsche Raumschiff-Enterprise-Roman bekam ein merkwürdig untrekkiges Cover verpasst.
Während in Deutschland der Notruf aus dem All erscholl, brachte Episoden-Zusammenfasser James Blish bei seinem Hausverlag Bantam seinen einzigen eigenständigen Star-Trek-Roman heraus - das war ebenfalls der allererste seiner Art, der sich an eine erwachsene Leserschaft richtete. Für das Werk mit dem reißerischen Titel Spock Must Die! unterbrach Blish seine Arbeit an den Episodenumsetzungen.
Nach vielen schwierigen Jahren gab der Autor zu Protokoll, dass es die Arbeit für Star Trek im Allgemeinen und der Vorschuss für seinen Spock-Roman im Besonderen waren, die ihm erstmalig in seiner Karriere finanzielle Sicherheit brachten. Leider konnte er diese nicht lange auskosten, denn im Juli 1975 starb Blish im Alter von gerade einmal 54 Jahren an Lungenkrebs.
Sein episodisches Werk hatte Blish nicht mehr vervollständigen können und so vervollständigte seine Witwe unter dem Künstlernamen J.A. Lawrence den zwölften und letzten Band der Folgennacherzählungen. Dieser erschien Ende 1977.
In der durch Blishs Tod hervorgerufenen, zweieinhalbjährigen Wartepause zwischen Band 11 und 12 begann Bantam im März 1976 mit der Veröffentlichung weiterer Originalgeschichten, welche nicht auf Episoden der Serie basierten.
Diese Reihe brachte es auf zwölf Romane sowie drei Kurzgeschichtensammlungen, und unter den Autorinnen und Autoren waren Granden des früheren Fandoms wie das Autorinnen-Duo Sondra Marshak and Myrna Culbreath, über die später noch ein paar Worte verloren werden müssen, aber auch David Gerrold, der selbst für die Fernsehserie geschrieben und sich dort die legendäre Tribbles-Episode ausgedacht hatte.
Weil diese frühen Bantam-Romane nicht im deutschen Star-Trek-Hausverlag Heyne erschienen, sondern ebenfalls bei Goldmann, und das auch noch mit großer Verspätung in den 1990ern, als die Konkurrenz von Heyne schon längst großen Vorsprung hatte, fristeten die Bantam-Romane hierzulande stets ein Zweite-Reihe-Dasein und sind mittlerweile weitestgehend in Vergessenheit geraten.
Parallel dazu erschienen in den USA in zehn Bänden beim Verlag Random House die Umsetzungen sämtlicher Episoden der Star-Trek-Zeichentrickserie aus den Jahren 1973/74. Diese Geschichten stammten aus der Feder von "Mister Novelisation" Alan Dean Foster, der bis heute bekannt ist für seine Romanfassungen unzähliger Filme und Serien.
Anders als Blishs Kurzgeschichtenumsetzung der Originalserien-Episoden war Foster dazu angehalten, die eigentlich viel kürzeren Trickfilmfolgen episch auszuschmücken, damit jeweils drei von ihnen in einem Buch zusammengefasst werden konnten. Dermaßen aufgeblasen waren diese Erzählungen, dass schon nicht mehr die Rede sein konnte von Kurzgeschichten, sondern von Novellen. Auch diese griff in Deutschland später Goldmann auf, nicht Heyne.
Im Dezember 1979 schließlich wurde in den USA ein New Yorker Verlag für Star Trek tätig, der seither fast schon synonym mit der Marke geworden ist und auch bis heute noch für aktuelle Romane aus dem Franchise verantwortlich zeichnet; die Rede ist von Simon & Schuster. Deren Debütveröffentlichung war der Roman zum ersten Kinofilm Star Trek: The Motion Picture (Star Trek: Der Film), den niemand Geringeres als Gene Roddenberry, der Star-Trek-Schöpfer höchstselbst, verfasst hatte.
