Ikonisch klingonisch: Unser wandelndes Star-Trek-Lexikon Sebastian Göttling dröselt auf, wie die Klingonen Star Trek erobert haben.
Handfester wurde es erneut in Elaan of Troyius (Brautschiff Enterprise), worin die Enterprise eine diplomatische Eheschließung nahe der klingonischen Grenze begleitete, die wiederum von den Klingonen sabotiert wurde - nicht aus Gründen des strategischen Flagge-Setzens, sondern wie in den beiden irdischen Golfkriegen wegen Bodenschätzen, denn die Heimat der zu verheiratenden Prinzessin war reich an Dilithium, mit dem sowohl klingonische als auch sternenflöttische Warp-Antriebe betrieben wurden. So endete die Darstellung der Klingonen in der Originalserie von Star Trek.
In der Zeichentrickserie von 1973 und 1974 kam es im Grunde nur zu einem Remake der Tribbles-Episode und zu einer weiteren Raumanomalie, die eine kurzfristige Allianz bedingte - immerhin kehrten zu diesem Zweck sowohl Koloth als auch Kor zurück. Von einer kulturellen Weiterentwicklung der Klingonen konnte aber nicht die Rede sein.
Ende 1979, der erste Kinofilm Star Trek: The Motion Picture (Star Trek: Der Film). Die beiden Supermächte hatten hier nicht wirklich miteinander zu tun, stattdessen gab es einen föderalen Horchposten zu sehen, so wie einst Spionageeinrichtungen auf der bundesrepublikanischen Seite der Ostsee, welche in die DDR gerichtet waren.
Quelle: Paramount
Der erste Star-Trek-Kinofilm zeigt Klingonen im Werwolf-Look.
Dieser Posten beobachtete, wie gleich mehrere klingonische Schiffe von einer riesenhaften außerirdischen Macht vernichtet wurden. Von gegenseitiger Kooperation - denn die zerstörerischer Wolke flog vom klingonischen Raum direkt weiter in die Föderation - war keine Spur. Es wurde nur zugeschaut.
Interessant war jedoch, dass sich das Aussehen der Klingonen völlig verändert hatte und so eine andere kulturelle Herkunft assoziiert wurde. Ihre Gesichter und deren Behaarung sahen mittlerweile aus wie Werwölfe, wo doch das Wölfische wiederum Parallelen ziehen ließ in Richtung Romulaner, die auf dem antiken Rom basierten, wo wiederum die kapitolinische Wölfin in vielen bekannten Darstellungen die Menschlein Romulus und Remus säugt.
Außerdem wanderte den Klingonen nunmehr eine nie dagewesene, irokesenhafte Wulst von der Nase über den Schädel und offenkundig den gesamten Rücken hinab. Zuletzt sprachen sie eine eigene Sprache, wobei das im Falle des ersten Films einen Euphemismus darstellte.
Die Schauspieler sprachen am Set ihren Text auf Englisch und erst im Nachhinein wurden lippensynchron passende Gutturallaute darübergelegt, die linguistisch keinerlei Sinn ergaben, denn sie stammten aus der Feder eines der Schauspieler, von niemand Geringerem als James "Scotty" Doohan selbst, der sich dafür zeitlebens als Erfinder der klingonischen Sprache bezeichnete.
Im Jahr 1982 dann der zweite Kinofilm Star Trek 2: The Wrath of Khan (Star Trek 2: Der Zorn des Khan), in dem die Klingonen zwar nicht persönlich vorkamen, aber Darstellungen ihrer Schiffe in einer Schlachtsimulator-Sequenz zu Beginn des Films, im berüchtigten Kobayashi-Maru-Test, der die Klingonen abermals den Romulanern näher brachte.
Prüfling Saavik stand vor dem Dilemma, ein Schiff voller unschuldiger Zivilisten retten zu müssen und somit das eigene Schiff in Gefahr zu bringen, indem sie es in die neutrale Zone lenkte, die bisher eigentlich nur zwischen der Föderation und dem romulanischen Reich bestand. Doch weil man auch hier wieder Kosten sparen musste, wurden die Effektaufnahmen der klingonischen Schiffe aus dem ersten Kinofilm wiederverwendet.
Diesmal waren es aber nicht Romulaner, die mit klingonischen Designs umherflogen wie in The Enterprise Incident, sondern ausdrücklich Klingonen, die folglich ab sofort ihre eigene neutrale Zone hatten. Wo die beiden Machtblöcke in der Serie der 60er Jahre noch um Planeten im Grenzgebiet schacherten, da herrschte nun offenkundig eine politische Eiszeit, symbolisiert durch einen großen Streifen Niemandsland zwischen den Territorien. Das erste Mal, dass man von so etwas wie einem eisernen Vorhang zwischen Föderation und Klingonen sprechen konnte.
Quelle: Simon + Schuster
The Final Reflection, ein eigentlich nicht kanonischer Roman, bei dem sich die Serien später bedienten
Im Mai 1984 war es ausgerechnet ein Star-Trek-Roman und damit nicht-kanonischer Content, der den Klingonen Entscheidendes hinzufügte. John M. Fords The Final Reflection (Der letzte Schachzug) erschien bei Pocket Books, und obwohl es sich dabei um eine vergleichsweise dröge Angelegenheit handelte - Jim Kirk las im Buch ein Geschichtsbuch über Klingonen, was dazu führte, dass die bekannten Charaktere lediglich die Rahmenhandlung bildeten -, war der Roman insofern lesenswert, als er erstmals tief die klingonische Kultur eintauchte.
Auf politisch-historischer Ebene spielte der Roman vierzig Jahre vor der Originalserie und handelte von einem jungen Klingonen, der gar Erstaunliches herausfand über die Föderation seiner Zeit. Denn auf der Erde machte sich eine konservativ-rechte Separatistenbewegung breit, die den Kontakt mit anderen Völkern sehr kritisch sah, Reisen ins Weltall zukünftig unterbinden und sogar aus der Föderation austreten wollte.
Unter denjenigen jedoch, die vom föderalen Gedanken überzeugt waren, bildete sich eine verschwörerische Kabale, die einen Krieg mit den Klingonen anzetteln wollte, mit denen man zu dem Zeitpunkt noch friedlich koexistierte. Der Gedanke hinter dem Komplott: Angst vor der klingonischen Bedrohung sollte die Föderation intern zusammenschweißen und den drohenden Austritt der Erde verhindern.
All das warf nachträglich ein interessantes Licht auf den irdischen Ursprung all der Auseinandersetzungen in der Originalserie, so inoffiziell der Roman auch sein mochte: Von wegen brutal-kolonialistischer Machtblock, den es im Sinne des Friedens zurückzudrängen galt - das jahrzehntelange Säbelrasseln war, so behauptete dieses Buch, auf irdischem Mist gewachsen.
Die Cover-Abbildung zeigte einen Klingonen im Look der Originalserie, vertieft ins Schachspiel mit einem Vulkanier - genau so, wie die Romanhandlung eine Aneinanderreihung taktischer Winkelzüge war. Das erlaubte erstmalig einen Blick in die klingonische Kultur, von der ich hier nur einige Details aufführen kann. Klingonen waren Meistertaktiker, die höchsten unter ihnen sogenannte "Gedankenadmiräle", denen Spiele wie Schach so wichtig waren, dass sie sie mit lebenden Stellvertreterfiguren spielten.
Quelle: Simon + Schuster
Star Trek 3: Auf der Suche nach Mr. Spock brachte die Klingonen, die wir kennen und fürchten.
Wobei dies abermals eher zum kühlen Kalkül der Romulaner passte als zu den aufbrausenden Klingonen. An die Stelle der bisherigen Verschlagenheit trat erstmalig eine positive und zutiefst ehrenvolle Darstellung. Und wo im ersten Kinofilm noch rein lautbasiert "Klingonisch" gesprochen wurde, waren die für dieses Buch geschaffenen Ausdrücke Grundstein für die spätere "echte" Sprache der Klingonen. So reichhaltig zeichnete Ford sein Bild einer fremden Kultur, dass das Buch Basis wurde eines Rollenspiel-Regelwerks.
Nur einen Monat später kam es im Kino zu einer wahrhaft wilden Mischung mit Star Trek 3: The Search for Spock (Star Trek 3: Auf der Suche nach Mr. Spock).
Grund für all die Unklarheiten war abermals eine klingo-romulanische Vermischung, denn das Drehbuch aus der Feder des damaligen Franchise-Lenkers Harve Bennett sah eigentlich vor, dass die Romulaner den neu entstandenen Genesis-Planeten als reiche Quelle des bereits genannten Dilithiums erkannten und deswegen dort mit brutaler Hand ein Bergwerk betrieben. Regisseur und Spock-Darsteller Leonard Nimoy stand jedoch der Sinn nach turbulenterer Action, und außerdem hielt er die Klingonen für das bekanntere Widersacher-Volk, weswegen er die Geschichte kurzerhand und einigermaßen mit der heißen Nadel gestrickt umschreiben ließ.
