Das Einmaleins von Star Trek: Eine kleine klingonische Kulturhistorie

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Das Einmaleins von Star Trek: Eine kleine klingonische Kulturhistorie
Quelle: Paramount

Ikonisch klingonisch: Unser wandelndes Star-Trek-Lexikon Sebastian Göttling dröselt auf, wie die Klingonen Star Trek erobert haben.

Deswegen waren diesmal nicht wie bisher die Romulaner in klingonischen Schiffsdesigns unterwegs, sondern umgekehrt: Nicht nur die Bezeichnung ihres Schiffs - Bird-of-Prey -, sondern auch die praktische Tarnvorrichtung wurden durch eine simple Drehbuchänderung den Romulanern "gestohlen".

Ein solch taktischer Vorteil passte zwar gut zu den durchtriebenen Klingonen der Originalserie, aber eigentlich nicht zu dem ehrenhaften Volk, zu dem sie sich entwickeln sollten. Ein tapferer Krieger versteckt sich nicht - und trotzdem war seit dem dritten Kinofilm die Tarnvorrichtung so klingonisch wie Gagh.

Das Aussehen der Klingonen wandelte sich abermals vom Wolf zurück zu orientalischer Gesichtsbehaarung - und die Wulst des ersten Kinofilms breitete sich nun links und rechts über den Schädel aus zu einer Art Schildkrötenpanzer. Damit war der wohl bekannteste Look der Klingonen geboren, doch auch ihre Sprache nahm hier ihre wahren Wurzeln und wurde erstmals unter Berücksichtigung echter linguistischer und grammatikalischer Regeln von Marc Okrand eingeführt. Allerdings sprechen die Klingonen nur im englischen Original ihre eigene Sprache mit Untertiteln; in Deutschland wurden sie für den Film komplett synchronisiert.

Was sagte der Film über die politischen Aktivitäten? Er zeigte eine Auseinandersetzung mit den Fragen, die die Existenz der Atombombe mit sich brachte. Stellvertreterin dafür war das Genesis-Gerät, mit dem karge Planeten in lebensspendende Umgebungen verwandelt, aber auch bereits vorhandene Zivilisation komplett ausradiert werden konnten.

Doch was genau die klingonische Regierung darüber dachte, dass die Föderation nun über eine solche "Waffe" verfügte, darüber vermochte der Film gar nicht viel sagen, denn der klingonische Commander Kruge, der die Massenvernichtungswaffe für sein Volk erobern wollte, hatte gar kein Mandat, sondern war als Abtrünniger unterwegs - der erste von vielen.

Aufgrund einer romulanischen Verwechselung sind die Klingonen seit 1984 in Birds-of-Prey mit Tarnvorrichtungen unterwegs. Quelle: Paramount Aufgrund einer romulanischen Verwechselung sind die Klingonen seit 1984 in Birds-of-Prey mit Tarnvorrichtungen unterwegs. Ab 1986 ging es Schlag auf Schlag mit der Entwicklung der Klingonen. Der vierte Kinofilm Star Trek 4: The Voyage Home (Star Trek 4: Zurück in die Gegenwart) zeigte erstmals diplomatische Beziehungen, denn die Klingonen hatten hier einen Botschafter auf der Erde stationiert, der sich rechtschaffen empörte über die Ereignisse des dritten Kinofilms - wobei doch Kruge & Co. eigentlich Renegaten waren, von denen sich die klingonische Regierung die Hände reinwaschen müsste.

Der Pilotfilm von Star Trek: The Next Generation im nächsten Jahr deutete an, dass in dem Dreivierteljahrhundert, das seit der Handlung der Kinofilme rund um Kirk vergangen war, Frieden mit den Klingonen geschlossen wurde, denn wie selbstverständlich stand Worf - der Charakter mit den meisten Auftritten in ganz Star Trek - auf der Brücke von Captain Picards Enterprise-D.

