Ein Nachruf auf Entwickler & Publisher - Irrational Games, Looking Glass, Lucas Arts

Special Thorsten Küchler
Ein Nachruf auf Entwickler & Publisher - Irrational Games, Looking Glass, Lucas Arts

Während Electronic Arts, Ubisoft & Co. eifrig ihren Geschäftennachgehen, sind andere einst bekannte Publisher und Entwickler längst wieder von der Bildfläche verschwunden - und mit ihnen zumeist auch grandiose Computerspiel-Serien. Im zweiten Teil unseres Nachruf-Specials erinnern wir an 14 vergangene Spieleschmieden, die inzwischen leider schließen mussten. Mal aus eigener Dummheit, mal einfach nur aus Künstlerpech, mal aus purem Größenwahn.

Irrational Games

Ganz klar ein Meisterwerk: Bioshock ist nicht nur der geistige Nachfolger von System Shock 2, sondern auch eine Referenz in Sachen Story-Dramaturgie. Ganz klar ein Meisterwerk: Bioshock ist nicht nur der geistige Nachfolger von System Shock 2, sondern auch eine Referenz in Sachen Story-Dramaturgie. Wer waren die noch mal?
Die drei ehemaligen Looking-Glass-Mitarbeiter Ken Levine, Jonathan Chey und Robert Fermier tun sich 1997 zusammen und nennen ihr neues Studio Irrational Games. Bereits mit dem Debüttitel trifft das Trio voll ins Schwarze: System Shock 2 gilt gemeinhin als eines der besten Spiele seiner Epoche. Egal ob Tribes: Vengeance, Freedom Force oder SWAT 4 – die folgenden Titel können dann aber nicht mehr ganz an den Erfolg anknüpfen, sind aber dennoch allesamt von hoher Qualität. 2006 kauft dann Take 2 die Spieleschmiede. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit: Bioshock, ein Hit, dessen Bedeutung für die Spieleindustrie wir hoffentlich niemandem mehr näher erklären müssen...

Wie und wann kam das Ende?
Während Bioshock 2 von 2K Marin produziert wird, kümmert sich Irrational Games dann wieder um Bioshock: Infinite. Das Spiel ist brillant, verkauft sich aber nicht zufriedenstellend. Anfang 2014 gibt Levine bekannt, dass Irrational in seiner eigentlichen Form nicht weiter existiert – bis auf 15 Mitarbeiter werden alle Angestellten entlassen.

Was wurde aus denen?
Ken Levine und seine verbliebenen Kollegen werkeln aktuell an einem Science-Fiction- Spiel, das in Sachen Story und Emotionalität erneute neue Maßstäbe setzen soll – als technische Grundlage dient die Unreal Engine 4. Die Bioshock-Lizenz liegt unterdessen weiter bei 2K Games – wann und wie es mit der Serie weitergeht, ist unbekannt.

Looking Glass Studios

Mit Titeln wie Thief (links) oder System Shock 2 (rechts) zeigt Looking Glass, dass man aus der Ego-Perspektive mehr als nur plumpe Shooter zaubern kann. Quelle: Looking Glass Studios Mit Titeln wie Thief (links) oder System Shock 2 (rechts) zeigt Looking Glass, dass man aus der Ego-Perspektive mehr als nur plumpe Shooter zaubern kann. Wer waren die noch mal?
Ab 1990 steht das Fernglas-Logo für grandiose Spiele, die bis heute als Klassiker gelten: Egal ob Ultima Underworld, System Shock, Terra Nova oder Thief – die Looking Glass Studios hauen einen Hit nach dem anderen heraus. Doch der Ruhm sollte nur ein Jahrzehnt lang anhalten...

Wie und wann kam das Ende?
1997 fusioniert Looking Glass mit der Software-Firma Intermetrics. Doch Letztere zieht sich bereits zwei Jahre später wieder aus dem Investment zurück – und bringt das Studio in finanzielle Schwierigkeiten. Als dann auch noch Publisher Eidos verabredete Zahlungen verweigert, muss Looking Glas am 24. Mai 2000 dichtmachen.

Was wurde aus denen?
Kaum ein anderes Studio hat derart viele Berühmtheiten hervorgebracht wie Looking Glass: Seamus Blackley (Miterfinder der ersten Xbox), Ken Levine (siehe Irrational Games), Warren Spector (siehe Ion Storm), Harvey Smith (Dishonored) und noch viele mehr lernten ihr Handwerk bei der Spieleschmiede aus Cambridge in den USA.

Lucas Arts

Der Western-Shooter Outlaws stammt ebenfalls von LucasArts und ist einer der zu unrecht untergegangenen Geheimtipps des Action-Genres. Quelle: LucasArts Der Western-Shooter Outlaws stammt ebenfalls von LucasArts und ist einer der zu unrecht untergegangenen Geheimtipps des Action-Genres. Wer waren die noch mal?
Bereits 1982 eröffnet der Star Wars-Erfinder George Lucas mit Lucasfilm Games eine eigene Computerspiel-Abteilung – die Umbenennung in Lucas Arts erfolgt erst 1990. Die ersten Titel wie Ballblazer oder Rescue on Fractalus verbuchen Achtungserfolge, der Durchbruch gelingt mit dem skurrilen Adventure Maniac Mansion. In der Folge bringt die Firma mit Indiana Jones and the Last Crusade, The Secret of Monkey Island, Day of the Tentacle und Sam & Max einen Knaller nach dem anderen heraus. Zudem rückt immer mehr die Star Wars-Lizenz in den Fokus: Ob CD-Rom-Blender (Rebel Assault), Weltraum-Simulation (X-Wing), Rollenspiel (Knights of the Old Republic) oder Ego-Shooter ("Dunkle Mächte") – kein Genre ist vor Lucas Arts' kultiger Sternenkriegsaga sicher.

Wie und wann kam das Ende?
Im April 2004 wird Jim Ward zum neuen Präsident von Lucas Arts – und kündigt zugleich umfangreiche Restrukturierungen an. Zahlreiche Projekte werden nach eingehender finanzieller Überprüfung gestrichen. Lucas Arts tritt nun fast nur noch als Publisher in Erscheinung und bringt ordentliche, aber eben keine grandiosen Spiele wie beispielsweise Mercenaries (von Pandemic) oder Fracture (von den Day 1 Studios) heraus. Am 30. Oktober 2012 verkauft George Lucas seine Firma schließlich an Disney. Der Filmriese ist aber nicht an einem internen Entwicklungsstudio interessiert und schließt Lucas Arts – der Name der Firma existiert ab sofort nur noch als lizenzierbares Label.

Was wurde aus denen?
Electronic Arts hat sich die Rechte an Star Wars: Battlefront gesichert und produziert mit dem Online-Shooter aktuell eines der wohl wichtigsten Computerspiele der Saison 2015. Adventure- Kultfigur Tim Schafer darf unterdessen Neuauflagen seiner einstigen Hits entwickeln: Nach Grim Fadango soll nun auch Day of the Tentacle in modernisierter Form auf den Markt kommen.

  1. Seite 1 Ein Nachruf auf Entwickler & Publisher - 10tacle, Acclaim, Ascaron
  2. Seite 2 Ein Nachruf auf Entwickler & Publisher - Bullfrog, GoD, Ion Storm
  3. Seite 3 Ein Nachruf auf Entwickler & Publisher - Irrational Games, Looking Glass, Lucas Arts
  4. Seite 4 Ein Nachruf auf Entwickler & Publisher - Midway, Origin Systems, Pandemic
  5. Seite 5 Ein Nachruf auf Entwickler & Publisher - Sierra, THQ
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