Die Star Trek-Romane: Abstieg, Tod und Wiedergeburt eines Universums
Special
Große Momente und katastrophale Fehlentscheidungen: Die Geschichte der Star-Trek-Romane ist voller höchster Höhen und tiefster Tiefen.
Währenddessen war bei Pocket Books in den USA längst die Next Generation bei den Romanen hinzugekommen und die internen Entwicklungen im Verlagshaus führten zu einigen Merkwürdigkeiten, die jedoch keine Auswirkungen auf den generellen und ungebrochenen Erfolg der Buchreihe hatten.
Den Pilotfilm der Next Generation, Encounter at Farpoint (Mission Farpoint/Der Mächtige), hatte die Originalserien-Veteranin Dorothy Fontana gemeinsam mit Gene Roddenberry geschrieben.
Doch weil sich Fontana mit Roddenberrys fiesem Anwalt Leonard Maizlish (vorangegangene Folgen dieser Retrospektive berichteten bereits von dessen Machenschaften) angelegt hatte, wollte der gerissene Advokat Zwist säen. Maizlish sah zu, dass Pocket Books den Auftrag für die Romanumsetzung des Pilotfilms eben nicht an dessen Co-Autorin, sondern an David Gerrold gab, einen weiteren Autor der Originalserie, Teammitglied der Next Generation und enger Freund von Fontana.
Maizlish tat dies in der Hoffnung, einen Keil zwischen die beiden zu treiben. Damit hatte er zwar keinen Erfolg, aber dennoch kündigten beide bald aufgrund Maizlishs zahlreicher Machenschaften bei der Next Generation.
Quelle: Simon & Schuster
Ein Roman, der geschrieben wurde, bevor die Autorin die Serie kannte
Als Heyne dann den Roman als Mission Farpoint veröffentlichte, überlegte man sich eine völlig unpassende Umschlagsgestaltung - was verwunderlich war für einen Verlag, der mit der Marke Star Trek eigentlich sehr kenntnisreich umging. Auf dem Cover abgebildet war die Original-Enterprise von Captain Kirk und nicht die D von Captain Picard, um die es in dem Buch eigentlich ging.
Doch damit nicht genug der Next-Generation-Unregelmäßigkeiten. Als die ersten Romane zur Originalserie erschienen, war diese im Fernsehen bereits längst beendet, weswegen alle Autorinnen und Autoren ein völlig klares Bild der Charaktere hatten, über die sie schrieben.
Bei der Next Generation verhielt es sich jedoch anders, denn die ersten Originalromane sollten bereits kurz nach Serienstart herauskommen, was dazu führte, dass Autorin Diane Carey ihr Ghost Ship (Gespensterschiff) nur auf Basis der knappen Charakterzusammenfassungen in der sogenannten Serienbibel verfasste.
Tatsächlich aber hatte sie davor Patrick Stewart, Jonathan Frakes & Co. noch keinen einzigen Moment wirklich in Aktion gesehen. Das Resultat war ein Roman, bei dem die Charaktere überhaupt nicht gut getroffen waren - wie auch? Am meisten in Erinnerung ist mir geblieben, dass Captain Picard auf der Brücke niemals sprach oder befahl, sondern in diesem Roman grundsätzlich "bellte".
Auch hatte die Reihe das sogenannte Richard-Arnold-Problem entwickelt. Ausgelöst durch das versehentliche oder absichtliche Erscheinen der Slash-Fiction-Version von Killing Time gelangte Gene Roddenberry zu der Erkenntnis, dass ihm die kreative Kontrolle über die Romane entglitten war.
Die Autorinnen und Autoren sollten nicht einfach mehr alles schreiben können, was sie wollten - sehr kontraintuitiv, wo doch gerade das geschriebene Wort unabhängig von Budget-Betrachtungen, unter denen die Fernsehserien und Filme stets zu leiden hatten, unfassbar befreiend war.
Roddenberry installierte seinen Angestellten und Star-Trek-Archivar Richard Arnold, den viele Fans von seinen Diavorträgen auf Conventions kannten, als kreativen Aufpasser bei Pocket Books; daran knüpfte Roddenberry das Fortbestehen der Romanlizenz. Es mussten endlich andere Seiten aufgezogen werden!
Quelle: Simon & Schuster
Auf dem Cover steht Margaret Wander Bonanno, aber geschrieben hat das Buch Gene DeWeese.
Einer der ersten Leidtragenden unter der Ägide Richard Arnolds war Margaret Wander Bonanno, die bereits den von mir hochgeschätzten Strangers from the Sky verfasst hatte. Ihr nächstes Buchprojekt war Probe (Die Sonde), gleichzeitig eine Fortsetzung des vierten Kinofilms und ihres eigenen Romans Dwellers in the Crucible (Geiseln für den Frieden), weil sie nämlich aus ihrem vorangegangenen Buch zwei Botschafterinnen - Cleante und T'Shael - als wichtige Protagonistinnen übernahm.
Doch unter Arnold durfte es eine solche innere Verbundenheit der Romane nicht mehr geben. Es war, so fand er, von den Leserinnen und Lesern nicht zu verlangen, andere Romane gelesen haben zu müssen, um mit den Charakteren vertraut zu sein. Jeder Roman sollte fortan für sich alleine stehen und sich ausschließlich auf die Serie beziehen; ein innerer Zusammenhalt oder gar Fortsetzungen innerhalb der Romanreihe waren streng verboten.
Das Manuskript von Probe wurde daraufhin an einen anderen Pocket-Books-Autoren gegeben, an Gene DeWeese, der Bonannos Text drastisch umarbeitete, sodass weniger als fünf Prozent des Originals erhalten blieben. Trotzdem fungierte DeWeese aus vertraglichen Gründen lediglich als Ghostwriter; Bonannos Name prangte weiterhin auf dem Cover.
Diese große Enttäuschung und die Tatsache, dass Bonanno auf Conventions ihr eigenes Original-Manuskript zu Probe mit dem Titel Music of the Spheres unlizensiert unters Fanvolk brachte, trieb einen Keil zwischen den Verlag und die von vielen Fans geliebte Autorin. Ganze 14 Jahre lang sollte Bonanno sich an keinen weiteren Star-Trek-Roman mehr wagen. Danke, Richard Arnold.
Arnolds Forderung nach Standalone-Romanen war es auch, die dazu führte, dass sich in den Büchern fortan nichtssagende Alienvölker tummelten, die zuvor niemals aufgetreten waren und auch danach niemals wieder vorkommen würden. In den späteren Romanen der Originalserie und auch in den meisten, die auf den 90er-Jahre-Serien basierten, führte das während Arnolds Regime zu immens austauschbaren und langweiligen Erzählungen.