Doch bereits zum Ende der Staffel zeigten sich nach wie vor vorhandene Ressentiments, denn in der Episode Heart of Glory (Worfs Brüder) kamen drei abermals abtrünnige Klingonen an Bord, die beklagten, dass ihr Volk durch das Bündnis mit der Föderation seine Identität verloren hätte und weich geworden sei.

Metaphorisch dafür stehend, dass es sich hierbei um Gedankengut von vorgestern handelte, mussten die drei reaktionären Klingonen zum Ende der Episode allesamt ihr Leben lassen. Für sie gab es keinen Raum mehr im großen Frieden des 24. Jahrhunderts. Aber - und das ist äußerst bedeutend - die Episode drückte aus, dass das Kriegerische ein zentraler Wesenszug der Klingonen war, der sich nur schwer unterdrücken ließ, eine kulturelle Eigenheit wurde zum DNS-Bestandteil überhöht.

Im Sommer 1989 Star Trek 5: The Final Frontier (Star Trek 5: Am Rande des Universums) - ein Film, der wieder zwei Behauptungen aufstellte, die nicht so recht zum Bisherigen passen wollten. Denn wo im Vorgängerfilm die Klingonen bereits eine Botschaft auf der Erde betrieben hatten, schienen die diplomatischen Verhältnisse auf einmal nicht mehr offiziell zu sein, denn in der neutralen Zone (War es die klingonische oder die romulanische? Das verriet der Film nicht) lag der Planet Nimbus III, das gescheiterte Experiment des sogenannten galaktischen Friedens.

Eben weil die drei großen Mächte des Star-Trek-Universums keine Botschaften (mehr) betrieben, gab es hier, ähnlich wie in der Bundesrepublik und DDR seinerzeit, das inoffizielle Äquivalent von Botschaften, eine Art ständiger Vertretung, nur nicht auf den jeweiligen Planeten, sondern auf einem heruntergerockten Wüstenplaneten.

Endlich Frieden mit den Klingonen! Worf ist in der Next Generation das Sinnbild dafür. Quelle: Paramount Endlich Frieden mit den Klingonen! Worf ist in der Next Generation das Sinnbild dafür. Tatsächlich schien sich zwischen den Klingonen und der Föderation immer mehr Frieden anzubahnen, denn der lediglich nach außen grimmige General Korrd schloss schnell Freundschaft mit Spock und wurde zur helfenden Hand. Der einzig antagonistische Klingone im Film war ein - man kann es erraten - Abtrünniger, genauer gesagt ein verzogen-halbstarkes Jüngelchen aus gutem Hause, das einen "auf dicke Hose" zu machen versuchte. Die kriegerische Dekadenz der Vorgenerationen machte sich die Jugend wohl nur noch aus Ennui zu eigen.

Bei so viel Widersprüchlichem war es endlich an der Zeit, die Klingonen ordentlich aufzugleisen - und diese Aufgabe fiel dem Jungautor Ron Moore zu, der in der dritten Staffel der Next Generation zum Team hinzustieß. Eigentlich waren Star-Trek-Fans in den heiligen Hallen Paramounts gar nicht gern gesehen, weil man ihnen weder unbefangenes noch professionelles Geschichtenerzählen zutraute.

Deswegen musste sich Moore, begeisterter Anhänger der Originalserie, bedeckt halten. Und doch schlug sein Fanherz so begeistert, dass es ihm gelang, großen Einfluss zu nehmen, ohne allzu unangenehm aufzufallen.

Sein wichtigster Verdienst war dabei sicherlich das Aufbauen der Klingonen in der Next Generation, und bei deren Neugestaltung orientierte er sich an seinem liebsten Star-Trek-Roman, dem zuvor erwähnten The Final Reflection von John M. Ford; viele zukünftig wichtige Aspekte der klingonischen Kultur leitete er daraus ab und machte aus ihnen die edlen Samurai-Hardrocker der Galaxie, Ehrenkodex-gesteuerte Biker-Gangs an Bord von Birds-of-Prey, die von Walhalla träumten (es jedoch Sto'Vo'Kor nannten) und sich gerierten wie bei Shakespeare.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk