Star Trek Deep Space Nine Staffel 1: Die neue Serie vergaß beinahe, was sie ist
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Nach einem starken Auftakt startete Star Trek Deep Space Nine in die erste Staffel - und stolperte beinahe ins Unglück ...
Somit wurde ganz schnell wieder die Next Generation zum heißen Thema, das tagtäglich nach der Schule auf uns Jugendliche wartete, während das eigentlich neuere und teure Deep Space Nine auf dem Sonntagsnachmittags-Sendeplatz lief, wo wir im Teenager-Alter oftmals andere Dinge vorhatten oder aber von den Eltern zu Verwandtenbesuchen und anderen Unternehmungen genötigt wurden.
All das konnte SAT.1 nicht ahnen, denn genauso gut hätte Deep Space Nine am Sonntagnachmittag der Sammelpunkt für die gesamte Familie werden und so zum Erfolg finden können. Insofern war die Ausstrahlungstaktik auf SAT.1 durchaus klug, weil man zwei völlig unterschiedliche Strategien verfolgte, wohl mit dem Gedanken: Eine davon wird schon funktionieren.
Zum einen offensiv, mit viel Druck, täglich an die Jugendlichen - zum anderen als Appointment-Television zur Kaffee-und-Kuchen-Zeit. Ersteres Experiment funktionierte unfassbar gut und sprengte die Wahrnehmung von Star Trek in Deutschland so sehr auf, dass es gesamtgesellschaftlich relevant wurde - das andere Experiment wurde schon im Frühsommer wieder beendet, auf Kosten der hiesigen Rezeption der brandneuen Serie.
Im Herkunftsland von Star Trek konnten die Fernsehsender frei entscheiden, wie sie die Serien ausstrahlen wollten, denn beide liefen in Syndication auf lokalen Fernsehkanälen, deren Programmverantwortliche nach eigenem Gutdünken innerhalb einer Woche versenden durften. Doch auch in den USA ging man mit den beiden Serien tendenziell unterschiedliche Wege.
Die Next Generation entwickelte sich eher zur Vorabendserie für mehr oder minder alle Altersschichten. Deep Space Nine hingegen wurde eher am späteren Abend für ein deutlich erwachseneres Publikum ausgestrahlt. Das ebenso wichtige Teenager-Publikum saß da nur noch teilweise vor dem Fernseher.
Quelle: Paramount
O’Brien und Bashir besuchen das merkwürdigste Dorf Bajors.
Die Episode Dax (Der Fall "Dax") war die eine der wenigen in Star Trek, die nach einem Hauptcharakter benannt war - und die einzige in ganz Star Trek, die außer dem Namen des besagten Hauptcharakters kein weiteres Wort im Originaltitel trug. Mit einer der Autorinnen ging Deep Space Nine zum ersten Mal zurück an die Anfänge von Star Trek, denn Dorothy Fontana war diejenige, die schon bei der ersten Staffel der Originalserie entscheidend daran beteiligt gewesen war, den Charakter des Spock zu definieren.
So hatte sie dem Vulkanier beispielsweise die entscheidende Episode This Side of Paradise (Falsche Paradiese) auf den Leib geschrieben. Außerdem war sie ab 1973 Showrunnerin der oft übersehenden Star-Trek-Zeichentrickserie gewesen. Bei Deep Space Nine ergab sich nun für Altmeisterin Fontana die Möglichkeit, auch hier wieder den außerirdischen Wissenschaftsoffizier charakterlich anzufüllen.
Doch leider blieb Jadzia in dieser Episode äußerst farblos und passiv. Sie saß nur dort und schwieg, während sie eine Gerichtsverhandlung über sich ergehen ließ - nicht gerade zuträglich für den Charakter Dax, zu dem die Autorinnen und Autoren ohnehin anfangs keinen rechten Zugang finden konnten, und der auch darunter litt, dass die Schauspielerin Terry Farrell einige Jahre brauchte, um sich generell ins Schauspiel und in die Rolle einzufinden. Alle anderen aus dem Ensemble übernahmen einen aktiveren und treibenden Part in ihren eigenen Episoden.
In dieser Episode litt Dax einfach nur still darunter, eine Trill zu sein, also eine Spezies, die sich aus Wirtskörper und Symbiont zusammensetzte. So stahlen ihr dann auch die drei alten Hasen an Gastdarstellerinnen und -darstellern absolut die Schau. Darunter Fionnula Flanagan, bekannt aus Lost, Genre-Mainstay Gregory Itzin und allen voran die unvergessene Anne Haney als bajoranische Richterin mit irrsinnig trockenem und zynischem Sinn für Humor, die es gar nicht abwarten konnte, dass die Verhandlung endlich vorbei war und sie pünktlich ihr Abendessen einnehmen konnte.
Doch auch die nächste Episode wurde zu einem Problem für zwei der Schauspieler bzw. für ihre Charaktere. Eigentlich war The Passenger (Der Parasit) eine Standard-Science-Fiction-Geschichte, die von einem Kriminellen handelte, der sein Leben unnatürlich zu verlängern versuchte, indem er von Körper zu Körper sprang.
Bemerkenswert an dieser Episode war, dass Quark hier gemeinsame Sache machte mit den Komplizen des Verbrechers, wo er doch eigentlich angelegt war als durchtrieben sympathischer Barkeeper; als Schlitzohr, das hier und dort die Legalität verbog.
Doch die Verbrecher, mit denen Quark sich in dieser Episode gemein machte, waren von ganz anderem Kaliber und warfen einen längerfristigen Schatten auf den Charakter, der sich hier der Beihilfe zum Mord schuldig machte. Die Autorinnen und Autoren gaben später zu Protokoll, dass ihnen dabei die Pferde ein wenig durchgegangen waren und sie Quark eigentlich nicht so finster hatten anlegen wollen.
Der finale Wirtskörper, den der Fiesling der Folge übernahm, war niemand Geringeres als der junge Bordarzt Julian Bashir, gespielt von Siddig El Fadil, und auch er rang in dieser Episode mit der Aufgabe, die an ihn herangetragen wurde. Was eigentlich finster-mörderisch und durchtrieben klingen sollte, wurde in der Darbietung El Fadils zeitlupenartig, mit einer merkwürdig verstellten Stimme, und somit unfreiwillig komisch.
Quelle: Paramount
Formwandler Odos Ermittlungsgeschick macht ihn zu Lwaxana Trois neuestem Schwarm.
Sein Ausspruch "Hailing? Us?", als er auf einen Funkruf antwortete, ist auch im vierten Jahr der Serienbehandlung in unserem Star-Trek-Podcast Trek am Dienstag noch ein Treppenwitz, was die anfangs schlechten Schauspielkünste des Siddig El Fadil angeht.
Im Laufe der Serie sollte er sich schnell bessern und schon in Staffel 2 einer der besten des Ensembles sein - und auch Terry Ferrell würde ihm bald darauf mit ihren Fähigkeiten folgen. Doch hier am Anfang konnte man mitunter verzagen in Anbetracht mancher Leistungen, die auf dem Bildschirm zu sehen waren.
Im Anschluss an diese Episode folgte drüben bei der Next Generation ein großer Zweiteiler, bei dem sich Worf auf die Suche machte nach einer verschollenen Klingonenkolonie, die möglicherweise Geheimnisse über seinen Vater barg. Und weil es immer noch galt, die Werbetrommel für die neue Serie zu rühren, war ausgerechnet Siddig El Fadil als Dr. Bashir, "Mr. Hailing Us", der große Gaststar der Woche in der B-Handlung von Birthright, Part 1 (Der Moment der Erkenntnis, Teil 1). Hier nun gab er eine deutlich bessere Figur ab als in The Passenger, indem er mit Data und Geordi La Forge ein wahres Trio Infernale bildete, das Data dabei half, seine neu erlangte Fähigkeit des Träumens zu erforschen.
In der letzten Szene schien El Fadil einigermaßen hektisch zum Set geholt worden zu sein, denn beim Weggehen von der Next Generation war zu sehen, dass er, anders als gewohnt, nicht die Standard-Sternenflotten-Stiefel trug, sondern weiße Tennisschuhe.
Mit der Episode Move Along Home (Chula - Das Spiel) kam als Nächstes eine Geschichte, bei der sich die meisten Zuschauerinnen und Zuschauer an den Abzählreim "Allamaraine, one-two-three" erinnern, den Kira, Sisko, Dax und Bashir widerwillig aufsagen mussten, um sich in einem Labyrinth-Spiel, in dem sie unerklärlicherweise gefangen waren, um einen Raum weiterzubewegen.
Bei Move Along Home ging es um den zweiten und in Staffel 1 letzten Besuch einer Spezies aus dem Gamma-Quadranten, diesmal trieb sie aber keine Jagdlust, sondern es handelte sich um die spielsüchtigen Wadi. Interessant, dass anscheinend sämtliche Spezies im neu entdeckten Quadranten in einer Art spätrömischen Dekadenz dazu verkommen waren, dass sie ihre Freizeitbeschäftigungen zum einzigen Lebenssinn ausgebaut hatten. Schade, dass Deep Space Nine aus diesem Sittenverfall auf der anderen Seite des Wurmlochs keine größere Story strickte.
Quark, der in das Brettspiel verwickelt wurde, welches die Metaebene über dem Labyrinth darstellte, durfte sich hier nach The Passenger rehabilitieren. Denn er glaubte, es handelte sich um ein Spiel um Leben und Tod und wähnte seine vier neuen Freunde von der Sternenflotte bereits als verloren. Anstatt seiner gewohnten Gier und kriminellen Energie nachzugeben, flehte er die Wadi sogar um das Leben der anderen an.
Eine eher ungewöhnliche Folge, bei der es unter den Fans nie einen Konsens gab. Die einen liebten das abgefahrene Konzept, die anderen taten es als albern ab. Dies war übrigens die erste von zwei Deep-Space-Nine-Episoden, die ich bei der deutschen Erstausstrahlung verpasste, weil sie gezeigt wurden, als ich gerade in einem USA-Urlaub war.
Glücklicherweise hatte der aus dieser Artikelreihe längst bekannte "Spoilerboy" Thorsten die Folgen bei SAT.1 aufgezeichnet, sodass ich sie mir nach meiner Heimkehr überspielen konnte. (Wer meine Texte treu verfolgt, weiß vielleicht, dass es sich mit den verpassten Next-Generation-Episoden ähnlich verhielt.) Und warum die Alien-Eigennamen "Q" und "Dax" im deutschen Titel in Anführungszeichen gesetzt wurden, nicht aber Chula, das weiß wohl nur die Synchronredaktion.
In The Nagus (Die Nachfolge) stand Ferengi Quark abermals im Mittelpunkt in einer Episode, die so ferengig war wie keine zuvor, lernten wir doch erstmals einen ganzen Haufen der großohrigen Kapitalisten kennen und erhaschten einen ersten Blick in ihre Kultur, denn der titelgebende Nagus schaute vorbei, gespielt vom kongenialen New Yorker Theaterdarsteller Wallace Shawn.
Viele kennen ihn vielleicht aus The Princess Bride (Die Braut des Prinzen), wo er mit seiner unnachahmlichen Stimme "Inconceivable!" rief, so wie er in dieser Episode seinen Sohn schalt mit "And you failed! Mi-se-ra-bly!" Oder man kennt ihn als diejenige der beiden intellektuellen Plaudertaschen, die in Louis Malles' My Dinner with Andre (Mein Essen mit André) mit besagtem André zum Abendessen ging.
Ebenfalls in einer Nebenrolle zu sehen war Lee Arenberg, "der Dicke" aus dem Comic-Relief-Duo der Piraten-der-Karibik-Filme. Wer hier noch nicht als Charakter final richtig getroffen war, das war Quarks Bruder Rom, gespielt von Max Grodénchik. Rom war keinesfalls der sympathisch-naive und doch liebevolle Trottel zukünftiger Staffeln, sondern tatsächlich ein sehr bösartiger Ferengi, der seinem Bruder nach dem Leben trachtete und sogar eine wärmesuchende Flugbombe auf ihn losließ.
Der verhutzelt uralte Nagus, Chef aller und geizigster unter den Ferengi, suchte in seiner ersten Geschichte seinen Nachfolger, der neue Geschäftsideen im Gamma-Quadranten auftun konnte, nur um kurz darauf scheinbar den Löffel abzugeben - um zu testen, ob sein Sohn Krax dieser Herausforderung gewachsen war.
Krax war auch das Einzige, das aus dieser Episode nicht wiederkehren sollte, denn der nutzlose Sohn des großen Nagus ward hiernach nie mehr gesehen. The Nagus war eine wunderbar vergnügliche Parodie auf Mafia-Filme und legte den Grundstein für viele Ferengi-Episoden, die manche sehr genießen (ich zähle zu ihnen), über die aber auch zahlreiche Fans geteilter Meinung sind.
